Neue Literatur aus Amerika: Meyer, Morgan, Galchen

20 Autoren unter 40. Im aktuellen Summer Fiction Issue des New Yorker werden Kurzgeschichten junger amerikanischer Autoren vorgestellt. Natürlich kann man gleich hinterfragen, was heutzutage jung oder amerikanisch denn eigentlich bedeutet. Aber weil sich die Herausgeber bei der Mischung der 20 Autoren große Mühe gegeben haben, ist die Auswahl bunt und abwechslungsreich. Und ein Tipp für deutsche Leser allemal, da viele Autoren gerade erst oder noch gar nicht übersetzt wurden. Daher will ich hier drei Autoren und ihr Werk vorstellen.

Philipp Meyer (36) schreibt in seiner melancholischen Geschichte „What You Do Out Here, When You`re Alone“ von einem Familenvater, dessen Leben durch den Unfall seines Sohns ins Wanken gerät. Der Wunsch, aus der spießigen Vorstadthölle auszubrechen, die nervende Ehefrau gegen die verführerische Nachbarin auszutauschen – irgendwie erinnert das an Bücher von Richard Yates oder an Filme wie „American Beauty“. Von seinem Lehrer Colm Tóibín (mehr hier) hat Meyer den düsteren, introvertierten Sound übernommen.
Die Übersetzung seines ersten Romans „American Rust“ gibt es bei uns im August von Klett-Cotta als „Rost“. Erste Leserstimmen nennen als großes Thema das, was auch die Geschichte im New Yorker ausmacht: Die Dekonstruktion des American Dream.

C. E. Morgans (34) Story „Twins“ erzählt von den Zwillingen Mickey (weiß) und Allmonn (schwarz) und ihrer Mutter Marie, die trotz des rücksichtslosen Vaters ihrer ungewöhnlichen Kinder und des alltäglichen Rassismus nicht von ihren Träumen ablässt. Den religiöse-spirituellen Unterton vernimmt man wohl auch in ihrem Romandebüt „All The Living“ (mehr z.B. hier), das demnächst bei Luchterhand unter dem Titel „Die Glut der Sonne“ erscheint. In dem Südstaatenroman geht es um ein Paar, dass auf einer abgelegenen Farm mit sich und der Welt kämpft.

In Rivka Galchens (34) kurzem Text „The Entire Northern Side Was Covered with Fire“ berichtet eine Autorin von Fan-Briefen aus dem Gefängnis, von ihren Ängsten vor einem Meeting mit Leuten, die ihr Buch verfilmen wollen und von ihrem Ehemann, der die gerade gescheiterte Beziehung in einem Blog öffentlich macht. Im Vergleich zu den Erzählungen von Meyer und Morgan ist die von Galchen erfrischend frech und originell. Ihr erster Roman „Atmosphärische Störungen“ ist schon im März bei Rowohlt erschienen und wurde bereits von den „Vorlesern“ im ZDF empfohlen. Die Story: Ein Psychiater vermutet, dass seine Frau von einer Wettermafia gegen eine Doppelgängerin ausgetauscht wurde.
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1 Kommentar

  1. Gary Shteyngart ist der einzige Autor der 20, von dem ich schon was gelesen habe. „Super sad true Lovestory“ habe ich in wenigen tagen verschlungen!

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