James Hamilton-Paterson: Kochen mit Fernet-Branca

Nein. Das ist kein Kochbuch. Zwar finden sich in „Kochen mit Fernet-Branca“ tatsächlich einige Rezepte, doch wer würde so etwas wie Fischkuchen, Alien Pie (inkl. 1 kg geräucherter Katze) oder Fischotter mit Langustensauce wirklich nachkochen? Stattdessen liefert der Brite Hamilton-Peterson mit seinem amüsant-verrückten Roman eine Mischung aus Thriller und Kulturbetriebs-Satire.

Die zwei Hauptfiguren Gerald und Marta erzählen abwechselnd, was ihnen während der selbst gewählten Abgeschiedenheit in den Bergen der Toskana alles passiert. Nur leider sind der englische Biografien-Schreiber und die Ostblock-Musikerin direkte Nachbarn und trotz gemeinsamen Genuß von sehr vielen Flaschen Fernet-Branca kommen sie auf keinen grünen Zweig. Die beiden wunderbaren Exentriker liefern sich dank allerlei sprachlicher Misverständnisse einen kleinen, zickigen Nachbarschaftskrieg. Immer wieder kommen kuriose Gerichte zum Einsatz, denn auch Marta serviert einige heimatliche Köstlichkeiten wie Schonka („dicke Wurst, beige wie ein Kondom und von Klumpen so voll wie eine Gefängnismatratze“) oder die Süßigkeit Kascha („Noch Tage danach hat man den Geruch von Silage in der Unterhose.“).

Weitere Figuren sorgen für jede Menge Komplikationen: Der UFO-gläubige Sänger einer Boygroup beauftragt Gerald mit einer Biografie. Ein angesehener italienischer Regisseur, der gerade einen Politfilm mit Porno-Einlagen dreht, lässt sich von Marta die Filmmusik komponieren. Der despotische Vater Martas ist außerdem noch in kriminelle Machenschaften verwickelt, dich sich für die gesamte Familie langsam zum Problem entwickeln.
An verrückten Handlungssträngen mangelt es in „Kochen mit Fernet-Branca“ also genauso wenig wie an skurrilen Einfällen. Nicht nur die Fans von David Sedaris werden dieses Buch lieben!

Und zum Glück gibt es (bislang) zwei Fortsetzungen von Geralds Abenteuer: „Einarmsegeln mit Millie“ (eine fünfzigjährige Seglerin gründet eine maritime Sekte) und „Heilige der Trümmer“ (Gerald schreibt eine Lady Di-Oper).

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