Heinz Strunk: Fleckenteufel

Es ist noch gar nicht lange her, da erschien mit „Die Zunge Europas“ ein vielfach falsch verstandenes Meisterwerk von Heinz Strunk. Was haben sich die Marketingleute bei Rowohlt nur gedacht, dass sie so kurz danach den Roman „Fleckenteufel“ des gleichen Autors raushauen, noch dazu im Look des Mega-Bestsellers „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche? Wahrscheinlich wollte man auf den fahrenden Zug der Ekel- und Skandalliteratur aufspringen. Aber da hat man wohl die Rechnung ohne Strunk gemacht. Denn eins ist klar: „Fleckenteufel“ schneidet im Vergleich eindeutig besser ab! Nicht nur die Handlung (ein 16-Jähriger im christlichen Familienferienlager an der Ostsee), sondern vor allem die für Strunk so typischen bitterbösen Einschübe (z.B. über die mitreisenden Pastoren) machen den Roman zu einem ersten deutschsprachigen Highlight des Jahres. Was der Erzähler über seine Umwelt (dicke Mädchen, Behinderte, senile Renter, dauergeile Bauarbeiter), sein erwachendes Intimleben (Selbstbefriedigung im Schlafsack) und seine Körperfunktionen (Verstopfung, Durchfall, Flatulenzen) zu berichten weiß, ist (zum Glück) nicht politisch korrekt oder appetitlich, aber immer zum Schreien komisch, einfach weil es so wahr ist. Die wahnsinnige Welt der Erwachsenen aus der Sicht eines pubertären Außenseiters. Unbedingt lesen!

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