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Demnächst auf Deutsch: Unendlicher Spaß von David Foster Wallace

Freitag, 5. Juni 2009 8:00

Ende August ist es endlich soweit. Die deutsche Übersetzung von David Foster Wallace’ Meilenstein der jüngeren amerikanischen Literatur “Infinite Jest” erscheint bei Kiepenheuer & Witsch. Sechs Jahre hat Übersetzer Ulrich Blumenbach an “Unendlicher Spaß”, so der Titel, gearbeitet und knapp 1600 Seiten dick wird das Buch hierzulande sein. Im Interview erzählt Blumenbach von seiner oft schwierigen Arbeit und warum kein anderer der “notorischen Dickbuchübersetzer” den Auftrag angenommen hat. Der Roman war 1996 der Durchbruch für Wallace und wurde dank seiner ungeheuren Vielschichtigkeit schnell mit Werken von den Altmeistern der Postmoderne Pynchon, Gaddis und DeLillo verglichen. Doch der damit einsetzende Rummel um seine Person war Wallace zu viel. In einem sehr persönlichen Porträt im New Yorker wird ein Brief zitiert, in dem sich Wallace bei DeLillo beklagt. Vor allem die Reporter, die das Buch offensichtlich nicht gelesen hatten, ihn trotzdem interviewten und dann Artikel über den Hype schrieben (ohne zu verstehen, dass sie damit den Hype noch weiter anheizten), gingen ihm auf die Nerven. Vielleicht auch ein Grund, warum Wallace bis zu seinem Selbstmord im letzten Jahr keinen weiteren Roman vollendete. Als erste Einführung in das Opus Magnum sei an dieser Stelle nur auf Susannes Aufzählung der wichtigsten Figuren und auf eine Gruppe amerikanischer Blogger hingewiesen, die sich jeden Tag unter dem passenden Titel Infinite Summer ein paar Seiten des Romans vornehmen und kommentieren.

Thema: Literatur | Kommentare (3) | Autor: Steffen

Charlie Kaufman: Synecdoche, New York

Donnerstag, 4. Juni 2009 9:01

Ist das wirklich wahr, was das Österreichische Filmmuseum da auf seiner Homepage verkündet? “Synecdoche, New York”, der erste eigene Film des großartigen Charlie Kaufman (Drehbuchautor von “Beeing John Malkovich” und “Adaption”), wird nicht in österreichische und deutsche Kinos kommen? Und das obwohl der preisgekrönte Philip Seymour Hoffman (”Capote”) die Hauptrolle spielt? Wahrscheinlich hört sich die Handlung etwas zu verschroben an, um ein Massenpublikum zu erreichen: Ein depressiver Theatermann baut dank eines Stipediums in einer Lagerhalle die Stadt New York eins zu eins nach und hat dort vor, das Leben an sich nachzudrehen. (Mehr zum Inhalt sehr kenntnisreich beim Filmblog Kein Blut, Rot!) Kann man also nur hoffen, dass die DVD bald erscheint!

PS: Eine Synekdoche bezeichnet das Ersetzen eines Begriffs durch einen engeren oder weiteren  Begriff aus dem selben Feld.

Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Star Trek und die Philosophie

Dienstag, 19. Mai 2009 10:03

Die philosophischen Dimensionen einer Star Trek-Episode hat ja schon Richard David Precht in seinem Buch “Wer bin ich und wenn ja, wie viele?” untersucht. (”Mr. Spock liebt. Was sind Gefühle?”) Im letzten Jahr erschien mit “Star Trek and Philosophy. The Wrath of Kant” in den USA ein ganzes Buch, dass sich den philosophischen Hintergründen der Fernsehserie widmet. Laut Verlag liegt die Gemeinsamkeit zwischen der Serie und der Philosophie  in dem Austesten von Ideen mit dem Ziel, unsere Zukunft stufenweise zu verbessern. Sage und schreibe 21 große Denker, von Wittgenstein bis Nietzsche, ziehen die beiden Autoren, Philosophie-Professoren in Washington und Indiana, heran. Dass solche Bücher auch auf dem Markt bestehen, zeigt die breite Produktpalette des Verlags: Seinfeld, Buffy, James Bond, Radiohead und natürlich die Simpsons wurden bereits philosophisch gedeutet.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Helene Hanff: Briefe aus New York

