Edo Popović: Die Spieler

Dieses Buch ist absolut nichts für Zartbesaitete! Korrupte Bullen, fiese Unterweltler,karrieregeile Journalisten, brutale Zuhälter, illegale Nutten. Von der ersten bis zur letzten Seite tummeln sich jede Menge kaputte Typen. Diese Welt ist verdorben und selbst in den Träumen der Helden, die in Wahrheit alles andere als Helden sind, gibt es keinen Trost. Und doch, besser: gerade deswegen, ist Edo Popovićs dreiteiliger Roman „Die Spieler“ ein packender Thriller, der einen noch lange verfolgt.


Es beginnt mit Folo, eigentlich Literaturwissenschaftler, der irgendwie in die Abteilung Kulturterrorismus der kroatischen Polizei geraten ist. Klar, so eine Abteilung gibt es auch in Kroatien nicht, aber nach ein paar Seiten ist man als Leser nicht mehr so sicher. Völlig logisch und eiskalt wird da eine Verschwörung gebaut, die einen Unschuldigen zum Terroristen macht. Schließlich könne man so im Anti-Terrorkampf am besten bei den großen Partnern punkten. „Seht her, wir haben einen gepackt!“ Doch Boris, erfolgloser Schriftsteller, durchschaut alles und kann sich retten.

In kurzen, manchmal nur drei Seiten langen, bissig-zynischen Kapiteln, gewinnt die Geschichte ziemlich schnell an Fahrt. Immer wieder wird der Leser direkt angesprochen und im dritten Teil wird fast nur noch aus Perspektive der Figuren erzählt. Auch wenn die drei Teile von 2002 an getrennt veröffentlicht wurden, ergeben sie zusammen einen schlüssigen Roman. Figuren tauchen wieder auf, Hintergründe werden erläutert. Und trotz all der Trostlosigkeit gibt es zum Schluss doch etwas Hoffnung. Nico, gerade aus dem Knast entlassen, hat keinen Bock mehr auf krumme Dinger. Und Folo, der abgefuckte Kulturterrorist, der auch vor einer Erpressung der Regierung nicht zurückschreckt (Sex-Fotos der Ministerpräsidentin!), hat sich verliebt.

2008 war Kroatien Gastland auf der Leipziger Buchmesse. Doch die Bestsellerlisten haben die kroatischen Autoren bislang nicht gestürmt. Dass Edo Popović dies auf jeden Fall verdient hätte, findet auch Clemens Meyer, der ihn in diesem Jahr in Leipzig einem größeren Publikum vorstellte. In einem Interview mit der Zeit nennt Popović neben Meyer noch Jörg Fauser und Franz Dobler als deutsche Autoren, die er gern liest. Die taz schiebt ihn ganz treffend in die Schublade „dirty realism“. Vielleicht sollte man gerade im Falle von „Die Spieler“ noch hinzufügen, dass sich die Themen Gewalt, Sex und Drogen zu einer düsteren allgemeinen Gesellschaftkritik erweitern, die inzwischen auch Politik und Medien einschließt. Erschienen ist das Buch beim Verlag Voland & Quist und an dieser Stelle sei auch noch einmal auf das sympathische Blog der Leipziger hingewiesen.

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