Saehrendt & Kittl: Das kann ich auch. Gebrauchsanweisung für moderne Kunst

Über zeitgenössische Kunst gehaltvoll und doch verständlich zu schreiben, ist nicht ganz einfach. In Zeiten des Kunstbooms, als Werke von lebenden Künstlern die alten Meister in Sachen Marktwerkt weit übertrafen, gab es zum Glück auch kritische Stimmen, die über moderne Kunst ohne allzu viele hohle Phrasen berichteten. Christian Saehrendt und Steen T. Kittl gehörten dazu. Ihr Buch „Das kann ich auch. Gebrauchsanweisung für moderne Kunst“ erschien 2007  zum ersten Mal, wurde schnell zum Bestseller und kommt im September, also nachdem die Blase geplatzt ist, in einer aktualisierten und erweiterten Neuausgabe auf den Markt. Doch auch wenn die beiden Autoren den Kunstbetrieb von allen Seiten durchleuchten, einzig die Aufforderung, nicht immer alles hinzunehmen, was da als Kunst präsentiert wird, bleibt beim Leser am Schluss hängen. Aber das ist doch immerhin etwas!

In fünf großen Kapitel geht es um alles, was den modernen Kunstmarkt heute ausmacht. Ein kurzer Überblick über die Gattungen, über die Funktionsweisen des Kunstbetriebs und über das, was im Atelier und in der Galerie so alles passiert, wird genauso geliefert wie eine Anleitung zum richtigen Sprechen über Kunst und zum Erkennen schlechter Kunst. Wer sich für das Thema interessiert, dem kommen viele Punkte sicher bekannt vor. Doch so gebündelt und pointiert hat man vorher z.B. noch nicht gelesen, wie aus einem beliebigen Objekt (hier ein Schaf) schrittweise ein Kunstwerk wird.
Angereichert mit vielen Anekdoten, oft witzigen Karikaturen und einigen schwarz-weißen Abbildungen von Kunstwerken ist das Buch äußerst unterhaltsam. Natürlich bekommen einfallslose Künstler genauso ihr Fett weg wie geldgeile Galeristen, ahnungslose Kunsthistoriker oder ignorante Kunstbanausen. Allerdings besteht nach der Lektüre die Gefahr, dass man nichts und niemanden mehr ernst nimmt und alle moderne Kunst zum Schrott erklärt. Auf der anderen Seite haben Saehrendt und Kittl aber auch ein Aufklärungsbuch geschrieben, dass jeden Kunstfan zum eigenständigen Urteilen erzieht.

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