Montag, 18. Mai 2009 9:36

Erst der Briefwechsel mit London, dann die Reise nach London und jetzt Briefe aus New York für London. Helene Hanffs letztes Buch basiert auf kurzen New Yorker Alltagsberichten, die die BBC,  wohl wissend um die vielen englischen Hanff-Fans, bei ihr in Auftrag gegeben hat. So geht es jetzt auch nicht mehr um Antiquariate und Bücher, sondern um das Leben in der Mega-City New York. Gewohnt unterhaltsam berichtet die allein lebende Helene von Spaziergängen im Central-Park, von wahnwitzigen Shopping-Erlebnissen (graue Hosenanzüge in Größe 4) und mit welch logistischer Höchstleistung sie in ihrem Mini-Apartment ein Essen für 20 Freunde vorbereitet. Man erfährt einiges aus der Geschichte der Stadt, z.B. warum Neufundland Neufundland heißt oder warum die Radio City Music Hall in den 70ern beinahe abgerissen wurde. Und es gibt jede Menge Hunde-Anekdoten, denn auch wenn Helene selbst kein Haustier hat (Wohnung viel zu klein!), ist sie regelrecht vernarrt in Hunde. Im Nachwort steht am Ende ein wahrer Satz: “Und wer noch niemals in New York war, wird, wenn er dieses Büchlein zugeklappt hat, das kaum zu zähmende Verlangen verspüren, eine Reise dorthin zu buchen, umgehend.” Stimmt!

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Helene Hanff: 84 Charing Cross Road. Eine Freundschaft in Briefen

Dienstag, 5. Mai 2009 8:58

Eine lesesüchtige New Yorker Schriftstellerin entdeckt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine Anzeige des Londoner Antiquariats Marks & Co, Charing Cross Road Nr. 84, und schickt sofort eine Liste mit ihren “dringendsten Problemen” nach England. Schon ein paar Wochen später haben die Londoner Profis fast alle bestellten Bücher gefunden und Helene Hanff schreibt den nächsten Brief. Was als nüchterne Geschäftskorrespondenz (Umrechnungskurse, Verrechnungen usw.) anfängt, wird schnell zu einem äußerst kurzweiligen Briefwechsel über Bücher, Literatur und den Alltag in einer entbehrungsreichen Zeit. Frank Doel, der anfangs zurückhaltende Londoner Antiquar, erzählt von fehlenden Eiern, rationiertem Fleisch und der Mangelware Strumpfhosen. Helene in New York, die sich mit Aufträgen für Drehbücher über Wasser hält, hilft sofort und lässt aus Dänemark das Nötigste nach England schicken. Über die Jahre freunden sich die beiden an, Helene wird schnell die Heldin des gesamten Geschäfts. Da aber auch sie stets knapp bei Kasse ist, kann sie erst viele Jahre später nach London fliegen. 1970 erschien der Briefwechsel als Buch und wurde zum Bestseller in der englischsprachigen Welt. In Deutschland wurde “84 Charing Cross Road” erst 2002 veröffentlicht. Dank Helenes manchmal schnodderigen aber immer warmherzigen Sprüchen ist es ein wunderbarer Roman über Literatur und Freundschaft! 1987 wurde er mit Anne Bancroft und Anthony Hopkins verfilmt (“Zwischen den Zeilen”). Und für alle, die wissen wollen, was Helene so liest, listet Wikipedia sogar alle erwähnten Bücher auf.

