Mit dem Fahrrad zur Milchstraße. Die Sammlung Hoffmann. Lipsiusbau Dresden

Kunsthalle im Lipsiusbau DresdenWährend in Berlin das Sammlerpaar Pietzsch surrealistische Kunst in der Neuen Nationalgalerie zeigt (mehr dazu hier), wird derzeit im Dresdener Lipsiusbau auf der Brühlschen Terasse zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Erika und Rolf Hoffmann präsentiert. Und während man in Berlin auf einen konventionellen, chronologischen Rundgang setzt, hat  in Dresden Erika Hoffmann-Koenige die Ausstellung höchstpersönlich konzipiert und für spannungsreiche Bezüge und Überraschungen gesorgt.
Der ungewöhnliche Titel „Mit dem Fahrrad zur Milchstraße“ spielt dabei auf zwei für die Sammlung wichtige Werke an: Die Schau beginnt mit dem 16mm-Film „Met losse handen“ von Marijke van Warmerdam, in dem man als Betrachter die Position eines Fahrradfahrers einnimmt, der erst die Hände vom Lenker nimmt, dann langsam in die Luft steigt und in Kreisen über die flache holländische Landschaft fliegt. Ein provokant-obszöner Gegensatz dazu ist das große, auf Tizian und Tintoretto anspielende Ölgemälde von Richard Phillips „Origin of the Milky Way“: Eine künstliche Blondine verspritzt Milch aus ihren großen Brüsten.

1993 planten die Sammler eine von Frank Stella entworfene Kunsthalle in Dresden. Doch diese blieb nur Projekt und das Paar  zog  1997mit den Kunstwerken nach Berlin in ein ehemaliges Fabrikgebäude. In der Ausstellung kann man jetzt zwei der kühnen Modelle Stellas sehen. Gleich daneben hängen kleine, konstruktivistische Blätter aus den 1910er und 1920er Jahren und nehmen passend Bezug auf Stellas geometrische Einfälle. Die Idee der Sammlerin, Werke verschiedener Generationen in verschiedenen Medien gegenüberzustellen, geht auf.

Besonders beeindruckend sind die sich drehenden, ratternden und optische Täuschungen hervorrufenden Werke von Gerhard von Graevenitz, Gianni Colombo oder Jesús Rafael Soto. Man vergisst schnell alles, was man bisher über Op-Art gehört hat und ist überrascht, wie zeitlos die Objekte aus den 1960ern und 1970ern wirken.
Neben einigen hochkarätigen Stücken europäischer Künstler wie Isa Genzken oder Vanessa Beecroft gibt es in der Ausstellung auch Außereuropäisches, zum Beispiel einen übergroßen Holzschnitt vom Chinesen Fang Lijun.
Es ist die Kombination aus leicht zugänglichen und sperrigen Werken, die den Rundgang so spannend macht. Dazu kommt, dass die Räume mit insgesamt knapp über 60 ausgestellten Bildern, Objekten und Videos nicht überfrachtet sind und man so Zeit hat, sich mit einzelnen Kunstwerken länger zu beschäftigen.
Fazit: Im direkten Vergleich mit der Sammlung Hoffmann in Dresden zieht die Ausstellung der Sammlung Pietzsch in der Neuen Nationalgalerie Berlin also eindeutig den Kürzeren.

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