Zu gewinnen: Rebecca Martin: Frühling und so

Truman Capote schrieb seinen ersten Roman „Summer Crossing“ im Alter von 19. Oder ein aktuelleres Beispiel: Benjamin Lebert war gerade 17, als sein Erstling „Crazy“ veröffentlicht wurde. Wie alt oder wie jung ein Autor, eine Autorin ist, sagt noch lange nichts über die Qualität seines oder ihres Textes aus. Doch bei Erscheinen von Rebecca Martins (damals 18) Debütroman „Frühling und so“ schien für viele Rezensenten das Alter der Autorin und deren Herkunft von großer Bedeutung. Schließlich scheint der Roman eins zu eins das Leben der Autorin zu spiegeln. Motto: Hier schreibt jemand, der es wissen muss. Doch dann das: So einfühlsam, erfrischend oder gar heiß, wie die Presse das Buch fand, ist es leider kein bisschen!
Den Inhalt kann man in einem Satz schnell zusammenfassen: Berliner Schülerin sucht die große Liebe und stolpert von Affäre zu Affäre. Das sagt natürlich noch nichts über die Qualität des Buches aus. Auch in Salingers „Fänger im Roggen“ oder Windhams „Dog Star“ (mehr dazu hier) passiert nicht viel. Doch wie über dieses „nicht viel“ geschrieben wird, ist beeindruckend. Nicht so bei Rebecca Martin. Wahllos aufgeschlagene Seite: „Ich hab geträumt ich lauf im Hof an ihm vorbei. Würdest du mit mir einen Kaffee trinken gehen, fragt er. Ich möchte die Sterne vom Himmel holen.“
Was auf 100 Seiten vielleicht noch unterhaltsam gewesen wäre, plätschert ohne jeden Unterhaltungs- oder Spannungswert über 300 Seiten lang dahin. Es wird geflirtet, viel geknutscht, geshoppt, gequatscht und gekichert. Die Personen sind stets völlig austauschbar, es ist ganz egal wer in wen verliebt ist oder wer sich mit wem wo verabredet. So belanglos und langweilig kann das Leben der unter 20-Jährigen von heute doch gar nicht sein, oder doch!?
Hin und wieder zeigen kleine Kapitel, dass die Autorin mehr kann, als einfach nur Erlebnisse aufzuzählen. Da wird frei und kreativ rumgesponnen. Warum sind dieses Stücke nur so rar?

Aus all den Fragen ziehe ich den Schluss: Ich gehöre nicht zur Zielgruppe, die dieses Buch ansprechen will. Daher möchte ich mein Exemplar von „Frühling und so“ unter all denen verlosen, die im Kommentarfeld folgende Frage beantworten: Von welchem Buch wart ihr zuletzt enttäuscht und warum?
Am 20. Juli wird der Gewinner verkündet. Viel Glück!

Nachtrag 20.Juli: Allen Teilnehmern vielen Dank! Leider kann nur einer gewinnen – auch wenn alle Meinungen interessant waren. Ausgelost wurde Karin. Herzlichen Glückwunsch!

9 Kommentare

  1. Das letzte Buch, dass ich auf Seite 74 zuschlug – was nicht ganz die Hälfte des Umfangs darstellt – und nie wieder aufmachen möchte, ist Anna Sams „Die Leiden einer jungen Kassiererin“. Selbst supermarktkassenerprobt in früher Jugend, erhoffte ich mir eine amüsante Wiedererkennung alter, allzu vertrauter, skurriler Begebenheiten, meines lang vergangenen Alltags. Stattdessen: Ein leider nur mit wenigen humorvollen Passagen gefülltes Handbuch zum Thema „Wie werde ich Kassiererin und welche Eigenschaften benötige ich dazu als Vorraussetzung?“ – Vielen Dank, kein Bedarf!

