Alberto Manguel: Eine Geschichte des Lesens

1998 erschien „Eine Geschichte des Lesens“ des bibliomanen Argentiniers Alberto Manguel zum ersten Mal auf Deutsch, im letzten Jahr brachte der S. Fischer Verlag das Buch in einer prächtigen illustrierten Neuauflage heraus. In mehr als 20 Kapiteln erforscht Manguel, der auch als Lektor, Dozent und Übersetzer arbeitet, die unterschiedlichsten Aspekte des Lesen. Vom Lesen lernen über die einsame Lektüre hin zu den Formen von Büchern oder verbotener Literatur – in jedem Abschnitt geht Manguel von meist mehreren historischen Begebenheit aus, zitiert aus alten Schriften und kommt dann schließlich zu allgemeingültigen Aussagen. Am interessantesten wird es, wenn der Autor aus seinem eigenen Leben erzählt, z.B. las er als Kind dem blinden Borges vor. Immer wieder bezieht sich Manguel auf Bilder oder Fotos, die leider nur im ersten Teil des Buches gleich daneben abgedruckt sind. Auf den letzten Seiten häufen sich Abbildungen, die nur noch im weitesten Sinne den Text illustrieren. Man merkt dem Buch an, dass der Autor jahrelang recherierte und so viele wirklich bemerkenswerte Anekdoten aus der Welt des Lesen sammelte. Allerdings trübt dies den Lesegenuss ein wenig. Man hat es hier eher mit einem umfassenden Wissenspeicher zu tun, in dem man bei Gelegenheit gern noch einmal nachliest, anstatt mit einem Roman, den man von vorn bis hinten durchschmökert. Wirklich gelungen ist das letzte Kapitel: Hier erzählt der Autor von einem Buch mit dem gleichen Thema, nur trägt es den Titel „Die Geschichte des Lesens“. Dann wird einem plötzlich klar, dass es so etwas wie eine abgeschlossene Geschichte des Lesens nie geben kann. Und schon blättert man wieder in den ersten Kapiteln und entdeckt Gedanken, die einem beim ersten Lesen entgangen sind, bekommt Lust auf Autoren, von denen man noch nie gehört hat.

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