Zwitschernder Schriftsteller: Stephen Fry twittert

Weit über 100.000 User lesen mit, wenn der englische Schauspieler („Oscar Wilde“) und Schriftsteller („Geschichte machen“) in höchstens 140 Zeichen davon berichtet, wie er im Fahrstuhl stecken bleibt, er zu spät zu einer Pressekonferenz kommt oder welche Kaffeemaschine er bevorzugt. Neben Stephen Fry nutzen auch die Autoren Paulo Coelho („Der Alchimist“) und Neil Gaiman („Sternwanderer“) den Mikro-Blogging-Dienst. Jeder User kann hier nicht nur seine Verbundenheit mit Lieblingsautoren zeigen (wie bei anderen Social Communities wie Myspace oder Facebook), sondern dazu noch dank mobiler Eingabe- und Ausgabemöglichkeit direkt und ohne Zeitverzögerung all das erfahren, was den Autor gerade beschäftigt. Der in Berlin lebende Schriftsteller Christian Ankowitsch geht noch einen Schritt weiter und veröffentlicht bei Twitter in kurzen Mini-Kapiteln einen ganzen Roman. Titel: „Fliegi oder Der Triumph der 140“. Stephen Fry indes erläutert in seinem Blog auch die Nachteile des Twitterns: Da er selbst ebenfalls die Kurznachrichten tausender User abonniert hat, ist er inzwischen einem recht unübersichtlichen Gezwitscher-Lärm ausgesetzt.

Nachtrag 15.02.2009: Dank Stephen Fry wissen jetzt auch die FAZ-Leser, was Twittern ist.

  1. Na da hast Du aber ordentlich recherchiert, um mir Twitter schmackhaft zu machen. Leider macht ein bekannter Name noch kein besseres Twitter – vielleicht nur ein bisschen. Warum aber dann doch nicht, weil 1. Stephen Fry nicht jeden Tag im Fahrstuhl stecken bleibt; 2. mich es einen …dreck interessiert, welche Kaffeemaschine jemand benutzt – oder ist das ein Kaffee-Twitter?; 3. Paulo Coelho sich ständig bei den Followern bedanken muss – sehr spannend! 4. Neil Gaimans Information, dass gleich SEINE Pressekonferenz beginnt, mit dem umfallenden Reissack konkurriert. Die Liste ließe sich leicht fortsetzen – Gezwitscherlärm – was bleibt, ist nur ein langes, nerviges Rauschen.
    Ich habe es wirklich versucht…

  2. Sicher sind es oft Belanglosigkeiten, die da gepostet werden. Aber wie bei den Blogs wird bestimmt bald eine Art Differenzierungs- oder Ausleseprozess stattfinden. Davon mal abgesehen, gibt es sicherlich auch Leute, die sich für den Alltag „ihrer“ Autoren interessieren. Interessant ist doch z.B. wie direkt man mit den Autoren kommunizieren kann; Stephen Fry beantwortet jede Menge Fragen, auch ernsthafte. Am interessantesten finde ich allerdings Ankowitsch; er nutzt die Möglichkeiten des neuen Mediums und versucht mit ihm etwas Neues!

  3. Von Fry könnte Sie „The Ode less Travelled“ interessieren – ein Sachbuch über Techniken und Stilmittel der Lyrik: „Fry leads the reader through a series of lessons on meter, rhythm, rhyme and stanza length and reveals the structural logic of every imaginable poetic form, including the haiku, the ballad, the ode and the sonnet.“
    Gibt es auch in deutscher Übersetzung „Feigen, die fusseln: Entfessle den Dichter in dir“ – da bin ich aber gerade wegen Frys Sprachgewalt misstrauisch.

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