Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages

Eine Reihe rätselhafter Selbstmorde erschüttert Wien. Gottfried Adalbert Freiherr von Yosch und Klettenfeld, so der komplette Name des Ich-Erzählers, schwört im Vorwort, die volle Wahrheit wiederzugeben. Doch nicht nur weil er selbst direkt in die Ereignisse verwickelt ist, sondern vor allem weil er sich oft widerspricht und andere Personen Kritisches über ihn äußern, sollte man als Leser vorsichtig mit Yoschs Schilderungen umgehen.
Weil nun aber so unmittelbar von den tragischen Selbstmorden (oder doch Morden?) berichtet wird, der kurze Roman vor An- und Vorausdeutungen nur so wimmelt, ist man sofort und bis zur letzten Seite gefesselt.
Dass Adorno, Benjamin und Borges zu den Fans von Perutz‘ „Der Meister des Jüngsten Tages“ zählten, zeigt ja schon, dass der Roman mehr ist als ein ganz normaler Krimi. Perutz baut psychoanalytische Erkenntnisse genauso clever in seinen Text wie Fragen der Moral, Identität und Realität.
Zum Inhalt wird jetzt nicht viel verraten. Nur soviel: Wer Umberto Ecos „Der Name der Rose“ spannend aber zu dick fand, sollte zu Perutz greifen! Wer sich vorher doch informieren möchte, liest den umfangreichen Wikipedia-Eintrag. (Nur der genaue Titel des am Romananfang gespielten Brahms-Stückes muss nachgereicht werden: H-Dur-Trio op.8.)

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