Hanns-Josef Ortheil: Lesehunger

Eigentlich möchte man der wütenden Amazon-Rezensentin Helga Kurz zustimmen: Dieses Buch ist an vielen Stellen „deliziös wortüberfrachtet“, der Autor „schwadroniert“, ein Buch für ein „Schöner-Wohnen-Publikum“. Auch die Idee, den gesamten Text wie ein ungezwungenes Gespräch über Lesen, Essen und Trinken aufzubauen, ist nicht gerade originell und wirkt oft regelrecht peinlich. Es ist eine Frau, die den älteren Dichter besucht und bewundernd solch Sätze sagt wie: „Hat die französische Literatur Ihre Liebe erwidert, wurden Ihre Bücher auch ins Französische übersetzt?“ oder „Wir sitzen auf dieser kleinen Veranda mit all diesen Büchern wahrhaftig wie auf dem Absprung nach Süden…“ – Es ist kaum auszuhalten! Die Antworten auf solche Zwischenrufe sind ein Sammelsurium an beliebig wirkenden Notizen über unterschiedliche Lektüren. Als ob ein großer Zettelkasten mal endlich in eine Form gebracht und veröffentlicht werden sollte. Doch dann: Bei all den vielen Lesetipps vom Yoga-Buch bis zum Diätratgeber (Ortheils eigene Bücher dürfen natürlich auch nicht fehlen) findet man interessante Perlen wie das „Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon“. Kurz: Ortheils Buch ist eine zwiespältige Lektüre, allerdings mit ein paar echten Lektüretipps.

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