Bilderträume. Die Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch. Neue Nationalgalerie Berlin

Neue Nationalgalerie Berlin: BilderträumeEs ist schon etwas Besonderes, wenn Privatsammler entweder die  Türen des eigenen Hauses öffnen, um ihre Kunstwerke der Allgemeinheit zu präsentieren oder, wie noch bis 22. November 2009 in der Neuen Nationalgalerie, ihre Sammlung komplett in ein klassisches Museum geben. Das Berliner Sammlerpaar Ulla und Heiner Pietzsch hat sich für letzteres entschieden (und kann zuhause jetzt endlich die Wände streichen lassen). Die beiden sind Fans des Surrealismus und so heisst die Ausstellung am Kulturforum ganz passend „Bilderträume„.


Es liegt ja in der Natur der Sache, dass die Sammler aus ganz persönlichen Interessen sammeln und eigene Vorlieben haben, also keine komplette Kunstgeschichte des Surrealismus im Kopf haben, wenn sie Kunstwerke erwerben. Und genau das ist das große Dilemma der Ausstellung. Statt aus einer Not eine Tugend zu machen, etwa die Bilder ganz subjektiv, von den Sammlern ausgehend, zu hängen, sie mit privaten Anekdoten zu erläutern, wird leider versucht, einen repräsentativen Überblick über surrealistische Kunst zu liefern. Das kann die Sammlung nicht leisten – will sie ja auch gar nicht. Und die viel zu spärlich eingefügten Werke aus Besitz der Staatlichen Museen reißen das Ruder auch nicht rum!

Ganz konventionell wird der Besucher also chronologisch durch die Sammlung geführt und bekommt neben einer großen Werkgruppe von Max Ernst oder einigen schönen Gemälden von René Magritte auch jede Menge zweit-, wenn nicht drittklassige Kunst zu sehen. Große Namen etwa des Abstrakten Expressionismus sind zwar vertreten aber mit für sie nicht repräsentativen Werken: Rothko mit gegenständlichen Arbeiten und de Kooning, Kline und Motherwell mit kleinen Sachen auf Papier. Warum hat man hier nicht mutiger mit eigenen Beständen kombiniert? Oder, ganz verrückt, einfach mal mit zeitgenössischer Kunst gekontert?

Auch die Idee, in den einzelnen Räumen Künstler in Zweiergruppen zu zeigen, funktioniert überhaupt nicht. Einfach Gemeinsamkeiten oder Gegensätze zu behaupten, die die ausgestellten Werke nicht belegen können, bringt niemandem etwas. Einzige Ausnahme: Joan Miró und Alexander Calder. Die farbenfrohen Gemälde des Spaniers ergänzen sich hervorragend mit den schwebenden Mobiles des Amerikaners.

Und dann das alte Problem: Viel zu viele Arbeiten wurden ausgestellt. Warum hat man nicht mutiger ausgesiebt? Immerhin gibt es so auch ein paar schöne Entdeckungen: Charles Seeliger „Heuschrecke“ etwa oder eine wunderbare kleine Zeichnung von Meret Oppenheim. Fazit: Diese Ausstellung muss man nicht unbedingt gesehen haben. Einzig die zweite Sonderausstellung im Haus, Imi Knoebels sperrige Installationen („Zu Hilfe, Zu Hilfe…“) machen einen Besuch in der Neuen Nationalgalerie derzeit lohnenswert. Denn wo im Untergeschoss Witz und Kreativität in der Ausstellungskonzeption fehlen, kommt es im Obergeschoss gleich doppelt so dick!

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