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Humunculi auf Speed: Graffitis von Muro

Mittwoch, 24. Februar 2010 19:47

Kleine Straßencafés, enge Gassen und dann plötzlich sowas: Großartig durchgeknallte Riesen-Graffitis an genau den Ecken von Santa Cruz (Teneriffa), wo man am wenigsten damit rechnet. Da bastelt ein verrückter Doktor Frankenstein mit offenem Schädel an kleinen Teddybären. Ist die an Lady Gaga erinnernde Dame an der nächsten Ecke eine seiner Kreaturen, so wie die Homunculi in den Schraubgläsern hinter ihr? Ein Taucher macht sich unterdessen bereit zum Einstieg in die Unterwelt. Und der Tod wartet schließlich geduldig auf den unterernährten (Loch im Bauch!) Krieger auf Speed. Die phantasievollen Farbexplosionen stammen von Muro, der auch auf dem spanischen Festland künstlerisch tätig ist, auch Plakate und Shirts gestaltet. Mehr von Muro in seinem Blog, vor allem aber auf seiner Myspace- und Flickr-Seite.

Doctor Chiflado - Der durchgeknallte Doktor

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Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Herzog & de Meuron: Tenerife Espacio de las Artes

Freitag, 13. November 2009 14:29

Sie sind das einflussreichste und bekannteste Architektenteam der Gegenwart. Großprojekte wie der Umbau eines alten Kraftwerks zur Tate Modern in London, die Allianz-Arena in München oder das Olympia-Stadion in Peking (”Vogelnest”) wurden im Büro von Jacques Herzog und Pierre de Meuron entworfen. Doch auch abseits der Metropolen und bei nicht ganz so großen Bauaufträgen beweisen die Schweizer ihren Mut zu Innovationen:
Im Herbst 2008 eröffnete in Santa Cruz mit dem Tenerife Espacio de las Artes, kurz TEA, ein Kunst- und Ausstellungszentrum, das neben dem Óscar Domínguez gewidmetem Museum auch eine Bibliothek, einen Hörsaal, ein Restaurant und einen Shop beherbergt.
Das TEA entstand in Zusammenarbeit mit dem spanischen Architekten Virgilio Gutiérrez. Es liegt im Stadtzentrum an einem Hang zwischen einer Brücke und einem Kanal. Der Grundriss hat die Form eines Rechtecks, dem durch versetzte Diagonalen ein Dreieck in der Mitte herausgeschnitten wird. Dort befindet sich der geöffnete Innenhof, über den man auch ins Innere des Gebäudes gelangt. Eine diagonale, offen zugängliche Rampe reicht von der oberen bis zur unteren Ebene und führt mitten durch das Gebäude.
Die Außenseiten scheinen auf den ersten Blick wehrhaft, erinnern durch die Pixel- oder Tetrisformen der Fenster dann aber schnell an abstrakt-geometrische Gemälde oder auf der Kanalseite an einen nicht entschlüsselbaren Computercode. Am groben Sichtbeton zeigen sich außen die Spuren des Regens. Dunkle Bodenplatten rund um das TEA grenzen es noch stärker von der Umgebung ab. Im Inneren gibt es zahlreiche große Ausstellungsräume und noch bis Januar 2010 werden unter anderem Landschaftsfotos von Thomas Ruff präsentiert, die sich in ganz ähnliche Pixel auflösen, wie die Außenwände des Gebäudes selbst.

Herzog & de Meuron: Tenerife Espacio de las Artes

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Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Iglesia de El Salvador in Santa Cruz de La Palma

Samstag, 24. Oktober 2009 9:56

Es ist das größte Renaissancegebäude der gesamten Kanaren. Gebaut wurde die Iglesia de El Salvador Ende des 15. Jahrhunderts. Die Fassade zitiert Elemente eines römischen Triumphbogens und liegt an einem kleinen, zentralen Platz mitten im Zentrum von La Palmas Hauptstadt Santa Cruz. Die Stadt am Fuße eines Vulkankraters war im 16. Jahrhundert nach Sevilla und Antwerpen die wichtigste Hafenstadt des spanischen Königreichs. Die Kirche stammt aus dieser kolonialen Blütezeit. Sie fügt sich nahtlos ein in das Netz von kleinen Gassen und Straßen der intakten Altstadt. Das Innere beeindruckt vor allem mit einer abwechslungsreichen, farbenfrohen Kassettendecke. Vor der Kirche steht ein Denkmal für den Geistlichen Hernández, der im frühen 19. Jahrhundert in seinen Predigten für politische Freiheit eintrat.

