Herbert Tobias – Blicke und Begehren

Rauchende Diven, träumende Männer und der halbnackte Andreas Baader – kaum ein deutscher Fotograf der Nachkriegszeit hinterließ ein so stimmungsvoll-abwechslungsreiches Werk wie Herbert Tobias. Mitte der zwanziger Jahre geboren, in den Fünfzigern ein gefragter Modefotograf in Paris und Berlin, ist er heute vor allem durch seine Porträts von Leander, Kinski und Knef bekannt. Er verhalf der jungen Christa Päffgen mit Modefotos zur Weltkarriere, die sie kurz darauf unter dem Namen Nico machte. Andere Bilder sind weniger leicht fassbar: Mal scheinbare Momentaufnahmen, mal pathetisch-melancholische Inszenierungen. Die erste umfassende Tobias-Ausstellung zeigt das Lebenswerk daher nicht chronologisch, sondern treffend nach Stimmungen geordnet.
Sein Schwulsein hat Tobias nie versteckt: Ob aneinander gekettete Nackte, Genet-inspirierte Theatralik oder androgyne Selbstporträts – auch sein Männerbild ist äußerst vielschichtig. Und für viele zu anspruchsvoll: Tobias geriet in Vergessenheit, starb verarmt. Seine Bestattung übernahm 1982 das Hamburger Sozialamt. Zeit für eine Wiederentdeckung! Nach Berlin im letzten Jahr macht die Ausstellung ab 7. Mai in den Hamburger Deichtorhallen Station. Der Katalog ist bereits im Steidl Verlag erschienen.

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