Jacek Dehnel: Saturn. Schwarze Bilder der Familie Goya

Jacek Dehnel
Die späten Bilder Francisco de Goyas, die sogenannten „Pinturas negras“ (mehr dazu hier und hier), gehören zu den düstersten und rätselhaftesten im ohnehin schon bedrückenden Gesamtwerk des spanischen Malers. Wahrscheinlich um 1820 an die Wände der Quinta del Sordo (Villa des Tauben) außerhalb Madrids gemalt, wurden sie mehr als 50 Jahre später auf Leinwand übertragen. Heute befinden sich die 14 Werke, darunter der seinen Sohn verschlingende Saturn, der einsame Hund oder die wahnsinnigen Alten im Prado. Nachdem sich Generationen von Forschern an den Gemälden abgearbeitet und sie unterschiedlich ausgelegt haben – von direkten Reaktionen auf Krankheit, Hunger, Krieg und Inquisition bis hin zur Deutung als Vorläufer einer moderner Ästhetik – veröffentlichte der polnische Autor Jacek Dehnel (Jahrgang 1980) vor kurzem eine literarische Auseinandersetzung mit den Schwarzen Bildern, Goya und seiner Familie, die die Intensität der Gemälde eins zu eins in Textform überträgt und gleichzeitig einige Forschungsthesen auf den Kopf stellt.
Fiktive Romane über reale Personen sind immer Herausforderungen. Im Falle Goyas eine besonders große, da neben der erwähnten Forschungsliteratur und zahlreichen Biographien auch erstklassige Spielfilme (z.B. von Milos Forman oder Konrad Wolf) und Lion Feuchtwangers Roman-Klassiker aus dem Jahr 1951 die Messlatte sehr hoch hängen. Doch Dehnel lässt sich nicht einschüchtern und liefert mit „Saturn. Schwarze Bilder der Familie Goya“ eine ganz neue Sicht auf Werk und Künstler.
Abwechselnd kommen in kurzen Kapiteln Francisco, sein Sohn Javier und dessen Sohn Mariano zu Wort. Der große Maler entpuppt sich als alter geiler Bock, der seinen lethargischen Sohn nicht ernst nimmt und seine Schwiegertochter umwirbt. Gekonnt baut Dehnel neueste Forschungen zu den Schwarzen Bildern ein, nach denen nicht Goya sondern sein Sohn der Schöpfer ist. Der geschäftstüchtige Enkel wird die Bilder später verkaufen.
Zwischen den Monologen, die den harten und schmutzigen Alltag genauso schildern wie das angespannte Familienleben und das Geschäftemachen mit der Kunst, finden sich von der Handlung des Romans losgelöste Kurzgeschichten zu den 14 Schwarzen Bildern. Auf nicht mehr als zwei bis drei Seiten beschwört Dehnel die Intensität der Bilder herauf: Geräusche, Gerüche, Gefühle werden in einer Eindringlichkeit ausgedrückt, wie es einem sonst nur beim Betrachten der Originale passieren könnte. Ihm gelingt es, den inzwischen von der Forschung verstellten Blick auf die Werke wieder frei zu machen – egal ob Goya selbst sie geschaffen hat oder nicht. Zwar lassen die schwarzweissen Abbildungen so manche Details im Dunkeln, dennoch bleibt nach der Lektüre ein tiefer Eindruck und der dringende Wunsch, bald wieder in den Prado zu fahren und die Schwarzen Bilder selbst anzusehen.

Jacek Dehnel
„Saturn. Schwarze Bilder der Familie Goya“
Hanser Verlag
Seiten: 272
ISBN: 978-3-446-24328-6
Preis: 19,90 €

Gewinnspiel zum Jahresende!
Wir verlosen ein brandneues Exemplar dieses spannenden Buches unter allen Kommentatoren dieses Eintrags und des Facebook-Eintrags, die bis zum Jahresende (31.12.2013 23.59 Uhr) den/die persönliche/n Lieblingskünstler/in  in das Kommentarfeld schreiben. Der Gewinner / die Gewinnerin wird durch Los bestimmt und per E-Mail kontaktiert. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung mit Facebook und wird auch nicht von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Nachtrag vom 1. Januar: Andrea hat gewonnen! Herzlichen Glückwunsch! (Ein kleiner Trost für alle anderen Teilnehmer: Es gibt sicher bald wieder etwas zu gewinnen. Schaut hin und wieder vorbei!)

6 Kommentare

  1. Hallo,

    das Buch klingt super spannend…würde ich gerne gewinnen! 🙂

    Mein Lieblingskünstler ist Francisco de Goya.

    Viele Grüße aus München!

  2. Hallo,

    ich würde ebenfalls gerne an dem Gewinnspiel teilnehmen, da ich hauptsächlich Bücher über Künstler und ihre Werke vom Taschen oder DuMont Verlag lese. Von Goya habe ich bisher noch keines. Vielleicht habe ich Glück. 🙂

    Ich lass dir ganz liebe Grüße da & wünsche dir einen schönen Abend!
    Au revoir!
    Mia

  3. Huhu 🙂

    Das Buch klingt einfach klasse & ich wüsste auch schon einen lieben Menschen, der daran sehr viel Freude hätte!
    Einer meiner persönlichen Lieblingskünstler ist Friedrich Hechelmann, der hier in meiner Heimat lebt & wirkt.

    Ganz liebe Grüße & einen guten Rutsch wünscht
    Andrea

  4. Danke für die schöne Rezension, auch wenn sie schon etwas älter ist, aber ich bin erst heute darauf gestoßen.

    Zu Goya kam ich auch erst durch Feuchtwangers Roman, schön durch diesen Artikel wieder einmal daran erinnert zu werden.

    Thomas.

  5. Danke für den Kommentar! Der Feuchtwanger-Goya steht bei mir leider noch ungelesen im Regal. Aber dieses Buch hier ist mir in guter Erinnerung geblieben, es gibt es jetzt auch als Taschenbuch.

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