Margaret Atwood: Der Report der Magd

Margaret Atwood
Fast 30 Jahre nach seiner Entstehung hat Margaret Atwoods dystopischer Roman „Der Report der Magd“ nichts von seiner erschreckenden Wirkung verloren. Im Gegenteil: Einige Details aus der in einer nahen Zukunft spielenden Lebensgeschichte der Magd Desfred sind inzwischen kurz davor Wirklichkeit zu werden. Bevor Desfred wie alle Frauen ihren Job verlor, scannte sie Bücher aus Bibliotheken ein. Als sie ihren Bericht auf Audiokassetten aufnimmt, sind Bücher verboten und komplett aus dem Verkehr gezogen. Nur der Kommandant, in dessem Haus sie als eine der wenigen fruchtbaren Frauen einzig zu dem Zweck der Fortpflanzung gefangen gehalten wird, besitzt einige alte Bücher und Zeitschriften. Auslöser für den in Rückblicken geschilderten, sehr schnellen Umsturz in Nordamerika waren Umweltkatastrophen. Das strenge neue System ist natürlich nur durch totale Überwachung aufrechtzuerhalten.
Was den Roman außer seiner brisanten Themen so lesenswert macht, ist sein raffinierter Aufbau: Desfred berichtet (nach ihrer Rettung oder aus der Gefangenschaft?) aus ihrem trostlosen Alltag, Stück für Stück aber auch aus ihrer Vergangenheit mit Mann, Kind und rebellischer Freundin. Auf den letzten Seiten folgt dann als fiktiver Anhang das Protokoll eines wissenschafllichen Symposiums, das zum einen die Überlieferung des Berichts erläutert und außerdem das gesellschaftliche System als historisches einordnet.
„Der Report der Magd“, 1990 von Volker Schlöndorff verfilmt, ist ein absolut zeitloser Klassiker, der es locker mit Orwell und Huxley aufnehmen kann.

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