Helmut Newton: Sumo. Museum für Fotografie Berlin

Machen wir es kurz: Diese Ausstellung ist eine Unverschämtheit. Da erschien also vor 10 Jahren ein extrem großformatiges Buch mit einem Querschnitt durch Newtons Schaffen, aufgrund der Größe und des Gewichts „Sumo“ genannt. Und nachdem sich damals die 10.000 Exemplare zu je 3.000 DM so gut verkauften, einzelne Exemplare heute bei Auktionen Höchstpreise erzielen, was lag da für Verleger Benedikt Taschen näher, als eine Neuauflage zu planen? Für 100 Euro gibt es also „Sumo“ jetzt als Ausgabe für jedermann. Tja und die Show im Museum für Fotografie ist nichts weniger als eine große Werbeveranstaltung für diese Neuausgabe. Man nahm sich einfach eins der alten Mega-Exemplare, löste die Bindung und hing die einzelnen gedruckten Buchseiten (!) in drei bis vier Reihen übereinander. Dass den „Kuratoren“ dies selbst ein wenig peinlich war, sieht man daran, dass sie noch einige Originale (aus der Privatsammlung Taschens) ohne Zusammenhang in einen extra Raum hingen und danach noch eine Mini-Ausstellung mit Werken von drei Newton-Asisstenten reinschoben. Die Fotos der „Three Boys from Pasadena“ (Mark Arbeit, George Holz, Just Loomis) haben aber keinerlei Bezug zu Newtons „Sumo“-Bilder.
Was als Buch, in dem man immer wieder blättern kann, quasi als Werkschau und Retrospektive funktionieren mag, ist als Ausstellung unmöglich. Die 394 Seiten an den dicht behangenen Wänden bilden ein einziges Durcheinander, mal kommt ein „Big Nude“, dann ein Hollywood-Star und dann ein Mode-Shooting für die Vogue. Bleibt also dieser bittere Beigeschmack, der sich verstärkt, wenn man den Museumsshop betritt: Der erste Raum ist von unten bis oben gefüllt mit Büchern von Taschen. So sehen Ausstellungen in Krisenzeiten aus.

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