Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels

Es ist wahrscheinlich die besondere Mischung aus Außenseiter-Geschichten, Lebensweisheiten und Paris-Atmosphäre, die den zweiten Roman von Muriel Barbery inzwischen zu einem Weltbestseller hat werden lassen. Abwechselnd erzählen die vierundfünzigjährige Concierge Renée (der Igel) und die zwöfjährige Schülerin Paloma aus ihrem Alltag in einem Pariser Stadtpalais. Beide pflegen ein heimliches Interesse an Kultur, Sprache und Philosophie – also genau die Dinge, mit denen man eine Hausmeisterin und ein kleines Mädchen nicht sofort in Verbindung bringt. Als eines Tages jedoch ein neuer Mieter einzieht, wird alles anders: Er entdeckt sofort die verborgenen Qualitäten der beiden und macht sie miteinander bekannt. Auch ohne Happy End wird es zum Schluss sehr gefühlsduselig.
Den größten Teil des Buches nimmt allerdings nicht die eben skizzierte Handlung ein (und da täuschen die meisten Kritiken und Klappentexte), sondern mehr oder weniger tiefsinnige Gedankenspiele über Edmund Husserl (Philosoph), Ozu Yasujirō (Regisseur), Wilhelm von Ockham (Theologe), holländische Stillleben und immer wieder Leo Tolstois „Anna Karenina“. Da Renée aber auch Texte von Eminem mag, sowie „Blade Runner“ und „Black Rain“ von Ridley Scott schätzt und alle Referenzen in Zusammenhang mit ihrem eigenen Leben bringt, geht dieses Namedropping (meistens, v.a. bei Tolstoi) auf. Diese Verzögerungen steigern natürlich gleichzeitig die Spannung. Denn eigentlich will ich doch nur wissen, wie lange und mit welchen Tricks sich Renée noch unentdeckt (den Fernseher zur Tarnung voll aufgedreht) ihren intellektuellen Studien widmen kann. So richtig begeistern konnte mich dieses Buch („modernes Märchen“) also leider nicht. Für Fans von Paulo Coelho und Antoine de Saint-Exupéry ist es aber ein heißer Tipp!

1 Kommentar

  1. ja, ein wunderbares buch! doch musste es so enden? :-/

    der film zum buch kam letzt im TV. war nicht so gut!

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