Picturing America. Fotorealismus der 70er Jahre. Deutsche Guggenheim Berlin

Realismus. Kaum ein Begriff wird zur Beschreibung von Kunst oder gar als Qualitätskriterium häufiger benutzt. Ob antike Fresken (Tauben lassen sich von gemalten Weintrauben täuschen), niederländische Stillleben (die samtweiche Haut von Pfirsichen) oder barocke Porträts (gemalte Augen, die einen quer durch den Raum nachblicken) – durch alle Epochen der europäischen Kunstgeschichte ziehen sich Elemente realistischer Wiedergabe von Wirklichkeit. Allerdings: Kunst ist niemals realistisch! Auch nicht die atemberaubenden Gemälde der 17 amerikanischen Künstler, die derzeit in der Deutschen Guggenheim Berlin zu sehen sind. In vier Ausstellungsräumen werden noch bis zum 10. Mai insgesamt 32 super-/hyper-/ bzw. fotorealistische Kunstwerke gezeigt, die allesamt in den Jahren 1967 bis 1982 enstanden. Auch wenn inzwischen mehr als 25 Jahre seit der Entstehung vergangen sind; das Begriffschaos der Kunsthistoriker und Kritiker bleibt. Die Gemälde wurden logischerweise nach den Motiven sortiert: Stadt, Konsum, Alltagsleben. In einer Ecke hängen Lithografien aus einer Mappe, die 1972 für die documenta 5 von mehreren Künstlern zusammengestellt wurde. Dass die Arbeit nach realen Fotografien eine der wenigen Gemeinsamkeiten aller Maler ist, erfährt der Besucher zwar, doch wie die einzelnen Künstler diese Fotos genau auf die Leinwand gebannt haben, ist höchst unterschiedlich. Auch die Auswahl der Motive (leere Straßen, möglichst viele Spiegelungen und Szenen, so alltäglich wie möglich) lässt darauf schliessen, dass da nicht einfach nur Wirklichkeit nachgebildet, vielmehr eine eigene „Überwirklichkeit“ inszeniert wurde. Doch bei allen offenen Fragen, überwiegt die Begeisterung und das Staunen, endlich so viele erstklassige Beispiele einer oft verpönten Kunstrichtung zu sehen!

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