Michael Gottlieb Bindesbøll: Thorvaldsen-Museum in Kopenhagen

Sieben Jahre vor seinem Tod fasste der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1770-1844) in Rom den Entschluss, seine Werke, seine Sammlung und sein Vermögen der Heimatstadt Kopenhagen zu überschreiben, damit dort ein ihm allein gewidmetes Museum entstünde. Die Unterstützung des Königs und aller Kopenhagener war ihm sicher; gehörte er doch über viele Jahrzehnte zu den wichtigsten Künstlern ganz Europas. Das Thorvaldsen-Museum ist das erste und gleichzeitig bedeutendste Bauwerk des dänischen Architekten Bindesbøll (1800-1856). Der 1848 eröffnete spätklassizistische Bau von Thorvaldsens Freund ist Dänemarks ältestes Museum und zeigt vom Grundriss bis zu den Wandbemalungen und den Fussbodenmosaiken zahlreiche antikisierende Elemente. Originale Abgüsse und Skulpturen von Thorvaldsen werden genauso ausgestellt wie seine große Kunstsammlung, die von antiken Stücken bis zu Gemälden seiner Zeitgenossen reicht. .

5 Kommentare

  1. Diese kräftigen Farben der Räume sind beeindruckend.
    Ist es in der Kunstgeschichte eigentlich häufiger, dass ich als Künstler mit meinem Geld ein Museum baue, das meinen Namen trägt und meine Werke neben denen anderer präsentiere? Ist das nicht irgendwie konfliktgeladen? Ich meine für die anderen Künstler.
    Mir fallen da nur Gegenbeispiele ein: Bode-Museum in Berlin nach dem Generaldirektor – zuvor auch der Geldgeber Kaiser Friedrich, das Pergamonmuseum nach dem dominant bestimmenden Altar. Oder eben ausschließlich die Werke des Künstlers wie das Van Gogh Museum in Amsterdam.
    Hier kommt ja eben hinzu, dass das Thorvaldsen-Museum zu Lebzeiten von ihm selbst beauftragt wurde, er sich selbst gewissermaßen transzendental überhöht. Irgendwie hat das einen komischen Beigeschmack…

  2. Es ist nicht selten, dass Künstler noch zu Lebzeiten bestimmen, was mit ihrem Werk passieren soll. Doch oft hält sich die Nachwelt nicht daran. Berühmtestes Beispiel aus der Literatur: Kafka wollte, dass alle seine Manuskripte nach seinem Tod verbrannt werden sollten. Aber sein Freund Max Brod hat sie veröffentlicht. Das Thorvaldsen-Museum ist aber auch etwas Besonderes, da man dort Einblick in den gesamten Künstler-Kosmos bekommt. Und da passen die Werke anderer Künstler, von denen er sich hat beeinflussen lassen, ganz ausgezeichnet. Und: Selbstinszenierung und -erhöhung gehört im 19. Jahrhundert doch zum guten Ton! Unbedingt nach Kopenhagen fahren und angucken! 🙂

  3. Leider war ich noch nicht selbst im Museum, habe mich aber für eine wissenschaftliche Arbeit damit auseinandergesetzt.
    Thorvaldsen hat das Museum nicht selbst bezahlt oder gestiftet – die Summe wurde von der Kopenhagener Bürgerschaft mithilfe von Einzelspenden eingeworben, worauf man auch sehr stolz war. Es war zwar ein Personalmuseum, wurde aber sehr stark als Symbol für die junge Republik vereinnahmt. Thorvaldsen war eine Identifikationsfigur, der erste europaweit bedeutende Künstler des Landes. Transzendental überhöht wurde er sicher, denn sein Grab ist auch im Museum… anscheinend hatte er das Vorbild von Canova und seinem Museum in Possagno, der auch sein Konkurrent war, vor Augen.
    An der Planung des konkreten Baus hat er übrigens in keinster Weise mitgewirkt, und die Künstler, von denen er Gemälde sammelte, waren meist seine Freunde & Bekannte 🙂 (also nicht wirklich problematisch für sie, dort „untergeordnet“ aufzutauchen)

  4. Lieber Steffen,

    danke für den Tipp, die Ausstellung steht sowieso auf meiner Agenda, jetzt ist meine Neugier natürlich noch größer!
    Über Gottlieb Bindesbøll ist übrigens am 11. März 2013 ein neues Buch erschienen, für alle die des Dänischen nicht mächtig sind: es ist komplett auf Englisch erhältlich! Leider hat der Verlag gerade Lieferschwierigkeiten, sodass es dauern wird bis die Bibliotheken in Deutschland ein Exemplar besitzen…
    http://www.extrabuch.com/de/Architekten-A-Z/Gottlieb-Bindesboell-Bindesboll-Bindesb-C3-B8ll-Denmarks-First-Modern-Architect

    Beste Grüße!

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