Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre

Eigentlich wurde ja schon oft genug geschrieben, wie toll die Romane des Walisers Jasper Fforde sind (zuletzt z.B. hier, hier und hier). Seine Romanreihe um die Heldin Thursday Next (siehe auch den Wikipedia-Eintrag) ist aber so abgefahren und unterhaltsam, dass ich hier noch einmal eine dringende Leseempfehlung für all jene aussprechen möchte, die sich sonst eigentlich nur für die großen Literaturklassiker interessieren. Fforde ist ein hervorragender Kenner der Literaturgeschichte, er hat aber so viel Fantasie und Witz, dass er bekannte Geschichten von Dickens, Poe, Kafka, Austen usw. nicht einfach nur umschreibt oder ihnen Helden entnimmt und sie z.B. in die Gegenwart versetzt. Nein, das Allergrößte an Ffordes Romanen ist, dass er unbändige Lust auf das Lesen der Klassiker selbst macht. Allein die Handlung von „Der Fall Jane Eyre“, dem ersten Buch der Folge, ist verrückt genug, aber wie Fforde dem unwissenden Leser (ich gehörte dazu) vorgaukelt, dass Charlotte Brontës Roman ein ganz anderes Ende hätte und erst Literaturagentin Thursday Next durch ihr Eingreifen das Ende so hinbiegt, wie es heute wirklich im Buch steht – das ist ziemlich gerissen. Da einige Personen in Ffordes Büchern in andere Texte einsteigen und immer dann, wenn der Erzähler nicht da ist, sozusagen hinter den Kulissen agieren, bekommen wir die Romanklassiker noch einmal (bzw. zum ersten Mal) aus ungewöhnlicher Perspektive präsentiert. Ja, Fforde hat sich sogar Gedanken gemacht, wie unterschiedlich man sich in den Romanwelten je nach Erzählperspektive des Textes bewegen kann.
Und weil im Dezember eine neue Verfilmung von „Jane Eyre“ in die Kinos kommt, die schon jetzt als Meisterwerk gefeiert wird und dtv die Thursday Next-Reihe in einer kitschig-bunten neuen Edition herausbringt, ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, Ffordes Bücher zu lesen und sich von seiner Literaturbegeisterung anstecken zu lassen!

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