Skin Fruit. New Museum New York

„Megas Dakis“, der große Dakis, heißt ein Portrait des griechischen Sammlers Dakis Joannou von Roberto Cuoghi. Auch wenn es nicht gerade prominent in der Ausstellung „Skin Fruit“ im New Museum platziert ist, ist es doch eins der beiden Kunstwerke, mit denen sich am besten ein Einstieg in die Anfang März eröffnete Schau finden lässt. Dakis ist einer der weltweit einflussreichsten Sammler und Förderer zeitgenössischer Kunst und noch bis Ende Juni werden in New York Highlights seiner gewichtigen Athener Kollektion gezeigt.
Auf das zweite Kunstobjekt blickt man sofort, wenn sich die Fahrstuhltüren zum ersten großen Ausstellungsraum öffnen: Es ist „One Ball Total Equilibrium Tank“, Jeff Koons‘ berühmter Basketball im Aquarium aus dem Jahr 1985. „Skin Fruit“ mit Werken aus Dakis‘ Sammlung wurde nämlich von keinem geringeren als Jeff Koons kuratiert.

Dass Koons seinen schwimmenden Ball auswählte, scheint erst irgendwie selbstverliebt, ist dann aber doch ganz logisch. Die berühmten mit Tierkadavern gefüllten Glasvitrinen, mit denen sich der Brite Damien Hirst später einen Namen gemacht hat, beziehen sich eindeutig auf Koons. Zwar ist Hirst diesmal nicht dabei, doch etwa fünfzig andere internationale Künstler sind auf vier Etagen mit repräsentativen Werken vertreten. Malerei, Fotografie und Zeichnung, Video und Performance, Skulptur und Installation – Koons füllt die Museumsräume bis zur letzten Ecke aus und doch wirken sie nie vollgestopft, entdeckt man schnell wiederkehrende Themen, erkennt Bezüge und Wechselwirkungen:
Mike Kelleys „Cave Painting“ hängt neben „Masters of the Universe“ von Tim Noble und Sue Webster, die sich als zwei haarige, natürlich nackte Steinzeitmenschen porträtieren. Maurizio Cattelans im Sarg liegender John F. Kennedy („Now“, 2004) ist das Gegenstück zu Cady Nolands Installation „Bluewald“ (1989), die den durchlöcherten Lee Harwey Oswald zeigt. Auf Matt Greenes Gemälde „The Orifice“ (2006) onaniert ein Mädchen, in Nathalie Djurbergs Trickfilm leckt ein Tiger immer wieder einen Mädchenpo („Tiger licking Girl’s Butt, 2004). Und bei Vanessa Beecroft laufen im Video „Ein blonder Traum“ (1994) schlanke Models auf und ab, während Ashley Bickertons Skulptur „F.O.B.“ (1993) in zwei Metern Höhe einen Kloß dicker Hautfalten nachbildet.

Sex und Gewalt, Konsum und Körper, Geschichte und Natur: Alle großen Themen werden hier verhandelt. Gleichzeitig fällt auf, wie wenig vollkommen Abstraktes gezeigt wird. Mit Tino Sehgals „This is Propaganda“ (eine Museumswärterin singt wiederholt die Liedzeile „This is Propaganda, you know, you know…“) und Pawel Althamers „Schedule of the Crucifix“ (täglich 15.00 Uhr zieht sich ein Schauspieler Dornenkrone und Lendentuch an und schnallt sich ans Kreuz) sind allerdings auch zwei Performances vertreten. Während etwa Matthew Barnes, Terence Koh oder Takashi Murakami nur mit einzelnen Stücken zu sehen sind, baut Koons von anderen wiederum mehrere Werke in die Ausstellung ein. Dass gerade Robert Gober und Chris Ofili so großen Raum bekommen, ist symptomatisch: Gobers verstörende Objekte, etwa die aus der Wand kommenden Beine mit echtem Haar, befinden sich an dem einen Ende der Skala und Chris Ofilis großformatige, schön anzuschauende Gemälde am anderen. „Skin Fruit“ ist eine Ausstellung, die zeigt, wie gegenständliche Kunst heute aussieht. Zwischen Horror und vermeintlichen Deko-Kitsch ist alles möglich.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.