Geo Epoche Edition: Barock

Ein neues Kunstmagazin auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt: Seit April liegt das erste Heft von Geo Epoche Edition in den Läden. Wie das Geschichtsmagazin Geo Epoche wird sich auch der Ableger in jedem Heft mit einem einzigen großen Thema beschäftigen. Da der umständliche Magazinname nicht darauf schließen lässt, worum es geht, muss ein Untertitel helfen: „Die Geschichte der Kunst“. Thema der ersten Ausgabe ist sehr passend der Barock.

Denn welche andere Epoche der Kunst legte mehr Wert auf farbenfrohe Gemälde und Fresken, überwältigende Architektur und ausufernde Inszenierungen von Theater bis Landschaft? Die großformatigen und hervorragenden Abbildungen von sehr vielen Gemälden, einigen Gebäuden und Skulpturen zeigen so viel von dieser Pracht, wie kaum ein klassischer Kunstkatalog. Bei einigen Fotos erkennt man sogar die Textur der Leinwand oder Risse im Putz des Freskos. Eine ganz eigene, moderne Collage-Ästhetik bestimmt die Architekturdarstellung: Die barocken Kirchenfassaden werden ausgeschnitten und auf schwarzem Grund nebeneinander gelegt.

Auf mehr als 130 Seiten wechseln sich Bildstrecken und längere Texte, die ebenfalls reich bebildert sind, miteinander ab. Die Bildstrecken widmen sich mit meist doppelseitigen Abbildungen und sehr kurzen, allgemeinen Bildtexten den spezifischen Formen des Barock in Rom, Frankreich, den Niederlanden und den sog. Deutschen Staaten. Und natürlich sind alle barocken Klassiker vom Petersdom bis Poussin, von Rembrandt bis Rubens mit dabei. Caravaggio bekommt gleich einen kompletten Lebenslauf, der sich allerdings mehr auf seine Abenteuer und Gewalttaten bezieht als auf seine Kunst. Neuere Forschungen relativieren inzwischen den angeblich so brutalen Lebenswandel.

Auch die anderen Texte sind leicht bekömmliche Anekdotensammlungen für zwischendurch. Gerade bei einem so interessanten Thema wie der barocken Festkultur verliert sich die Autorin Birgit Lahann in ewig langen und immergleichen Aufzählungen der Feiern in Rom, Versailles und Dresden. Wo die Bildredakteure auf einigen Seiten Spannendes ausprobieren (zum Beispiel 18 Selbstporträts Rembrandts auf einer Doppelseite) bleiben die Schreiber in ihren Texten traditionell bis langweilig. Warum zum Beispiel nicht mal eine genauere Bild- oder Architekturbetrachtung? Hin und wieder tauchen aber dennoch interessante Details auf, die mehr über den doch vielschichtigen Barock sagen, als die ständig wiederholten Klischees: Eine Mondsichelmadonna von Cigoli wird auf einem pockennarbigen Mond gezeigt, der so aussieht, wie Galilei ihn beschrieben hat.

In den anderen Geo-Heften sonst üblich, fehlen in Geo Epoche Edition leider die Literaturtipps. Zwar sind Bücher wie Francis Haskells „Maler und Auftraggeber“ wohl nichts für den interessierten Laien, doch Ausstellungskataloge zum Thema sind oft gute Einführungen. Ebenfalls fehlen Angaben, wo sich die gezeigten Kunstwerke befinden. Aus dem kryptischen Fotonachweis sucht sich niemand heraus, in welchem Museum das Bild hängt. Denn auch wenn Geo Epoche Edition mit Sicherheit ein Fest für das Auge  ist, den Anblick des Originals kann selbst das schönste Foto nicht ersetzen.

GEO EPOCHE EDITION „Barock“
132 Seiten im Großformat
15,90 Euro

1 Kommentar

  1. Ist mir glatt entgangen, da die meisten Läden hier die Sondermagazine nie vorrätig haben. Vielen Dank für den Tipp 🙂
    Viele Grüße
    Heike

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