Eliot Schrefer: Endangered

Bonobos gehören zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. Nicht nur, dass ihnen immer mehr Lebensraum in den tropischen Regenwäldern genommen wird, bis heute werden Bonobos gejagt und als sogenanntes Buschfleisch gegessen. In seinem Roman „Endangered“ schreibt Eliot Schrefer über die Besonderheiten der Spezies aber auch über die brutale Geschichte ihrer Heimat, der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Das Buch erzählt jedoch in erster Linie die spannende Geschichte der 14-jährigen Sophie, die zur Ersatzmutter des jungen Bonobo-Waisen Otto wird und mit ihm eine Odyssee durch ein vom Bürgerkrieg erschüttertes Land durchlebt.
Im Unterschied zu den ähnlich aussehenden Schimpansen sind Bonobos weniger gewalttätig, Weibchen übernehmen innerhalb der Gruppe die Führungsrolle und Aggressionen werden durch Sex abgebaut. Dies und noch viel mehr über Sozialverhalten, Nahrungsaufnahme, Kommunikation usw. bekommt man anschaulich (und jugendfrei) durch unterschiedliche Sitationen auf Sophies Reise oder im auf Bonobos spezialisierten Tierheim ihrer Mutter geschildert. Ohne mit Fakten zu nerven oder gar die Moralkeule zu schwingen, wird man zum Bonobo-Fan und bekommt gleichzeitig ein differenziertes Bild des Kongo und seiner Bewohner. Im Anhang des Buches gibt Schrefer ausführlich Auskunft zu seinen Quellen und Inspirationen. Die Station, auf der die Bonobos ausgewildert werden, gibt es wirklich: Lola Ya Bonobo, gegründet von der Tierschützerin Claudine André.
Schon Joseph Conrad schrieb in seiner düsteren Erzählung „Herz der Finsternis“ von der grauenvolle Behandlung der Bewohner durch die belgischen Kolonialherren. Dass dieses noch lange nicht aufgearbeitete Kapitel in der Geschichte des Kongo nicht einfach ignoriert werden kann, dass die heutige Gewalt auf eine traurige Tradition zurückgeht, darüber berichtet auch David van Reybrouck in seinem gefeierten Sachbuch über das Land.
„Endangered“ jedoch ist Fiktion und trägt trotzdem so viele dieser realen Themen in sich. Das Buch war 2012 unter den fünf Nominierten für den National Book Award in der Kategorie Young People’s Literature ist aber etwas für Leser aller Altersstufen. Egal, ob man sich bislang für die Geschichte Afrikas oder das Leben von Affen interessierte oder nicht, es hinterlässt garantiert bei allen einen nachhaltigen Eindruck!
Hoffentlich wird „Endangered“ schnell ins Deutsche übersetzt, damit es noch mehr Leser findet!

2 Kommentare

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.