Jo Kyung Ran: Feine Kost

Eigentlich hätte man es nach einem kurzen Blick auf Klappentext und Pressezitate ja ahnen können: Romane, für die mit „Ein Fest für die Sinne“ geworben und deren Handlung mit „Liebe geht durch den Magen“ zusammengefasst werden, verschenkt man besser schnell an kochende Gelegenheitsleser. Denn nach so gelungenen Texten, in denen Essen und dessen Zubereitung eine große Rolle spielen wie „Kochen mit Fernet Branca“ (witzig!) oder „Die Lust und ihr Preis“ (vertrackt!), ist dem Genre Koch-Roman eigentlich nicht mehr viel Neues hinzuzufügen.
Die südkoreanische Autorin Jo Kyung Ran versucht es trotzdem: In ihrem Buch „Feine Kost“ berichtet die junge Köchin Ji-won vom Verlust ihres abgöttisch geliebten Ehemanns, der sie wegen einer anderen hat sitzen lassen. Sie kompensiert dies – wie könnte es anders ein – mit Essenszubereitung, schließt zwar die gemeinsame Kochschule, geht aber zurück in ein Nobelrestaurant, in dem sie fast rund um die Uhr schuftet. Melancholisch, fast depressiv erinnert sich Ji-won an die Kindheit (die Oma brachte ihr das Kochen bei) und natürlich an die Zeit mit ihrem Mann, einem Architekten mit dem sie das Kochstudio baute und betrieb. Die Trauer schlägt langsam um in Hass und (Achtung: Spoilerwarnung!) die Neue des Ex-Mannes muss dran glauben.
Was in einzelnen Passagen sehr stimmungsvoll, poetisch beschrieben wird, kippt schnell in Richtung Küchen-Kitsch und Hobby-Psychologie. Für einen Thriller ist das alles nicht spannend genug und ihre Opfer verspeisende, bzw. zu Speisen zubereitenden Mörder gab es schon vor Hannibal Lecter.
Doch ein Totalverriss soll das hier nicht werden: „Feine Kost“ ist ein kunstvoll komponierter Roman, dessen lyrische Qualitäten am Ende durch den platten, unmotivierten Mord überdeckt werden. Es ist u.a. auch interessant zu lesen, wie Köche in einem Restaurant mit italienischer Karte in Korea  ausgebildet werden, wie sich die Speisen der Edelrestaurants und die Geschmäcker der Gourmets dank der Globalisierung verändern.
In ihrer Heimat wurde Jo Kyung Ran mit einigen Preisen ausgezeichnet und es ist natürlich sehr zu begrüßen, dass koreanische Literatur ins Deutsche übersetzt wird. Also auch wenn „Feine Kost“ nicht der ganz große Wurf ist, kann man von der Autorin sicher doch noch den ein oder anderen lesenswerten Roman erwarten.

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