Die Sprache Deutsch. Deutsches Historisches Museum Berlin

Das Thema Sprache erhitzt immer wieder die Gemüter. Von vermeintlichen Sprachverunreinigungen bis zum Unwort des Jahres – stets gibt es große öffentliche Diskussionen. Warum nicht einmal die Geschichte der deutschen Sprache in einer umfassenden Ausstellung beleuchten? Vielleicht lassen sich ja aktuelle Themen geschichtlich erklären? Doch was das Deutsche Historische Museum derzeit in einer Sonderausstellung präsentiert, hinterlässt keinen bleibenden Eindruck und trägt leider auch nicht zur Meinungsbildung bei. Was sich auf der Homepage der Ausstellung so klar und verständlich präsentiert, ist vor Ort leider kaum nachzuvollziehen. Die Einteilung in Kapitel bekommt niemand mit. Die Besucher werden mit Informationen regelrecht überschüttet; in etlichen Vitrinen liegen hunderte aufgeschlagene historische Bücher (Warum gerade dieses Werk? Warum gerade diese Seite?). Die vielen kleinen Texte und der Audioguide tragen zur Verwirrung bei und erklären fast nie, warum das Objekt für die Entwicklung der deutsche Sprache wichtig ist. Je weiter man sich in den düsteren Raum begibt, desto mehr verstärkt sich der Eindruck eines wahllosen Sammelsuriums. Als ob Praktikanten alles zusammengetragen hätten, was irgendwie mit Sprache zu tun hat. Schallplattenhüllen, Brigadebücher, den Volksempfänger usw. werden gezeigt, ohne dass an einem einzigen Beispiel erklärt wird, welche Sprache sie wann und wie transportierten. Nur manchmal bekommt man wirklich etwas erklärt (in einem 20-minütigen Film) oder anschaulich präsentiert (in den wenigen Videos mit Sprachbeispielen). Technische Mängel (die Audiogeräte springen vor einigen Objekten automatisch an) und Unstimmigkeiten (die Weltkarte der Sprachverteilung zeigt andere Fakten als der entsprechende Audiobeitrag) tragen zur allgemeinen Unzufriedenheit bei. Noch bis 3. Mai 2009 im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums.

2 Kommentare

  1. Immer auf die armen Praktikanten – das sind doch auch nur Menschen.
    Nichtsdestotrotz kann ich Deiner Enttäuschung nur beipflichten. Dabei bietet die deutsche Sprachgeschichte so viel – einfache Beispiele etwa zu den zahlreichen Lautwandelprozessen, lexikalische Einflüsse der Stadtstaaten oder etwa die Diphtongierung wie „Mîn niuwez Hûs“ zu „Mein neues Haus“ hätte man anhand der zahlreichen Texte (weniger ist manchmal mehr) auch Laien sehr gut erklären können. Stattdessen „nur“ literarische Einordnungen und gesellschaftliche Relevanzen, spannende Beispiele verstecken sich in Fußnoten wie im erwähnten Film.
    Mir ist unklar, ob man nicht anders wollte oder nicht anders konnte. Schade.

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