Mit dem Rad zur Moderne: Architektur in Zehlendorf

Die Idee ist ganz simpel: Mit einem MP3-Player ausgestattet fährt man mit dem Rad von einem Architektur-Klassiker zum nächsten. Immer wenn man die richtige Hausnummer entdeckt, drückt man auf Play und hört sich Interessantes zu Architekt, Auftraggeber, Entstehungszeit und Gebäude an.
Schon seit 2008 bietet das Haus am Waldsee eine von UdK-Studenten recherchierte Audiotour zu bemerkenswerten Wohnhäusern in Berlin-Zehlendorf. Nach 1900 wurden in dem seenreichen Bezirk tief im Süden Berlins jede Menge Häuser gebaut – mit der neuen S-Bahn war man schließlich auch schnell wieder in der Innenstadt. Alle der 12 vorgestellten Häuser nehmen Bezug auf die Besonderheiten des Orte: Wald, Wiese, Wasser – und das in der Großstadt!
Es geht los mit Walter Gropius‘ Haus Lewin in der Fischerhüttenstraße (1928/29), einem fast unveränderten weißen Bauhaus-Riegel. Es folgt mit dem Haus Werner (1913) ein untypisches Frühwerk Ludwig Mies van der Rohes, von dem auch das Haus Perls (1911) eine Straßenecke weiter stammt. Weiter geht es zu dem von englischen Landhäusern inspirierten Haus Springer (1911) von den Stuttgarter Architekten Eisenlohr und Pfennig und dann zum riesigen Haus von Velsen von Hermann Muthesius (1907/08). Tja und spätestens hier wünscht man sich, doch mal einen Blick in Haus und Garten zu werfen. Denn auch bei den folgenden Häusern Mohrbutter (1912/13), de Burlet (1911/12) und Kuscynski (1913/14) des Werkbund-Architekten versperren Hecken, Mauern und Zäune leider oft den Blick. Dem Bauherrn von Gropius‘ Haus Otte (1921/22) war es allerdings ganz recht, dass Wein sein Haus berankte – ihm war das alles viel zu modern. Was er wohl zum weißen Würfel Haus Abraham (1927/28) der Architekten Korn und Weitzmann gesagt hätte? Die Tour endet schließlich bei dem spektakulären Loftcube (2003) von Werner Aisslinger im Garten des Hauses am Waldsee.
Mit etwa 90 Minuten hat der Guide genau die richtige Länge – auch wenn man bei der Tour noch an vielen anderen Schmuckstücken vorbeiradelt. Es gibt Anekdoten, kurze Biographien der Architekten und natürlich treffende Baubeschreibungen – alles verständlich und unterhaltsam. Und da auch Fahrräder vor Ort ausgeliehen werden können, ist die Tour mit Guide sowieso ein echter Tipp für Rad-lose Architektur-Fans aber auch für Berlin-Besucher, die mehr als nur die überlaufene Mitte sehen wollen!

7 Kommentare

  1. Hallo Steffen, vielen Dank für den tollen Tip. Der Bericht ist super. Und dein Blog gefällt mir auch sehr gut. Die Mischung der Themen spricht mich sehr an.

  2. Die Tour ist wahrlich sehr interessant, wobei eine bebilderte kleine Doku in Form einer Broschüre mit Fotos und Grundrissen für Architekturinteressierte eigentlich ein Muss sein müsste. Die Fahrräder waren in keinem guten Zustand und die MP3 Player auch nicht auf dem neuesten Stand. Aber sonst…sehr empfehlenswert.

  3. Oh, das mit dem Zustand der Technik ist ja nicht so schön. Da hat sich seitdem ich den Bericht geschrieben habe, also offenbar technisch nicht so viel getan. Danke für den Kommentar!

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