Thema: Literatur | Kommentare (4) | Autor: Steffen

Frank Lloyd Wright: Unity Temple in Oak Park

Sonntag, 3. Mai 2009 9:23

Nachdem hier schon Frank Lloyd Wrights Wohnhaus mit Atelier in Oak Park (Chicago) vorgestellt wurde, folgt jetzt der von ihm entworfene Unity Temple aus dem Jahr 1904 ein paar Straßen weiter. Um die Jahrhundertwende zerstörte ein Feuer die alte Kirche und die Gemeinde beauftragte ihr Mitglied Wright mit einem Neubau für das schmale Grundstück. Die neue Kirche, eines der ersten Bauwerke aus Stahlbeton, sieht von außen eher aus wie ein Mausoleum: Vollkommen gegen die Außenwelt abgeschirmt, wie viele von Wrights Prairie-Häuser, befindet sich der Eingang versteckt hinter zwei Mauern an der Seite. In der Innenausstattung zeigt sich Wrights geometrischer Stil erstmals vollständig; ihm ging es um die Gestaltung eines würdevollen Raumes mit der Hilfe natürlicher Materialien. Mehr zum Unity Temple, der bald zum Weltkulturerbe gehören soll, gibt es hier. Wer sich für FLW und sein bewegtes Privatleben interessiert, der lese T.C. Boyles “Die Frauen”!

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Frank Lloyd Wright: Unity Temple

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mehr Fotos

Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Anish Kapoor: Cloud Gate in Chicago

Freitag, 1. Mai 2009 9:11

Vor ein paar Jahren gab es an dieser Stelle noch ein häßliches Bahnhofsgelände, doch zum Jahrtausendwechsel baute man in Chicago, nur ein paar Schritte vom Michigansee entfernt, den Millennium-Park. Zu dessen Highlights zählt neben einer atemberaubenden Freilichtbühne von Frank O. Gehry die über 100 Tonnen schwere Stahlskulptur “Cloud Gate” von Anish Kapoor. Seit der Enthüllung 2004 ist das gewölbte, bohnenförmige Kunstwerk zum Lieblingsfotomotiv aller Touristen geworden. Denn selbst bei schlechtem Wetter spiegeln sich in ihm die vielen Hochhäuser! Der in Mumbai geborene und in London lebende Kapoor macht mit seinen spektakulären Kunstwerken desöfteren von sich reden. In seiner letzten Installation “Shooting into the Corner” in Wien, feuerte eine große Kanone rote Farbpatronen an die Wand. Hier ein Video dazu.

Anish Kapoor: Cloud Gate.

Anis Kapoor: Cloud Gate in Chicago

Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Personalisierte Klassiker von Penguin

Dienstag, 21. April 2009 19:23

Der amerikanische Verlag Penguin setzt im Zuge des allgemeinen E-Book-Hypes nicht allein auf digitale Versionen von Büchern. Auf dem Portal Penguin Personalized 2.0 lassen sich für gerade mal 17 Dollar personalisierte Ausgaben von großen Klassikern der Literaturgeschichte erstellen. Wer also gern Bücher wie “Huckleberry Finn”, den “Zauberer von Oz” oder die “Schatzinsel” verschenkt, kann jetzt Foto und Text hochladen und (so lange es noch gedruckte Bücher gibt) seinem Lieblingswerk eine persönliche Note verleihen. Alternativvorschlag:  Man entwirft einfach ein zweites Cover und behauptet, das vorliegende Buch stammt in Wahrheit von einem selbst und nicht von Mark Twain, Frank Baum oder Robert Louis Stevenson!

