Max Beerbohm: Enoch Soames

Sind es wirklich Ruhm und Ehre, für die Schriftsteller schreiben? Max Beerbohm, englischer Kritiker, Essayist und Karikaturist, ist dieser Frage 1919 in seiner Erzählung „Enoch Soames“ im Band „Seven Men“ konsequent nachgegangen. Denn was passiert mit Autoren, wenn sich Erfolg und Anerkennung auch nach Jahren nicht einstellen? Bei Beerbohm werden sie vom Teufel geholt!

Doch der Reihe nach: Da ist also der verlotterte, erfolglose Autor Enoch Soames, dessen Texte zwar veröffentlicht, aber von niemandem wahrgenommen werden. Der Erzähler Beerbohm erlebt über die Jahre den Abstieg seines Kollegen und wird schließlich Zeuge, wie dieser einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Enoch will nichts anderes, als genau 100 Jahre später, also 1997, für einige Stunden im Lesesaal des British Museum in Lexika nach Spuren seiner Schriftstellerexistenz suchen. Doch zu seinem großen Unglück findet er keine Artikel und Abhandlungen über seine Bücher, sondern etwas über Beerbohm.

Und genau hier bekommt  Beerbohms Künstlertragödie einen ordentlichen Schuss Science Fiction, so philosophisch, dass Stanisław Lem die Geschichte sicher gemocht hätte. Soames liest nämlich, dass Beerbohm über ihn eine Geschichte schrieb – also genau jene, die wir auch gerade lesen! Seine Notizen aus einem Lexikon bestehen aus einer Art Lautschrift, denn in 100 Jahren hat sich nicht nur das Aussehen der Menschen (Uniformen, kurzgeschorene Haare), sondern auch die Sprache verändert. Und in diesem Artikel wird er selbst zum fiktiven Charakter gemacht. Völlig willenlos und gebrochen lässt sich Soames vom Teufel holen. Doch das raffinierte Spiel mit Realität und Fiktion geht weiter – auch wenn der Text zu Ende ist. Denn damit Enoch nie vergessen wird, hat sich eine nach ihm benannte Society gegründet. Doch hätte das der Teufel nicht wissen müssen?

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