Neil MacGregor: Shakespeares ruhelose Welt

Von der ägyptischen Mumie bis zur chinesischen Solarlampe: 2010 sendete BBC Radio 4 eine Reihe von 100 jeweils 15-minütigen Sendungen, in denen Neil MacGregor, ehemaliger Direktor der Londoner National Gallery und seit 2002 des British Museum, genau ein Objekt aus den riesigen Sammlungen des Britischen Museums vorstellte. Das im Anschluss veröffentlichte Buch „A History of the World in 100 Objects“ wurde ein großer Erfolg und in viele Sprachen, natürlich auch ins Deutsche übersetzt.
2012 widmete sich MacGregor in einer neuen 20-teiligen Reihe dem Thema William Shakespeare. Vor kurzem erschien das begleitende Buch „Shakespeares ruhelose Welt“ bei C. H. Beck – genau passend zum diesjährigen 450. Geburstag des großen Dramatikers.
Die einfache und geniale Struktur des Vorgängerbuchs bleibt erhalten: Pro Kapitel wird ein einziges Objekt genauer vorgestellt. MacGregor zitiert Experten, fasst zusammen und ordnet ein. Der große Unterschied: Alle 20 Kapitel drehen sich um Shakespeare – zum Glück überhaupt nicht um seine Person sondern um seine Zeit; London und England des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts.
So beleuchtet MacGregor alle nur möglichen Aspekte, die zum Verständnis von Shakespeares Werken beitragen: Eine verlorene Eisengabel dient zum Einstieg in den Alltag der Theaterwelt um 1600. Über ein Schiffsmodell aus Holz, geschaffen als Dank an Gott für das Überleben auf See, kommt der Autor schnell zum weit verbreiteten Hexenglauben. Über Degen und Dolch zu Macht und Gewalt in der englischen Gesellschaft. Wie selbstverständlich baut er dabei immer wieder Original-Zitate aus „Macbeth“, „Romeo und Julia“ und fast allen anderen Stücken ein.
Ob Druck, Gemälde, Buch, Glas, Kleidungsstück, Uhr usw. – immer wird der Zusammenhang zu Shakespeare sofort klar. So macht es nicht nur großen Spaß, dem Autor bei seinen Exkursionen zu folgen, man will sich mit dem neuen Wissen unweigerlich selbst in Shakespeares Texten auf die Suche begeben.
Einen Eindruck vermittelt dieses Video über eine Augenreliquie. (Der Shakespeare-Fan liest nach unter „King Lear“, 3. Akt, 7. Szene!)

 

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