Glanz und Größe des Mittelalters. Kölner Meisterwerke aus den großen Sammlungen der Welt.

Als regelmäßiger Museumsgänger kann ich es schon lange nicht mehr hören: Blockbuster hier, Warteschlange da. Sonderausstellungen werden immer häufiger zu Mega-Spektakeln inszeniert, bei denen offensichtlich allein die Besuchermassen zählen.
Dass es auch anders geht, zeigt eine Ausstellung im neuen Kölner Kulturquartier. Zugegeben: Im Foyer musste ich den Eingang zum Ausstellungssaal suchen und auch der erste Eindruck drinnen war anfangs ernüchternd. Die halbhohen Zwischenwände sind hellgrau gestrichen. Jeweils am Beginn der 17 thematisch geordneten Abschnitte gibt es kräftige Farbfelder, auf denen Wandtexte stehen und die mit Mustern aus dem Ausstellungskontext dezent geschmückt sind. Die Architektur ist also sehr zurückhaltend und auch das Licht wird nicht zu theatralischen Effekten eingesetzt. Diese Zweckmäßigkeit erweist sich aber schon nach ein paar Metern als absolut richtige Entscheidung. Denn nur so konzentriert man sich auf die oft kleinen Ausstellungsstücke, nur so kann man sich auf manchmal nur millimetergroße Einzelheiten einlassen.
Thema der Ausstellung ist die Heilige Stadt Köln als Kunst- und Kulturzentrum des Mittelalters. In kleinen Abschnitten werden manchmal Kunstgattungen (z.B. Elfenbeinschnitzerei, Skulptur des 12. Jahrhunderts, Tafelmalerei), manchmal gattungsübergreifende Themen vorgestellt (z.B. Kirche und Staat, Gottesmutter, Bürgertum, Handel). Gerade diese Mischung macht den Rundgang abwechslungsreich, des Öfteren stellt sich ein Aha-Effekt ein („Das habe ich doch vorhin schon einmal ähnlich gesehen.“) Allerdings empfehle ich entweder den umfangreichen Audioguide oder den dicken Katalog mit kurzen Texten zu allen Stücken (im Museumsshop 39,00 €). Nur die einleitenden Kapiteltexte in der Ausstellung wären mir zu wenig Informationen.
Buch- und Glasmalerei, Skulpturen aus Holz und Stein, Textilien, Gemälde – das Kölner Kunsthandwerk des Mittelalters wird in seiner gesamten Breite mit Werken aus der Sammlung des Museums Schnütgen und etwa 160 Leihgaben aus den großen Museen der Welt dargestellt. Und diese vielen kostbaren Leihgaben aus z.B. Washington, Los Angeles oder London machen die Ausstellung zu einem absolut sehenswerten Erlebnis. Allein die ungewöhnlichen, anspielungsreichen Motive des Tafelbildes „Christus am Lebenden Kreuz“ aus Chicago verdienen ein intensives Studium im Original. Denn bei aller hochauflösenden Darstellung im Netz – nur das echte, dreidimensionale Werk kann seine Wirkung vollends entfalten. Und da, auch wenn die Versuchung groß ist, natürlich kein originales Kunstwerk berührt werden darf, haben die Ausstellungsmacher eine Faksimile-Ausgabe einer Handschrift ausgestellt, die man mit Handschuhen ausnahmsweise eben doch anfassen kann. So wird die Ausstellung (läuft noch bis zum 26.02.2012) zu einem Ereignis, dass allein durch die ausgestellten Werke, den vermittelten Inhalten beeindruckt. Ganz ohne riesige Marketing-Maschine.

1 Kommentar

  1. Ich stimme dir aus vollem Herzen zu. Diese Kultur-Events sind nicht mehr zum Aushalten. Gerade deshalb liebe ich das Museum Schnütgen, sowie das Rautenstrauch-Joest-Museum. Architektonisch finde ich die Verbindung der beiden übrigens sehr gut gelungen ebenso wie den Innenhof, der mitten in der hektischen Innenstadt einen richtigen Ruheraum darstellt.
    Viele Grüße, Mila

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