Iglesia de El Salvador in Santa Cruz de La Palma

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Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Santiago Calatrava: Auditorio de Tenerife

Freitag, 9. Oktober 2009 10:45

Ein Segel im Wind, die Flosse eines riesigen weißen Fisches oder ein steinernes Palmenblatt - egal, welches Bild einem vorschwebt - Santiago Calatravas Kongress- und Konzerthalle in Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz ist unglaublich schön. Das mit unzähligen unregelmäßigen weißen Kachelstücken verkleidete Gebäude strahlt in der Sonne besonders hell. Der Architekt verweist hiermit auf Antonio Gaudi, der seine Gebäude ebenfalls mit Keramikscherben schmückte. Die 2003 eröffnete Halle steht direkt an der Küste und zeigt in Richtung See, die Sichel schwingt quasi in Fahrt- oder Windrichtung nach hinten. Die umliegenden Terrassen und der Betonsockel nehmen die spitzen und geschwungenen Formen des Gebäudes wieder auf. Neben Gaudi sind noch weitere Vorbilder im Gespräch: Mendelsohns Einsteinturm in Potsdam oder Utzons Opernhaus in Sydney weisen Ähnlichkeiten in der ausdrucksstarken Formensprache auf.

Auditorio de Tenerife von Santiago Calatrava

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Thema: Architektur | Kommentare (5) | Autor: Steffen

Colm Tóibín: Mütter und Söhne

Donnerstag, 23. April 2009 12:11

Wenn es einen Song gibt, der die Stimmung von Colm Tóibíns kürzlich bei Hanser erschienenden Geschichtenband “Mütter und Söhne” am besten trifft, dann Leonard Cohens “Famous Blue Raincoat”. So schwermütig und melancholisch ist nicht nur die Erzählung von Lisa, die dieses Lied früher einmal selbst gesungen hat. (Jetzt stöbert ihr Sohn in alten Platten und zwingt seine Mutter, sich wieder mit der tragischen Vergangenheit auseinanderzusetzen.) Auch wenn Nancy in der Geschichte “Die Parole” vor ihrem kleinen Fast Food-Laden mitten in der Nacht den Schmutz ihrer Gäste wegräumt, damit die Nachbarn nicht noch häufiger hinter ihrem Rücken über sie reden oder die betagte Molly in “Ein Priester in der Familie” ganz allein herausfindet, dass ihr erwachsener Sohn wegen Kindesmißbrauchs vor Gericht kommt - immer dann sind Cohen-Songs der passende Soundtrack. Dass die Mütter all dieser Jungen und Männer in den zehn Geschichten mal mehr oder mal weniger auftauchen, dass oft die Perspektiven wechseln - mal wird aus der Sicht des Sohnes, mal aus der Sicht der Mutter erzählt - machen das Buch insgesamt eher zu einem Band mit Familiengeschichten. Doch wie auch schon in Tóibíns hochgelobten Roman “Porträt des Meisters in mittleren Jahren” sind es nicht die Ereignisse, die fesseln, sondern die ergreifenden Innenansichten der Figuren und ihr oft so schwieriges Miteinander. Während hin und wieder auch typische Irland-Bilder auftauchen, ist die quasi zeitentrückte Geschichte “Ein langer Winter” jedoch am beeindruckendsten und stärksten. Der Ire Tóibín, der auch lange Zeit in Spanien lebte, erzählt hier von einer kleinen Familie in den spanischen Bergen, deren Mutter und Ehefrau in Wut wegläuft und in einem schweren Schneesturm umkommt. Wie Vater und Sohn damit zurechtkommen, wie sich der Sohn später ohne viele Worte mit einem ins Haus geholten Angstellten anfreundet, wie die wortkargen Dorfbewohner auf die Außenseiterfamilie reagieren - all dies ist so eindringlich beschrieben, dass die Geschichte am besten doppelt so lang geworden wäre.
Doch mit dem Anfang Mai in Großbritannien erscheinenden Roman “Brooklyn”, der von einer Irin erzählt, die sich in den 1950er Jahren auf nach New York macht, gibt es bald wieder mehr Lesestoff von Tóibín. Für die Zwischenzeit empfiehlt sich die Lektüre der Kurzgeschichte “The Color of Shadows” beim New Yorker!
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Thema: Literatur | Kommentare (1) | Autor: mulliner