Paul Auster: Sunset Park

Paul Auster
Zugegeben: Auch wenn ich bislang noch keinen anderen Roman von Paul Auster gelesen habe, stimme ich zwar den zahlreichen Rezensenten im Feuilleton und im Netz in puncto guter Lesbarkeit von „Sunset Park“ zu, muss aber gleichzeitig auf das Artifizielle, Künstliche in dem Roman zu sprechen kommen, was alle anderen entweder ignorieren oder als Schwäche des Buches herausstellen.
Zur Handlung nur soviel: In Zeiten der Wirtschaftskrise besetzen vier junge Amerikaner ein leer stehendes Haus in Brooklyn. Im Mittelpunkt steht Studienabbrecher Miles und seine Familie. Er brannte nach dem Tod seines Stiefbruders durch und nähert sich nun, nachdem er die Liebe seines Lebens gefunden hat, langsam wieder seinen Eltern. (Mehr zum Inhalt z.B. hier.)
Was sich anhört wie eine klassische Familientragödie, wird bei Auster überblendet mit vielen anderen zeitlosen Themen wie Generationenkonflikt, finanzielle Krise, Wirren der Liebe, Suche nach sich selbst, Scheitern des Amerikanischen Traums usw. Die Konstruktion, das künstliche Netz hinter allem ist so clever gebaut, dass man die Geschichten als realistische Reportage aus einem Amerika nach dem 11. September lesen kann. Oder aber man steigt tiefer ein in das Buch, versucht die roten Fäden zusammenzulegen: Immer wieder ist vom Zufall die Rede, meist anhand der Biographien von realen Baseball-Spielern. Personen sind sich in der Vergangenheit schon begegnet und wir Leser lernen  einige Kapitel später „zufällig“ eine ganz andere Perspektive dieser Begegnung kennen. Alles, was in dem Roman geschieht ist also ganz und gar kein Zufall.
Schließlich die große Frage nach dem Sinn der Krisen, dem Sinn des Scheiterns. Wie soll man all dies aushalten? Die Antwort gibt uns der Roman auf eindringliche und anschauliche Weise: Miles stemmt sich gegen die Verluste und fotografiert als Entrümpler von aufgegebenen Häusern zurückgelassene Gegenstände. Seine Mitbewohnerinnen analysieren Filme, kämpfen für inhaftierte Autoren und zeichnen. Sein Vater versucht seinen Verlag zu retten… Für die Kunst allein also lohnt es sich zu leben und zu kämpfen – auch wenn am Ende offenbleibt, für welchen Weg sich Miles entscheidet.

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