Le Grand Geste! Museum Kunst Palast Düsseldorf

Gekleckert und verschmiert, gespritzt und verwischt. Mal dick aufgetragen und mit dem Spachtel bearbeitet, mal flüssig über die Leinwand geträufelt. Was Künstler mit Farbe auf Papier und Leinwand alles anstellen können, wenn sie sich erst einmal vom abzubildenden Gegenstand gelöst haben, ist derzeit in der großen Ausstellung „Le Grand Geste! Informel und Abstrakter Expressionismus. 1946-1964 in Düsseldorf zu sehen.
Etwa 150, meist großformatige Werke beweisen, dass in nicht einmal zwanzig Jahren zwischen Kriegsende und der documenta III als Durchbruch der Pop Art allein in Deutschland, Frankreich und den USA unerwartet viele Positionen abstrakt-expressiver Malerei nebeneinander standen. Und auch wenn das von vielen Kritiker- und Kunsthistoriker-Generationen gestiftete Begriffswirrwarr nicht vollständig geklärt werden kann, so ist doch jeder, der sich auf die Bilder einlässt, schnell gefesselt von der ungegenständlichen Vielfalt.

Dass es abstrakte Kunst auch heute – die auf manchen Bildern zentimeterdicke Farbe ist längst getrocknet – noch schwer hat, beweisen Reaktionen wie „Das kann ich auch.“ oder „Meine Enkeltochter malt besser.“. Wer sich selbst von riesigen Leinwänden, wie etwa Georges Mathieus „L’Incendie de Rome“ (1957), nicht gleich beeindrucken lässt, ist es aber bestimmt nach der Lektüre der Entstehungsgeschichte im kleinen Kurzführer: Der Franzose trug seine kräftigen Farben pastos und in großen, weit ausholenden Gesten auf. Auch die Bilder von Kazuo Shiraga sind in ähnlichen Performances entstanden: Shiraga hing an Seilen über den Leinwänden und übersetzte seine Pendelbewegungen mit Farbe auf die Bilder. Während bei dem einen Künstler das fertige Werk im Mittelpunkt stand, war es bei dem anderen eher der Entstehungsakt.

Und so lassen sich noch viele weitere Bezüge zwischen den ausgestellten Werken entdecken: Schnell findet man heraus, dass Jackson Pollock nicht der Erste und der Einzige war, der Farbe in seinen Drip-Paintings auf die Leinwand tropfte. Oder dass der Surrealist Max Ernst mit Techniken wie Frottage (Abreiben), Dekalkomanie (Abklatschverfahren) oder Grattage (Abkratzen) viele Künstler nach ihm, z.B. den ebenfalls ausgestellten Fred Thieler, beeinflusste. Die Wegbereiter des Abstrakten Expressionismus und des Informel wie Max Ernst, aber auch Willi Baumeister oder Fritz Winter werden im Obergeschoss gesondert gezeigt. Ein besonderes Highlight ist der direkte Vergleich von einem Gemälde Peter Brünings mit Cy Twomblys „Ferragosto I (Roma)“: Erst in der Gegenüberstellung zeigt sich, wie nahe sich selbst bei der großen Vielfalt an Positionen unterschiedliche Künstler doch kommen können. Gleichzeitig werden auch Qualitätsunterschiede offensichtlich.
Letztlich ist es dann ohne Belang, ob ein Werk eher dem Action Painting, dem Informel, dem Tachismus oder der Lyrischen Abstraktion zuzuordnen ist. Einzig und allein zählt, was man selbst sinnlich erfahren hat. Und genau das ist der große Gewinn der Düsseldorfer Ausstellung: Hier lernt der Besucher sehen!

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Ausstellungsplakat "Le Grand Geste!"
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Le grand Geste!
Informel und Abstrakter Expressionismus, 1946-1964
10.04.2010 – 01.08.2010
Ausstellungsflügel
Stiftung museum kunst palast
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf

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