Christian Kracht: 1979

Ein Roman wie ein Schlag in den Magen. Da reisen zwei dekadente Schnösel, vor einiger Zeit noch ein Paar, durch ein Land kurz vor der Revolution. Iran 1979: Der Schah hat das Land verlassen, Demonstrationen, Ausgangssperre. Doch von all dem bekommen die beiden Dandys nichts mit, nehmen nichts ernst. Stilvoll geht die Welt zu Grunde. Die große innere Leere bekämpfen sie mit Alkohol und Drogen, die mit einem goldenen Spritzbesteck verabreicht werden. Gesprochen wird nur noch über Mode, Design und Kunst. Mit dem elenden Tod des Einen endet der ersten Teil des Buchs. Der Erzähler begibt sich im zweiten Teil nach China, hofft auf Erleuchtung bei einer Pilgertour um den Berg Kailash in Tibet. Doch dann wird er vom chinesischen Militär aufgegriffen und in ein Lager gesteckt. Plötzlich bricht die Erzählung ab. Wahrscheinlich war die brutale Gehirnwäsche der Chinesen erfolgreich oder haben die aus dem eigenen Kot gesammelten Maden den Hunger nicht mehr gestillt…
Mit Popliteratur hat das alles nichts mehr zu tun. „1979“ ist ein zynisch-trostloser Anti-Coelho. Oder eine moderne Version von Joris-Karl Huysmans‘ Dekadenz-Klassiker „Gegen den Strich„.
In seinem 2008 erschienenen dritten Roman „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ geht Christian Kracht noch einen Schritt weiter. Da entwirft er eine alternative Version des Verlaufs der russischen Revolution: Lenin gründet seine Sowjetrepublik in der Schweiz und danach kommt alles anders.

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