Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff

Dass Sibylle Lewitscharoffs Roman „Apostoloff“ ein lesenwertes Buch ist, konnte man beispielsweise ja schon hier und da lesen. Auch dass dieser preisgekrönte „Anti-Familienroman“, so wird er treffend in der Begründung der Leipziger Jury genannt, sarkastisch-lustvoll mit Bulgarien abrechnet, ist inzwischen ebenfalls bekannt. Aber dass die Erzählerin und ihre Schwester, die zusammen mit dem Einheimischen Rumen Apostoloff in einem Daihatsu eine Rundreise durch das Land machen, immer wieder auf ihre vielfältigen Lektüreerfahrungen zurückgreifen, wurde noch nicht so oft erwähnt. Wahrscheinlich sind es zu viele Anspielungen und Zitate, die erst zukünftige Literaturwissenschaftler komplett aufdröseln und interpretieren werden. Hier also nur einige Beispiele: Samuel Beckett („Watt“) wird bei Kommunikationsproblemen herangezogen, die nebeneinander sitzende Menschen haben (S.44). Der Vater war ein begeisterter Nietzsche-Leser und schrieb Kommentare wie „Jawohl!!!“ in seine Ausgabe von „Menschliches, Allzumenschliches“ (S.55). Die Erzählerin liest „Koba der Schreckliche“ von Martin Amis im Hotelbett und lacht mit ihrer Schwester gern mal über Adalbert Stifters Ritterroman „Witiko„. Und am Ende des Romans weiß die Schwester sogar ein Mittel, das gegen alle „bulgarische Zumutungen immunisiere. Einen dicken amerikanischen Roman. Ballonfahrer über den Schlachthäusern von Chicago, lesende Hunde. Ein sprechender Kugelblitz. Balkanverwicklungen der amüsantesten Sorte.“ (S.232) Und damit ist kein geringerer gemeint als Thomas Pynchons Mega-Roman „Gegen die Welt„.

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