  2. Mit von Freunden empfohlenen und geborgten Büchern ist es immer so eine Sache. Entweder entdeckt man – im idealen Fall – durch die Befürwortung Anderer ein wunderbares literarisches Kleinod, oder man quält sich gelangweilt aber verantwortungsbewusst durch einen Text, dem man nichts, aber auch gar nichts abgewinnen kann, immer in der Hoffnung und irrigen Annahme, der Knoten möge irgendwann platzen und die Lektüre doch noch den versprochenen Charme preisgeben – was äußerst selten geschieht. Letzerer Sachverhalt bringt einen unwillkürlich in die Bredouille. Entweder man stößt denjenigen, der einem das Buch als lesenswert empfahl, vor den Kopf, indem man die von diesem so favorisierte Lektüre kritisiert. Oder aber man drückt sich feige um eine kritische Meinung, mit der Gefahr, im Anschluss sofort das nächste, womöglich noch schrecklichere Buch nahegelegt zu bekommen und sich dann nur noch mit der Ausrede auf einen riesigen und noch abzuarbeitenden Buchstapel aus der Affäre ziehen zu können.

    Derzeit peinigt mich das mir angeratene Buch „Bingo“ von Rita Mae Brown. Witzig solle es sein und voller Liebe zu seinen fiktiven Figuren – einer lesbischen Journalistin, ihrer flotten, über 80. jährigen Adoptivmutter sowie deren ebenso feschen und junggebliebenen Schwester. Doch das Gegenteil ist der Fall. Auf 400 Seiten quält sich die Handlung durch Bingoabende, provinzielle Reittourniere und Wohltätigkeitsveranstaltungen in der katholischen Kirche St. Rose of Lima. Statt zynischer Beschreibungen der miefig-piefigen amerikanischen Kleinstadtatmosphäre der 1980er Jahre lassen sich Banalitäten, Stereotypen und Klischees finden. Zudem ringt die Autorin mit der Aufgabe, so viele witzige Sprüche und Bonmots minderer Qualität wie möglich unterzubringen. Gelangweilt und angestrengt von so viel seichtem und belanglosem Geplänkel lese ich wiederholt die Rezension auf dem Buchrücken: „Ein freches, ein teilweise zum Piepen komisches Buch, mit einem Humor gespickt, den man mit Fug und Recht amerikanisch nennen kann…“. Ganz sicher hätte man da hellhörig werden müssen!

  3. „Mieses Karma“ von David Safier, gelobt als Bestseller, war für mich nach kurzer Zeit langweilig und vorhersehbar. Die Grundidee mit der Reinkarnation war ja ganz hübsch, wurde allerdings durch Verwendung uralter Klischees erdrückt.

  4. Barbara Wood – Das Perlenmädchen. Ein paar Freundinnen von mir haben es empfohlen – alle waren davon so begeistert. Aber mich hat es einfach von Anfang an nicht wirklich gefesselt. Ich habe auch nicht wirklich viel davon gelesen. Es gibt echt bessere Bücher.

  5. Somnia, nach den ersten drei Teilen die ich wirklich sehr gern gelesen hatte, fand ich in diesem Band den Anschluss nicht mehr 🙁

  6. das war eindeutig: mein sparbuch !
    ich wollte los um mir neue bücher zu kaufen, will dafür etwas von meinem sparbuch abheben. ich schlage die seiten auf – und bin völlig entsetzt. fast nix mehr drauf!!!
    ich lese furchtbar gerne und viel. bücher, die mich beim ersten mal enttäuscht haben, bekommen bei mir eine zweite chance – und siehe da, manchmal (natürlich nicht immer)gefallen sie mir dann. vielleicht lese ich auch anders an diesen tagen. ich weiß es nicht.
    aber – um beim thema zu bleiben: – von keinem buch bisher war ich so enttäuscht wie von meinem sparbuch !!!
    es gibt so unglaublich viele bücher, und alle wollen gelesen sein.
    und ich würde dieses gerne lesen, denn es hat eine zweite chance verdient.

  7. Das Buch, dass mich neulich enttäuschte, war das vielversprechende und hochgelobte „Vollidiot“. Würde ich diesen Typ in meinem Leben treffen und ihm zuhören müssen, würde ich ihn auch stehen lassen. Denn sein dummes Geschwätz, sein Verhalten und seine Art generell ist unmöglich. Ich habe das Buch dennoch weitergelesen, weil ich dachte „ok irgenwann muss die Story doch mal anfangen“. Aber dem war nicht so. Hier sollte man wirklich das Buch aufgrund des Titels beurteilen: ein Vollidiot, um den es hier geht.

  8. „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“, angeblich ein Buch, dass „man/frau“ lesen MUSS. Für mich nur ein Fazit, der sich im Titel schon andeutet: Unerträglich

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