Thema: Literatur | Kommentare (1) | Autor: mulliner

Picturing America. Fotorealismus der 70er Jahre. Deutsche Guggenheim Berlin

Dienstag, 7. April 2009 16:18

Realismus. Kaum ein Begriff wird zur Beschreibung von Kunst oder gar als Qualitätskriterium häufiger benutzt. Ob antike Fresken (Tauben lassen sich von gemalten Weintrauben täuschen), niederländische Stillleben (die samtweiche Haut von Pfirsichen) oder barocke Porträts (gemalte Augen, die einen quer durch den Raum nachblicken) - durch alle Epochen der europäischen Kunstgeschichte ziehen sich Elemente realistischer Wiedergabe von Wirklichkeit. Allerdings: Kunst ist niemals realistisch! Auch nicht die atemberaubenden Gemälde der 17 amerikanischen Künstler, die derzeit in der Deutschen Guggenheim Berlin zu sehen sind. In vier Ausstellungsräumen werden noch bis zum 10. Mai insgesamt 32 super-/hyper-/ bzw. fotorealistische Kunstwerke gezeigt, die allesamt in den Jahren 1967 bis 1982 enstanden. Auch wenn inzwischen mehr als 25 Jahre seit der Entstehung vergangen sind; das Begriffschaos der Kunsthistoriker und Kritiker bleibt. Die Gemälde wurden logischerweise nach den Motiven sortiert: Stadt, Konsum, Alltagsleben. In einer Ecke hängen Lithografien aus einer Mappe, die 1972 für die documenta 5 von mehreren Künstlern zusammengestellt wurde. Dass die Arbeit nach realen Fotografien eine der wenigen Gemeinsamkeiten aller Maler ist, erfährt der Besucher zwar, doch wie die einzelnen Künstler diese Fotos genau auf die Leinwand gebannt haben, ist höchst unterschiedlich. Auch die Auswahl der Motive (leere Straßen, möglichst viele Spiegelungen und Szenen, so alltäglich wie möglich) lässt darauf schliessen, dass da nicht einfach nur Wirklichkeit nachgebildet, vielmehr eine eigene “Überwirklichkeit” inszeniert wurde. Doch bei allen offenen Fragen, überwiegt die Begeisterung und das Staunen, endlich so viele erstklassige Beispiele einer oft verpönten Kunstrichtung zu sehen!

Thema: Kunst | Kommentare (1) | Autor: mulliner

Donald Windham: Dog Star

Sonntag, 29. März 2009 16:03

Dieser Typ ist ein echtes Arschloch. Er prügelt sich grundlos, schlägt seine Freundin und er knöpft Jüngeren Geld ab. Blackie ist selbst gerade mal 15, aus der Besserungsanstalt abgehauen und jetzt wieder zurück in seiner Heimatstadt. Mit der stets Whiskey trinkenden Mutter und seiner älteren Schwester (ein Baby, kein Mann) kommt er allerdings immer noch nicht klar. Doch dann trifft er Mabel, verliebt sich in sie - bis ihn Selbstzweifel und der große Wunsch, hart und ein echter Mann zu sein, wieder einholen. Sein einziger Freund Whitey hatte sich umgebracht und jetzt zieht Blackie durch die brütend heiße Stadt, markiert den großen Macker - doch ein Unwetter naht. Donald Windahms atemberaubender und zeitloser Roman “Dog Star” erzählt die Geschichte eines Jungen auf der Suche nach sich selbst. Wie bei Salingers “Fänger im Roggen” sind es keine außergewöhnlichen Ereignisse, sondern ganz alltägliche Dinge im Leben eines halbstarken Jugendlichen, die hier geschildert werden. Doch die Story hat einen unentrinnbaren Sog, einen eigenen Sound und einige Schilderungen bleiben einem noch lange im Gedächtnis. Der Münchner Lilienfeld Verlag veröffentlichte das 1950 in den USA erschienende Buch im letzten Jahr in einer packenden deutschen Übersetzung. Windham, ein Freund von Truman Capote und Tennessee Williams, erntete damals sogar Lob vom großen Thomas Mann: “Dog Star” ist “… einfach, natürlich und stark”. Recht hat er!

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: mulliner