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Saehrendt & Kittl: Geier am Grabe van Goghs

Mittwoch, 5. Mai 2010 12:51

Wer stahl die „Mona Lisa”? Mit welcher Provokation kann ein Künstler heute noch einen Skandal hervorrufen? Was muss man tun, um in Diktaturen zum Staatskünstler aufzusteigen? Das Autorenteam Saehrendt und Kittl hat einen neues Anekdotenbüchlein geschrieben, dass allerhand unglaubliche und verrückte Ereignisse aus der Geschichte der Kunst erzählt. mehr

Thema: Kunst, Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Saehrendt & Kittl: Das kann ich auch. Gebrauchsanweisung für moderne Kunst

Donnerstag, 16. Juli 2009 13:08

Über zeitgenössische Kunst gehaltvoll und doch verständlich zu schreiben, ist nicht ganz einfach. In Zeiten des Kunstbooms, als Werke von lebenden Künstlern die alten Meister in Sachen Marktwerkt weit übertrafen, gab es zum Glück auch kritische Stimmen, die über moderne Kunst ohne allzu viele hohle Phrasen berichteten. Christian Saehrendt und Steen T. Kittl gehörten dazu. Ihr Buch “Das kann ich auch. Gebrauchsanweisung für moderne Kunst” erschien 2007  zum ersten Mal, wurde schnell zum Bestseller und kommt im September, also nachdem die Blase geplatzt ist, in einer aktualisierten und erweiterten Neuausgabe auf den Markt. Doch auch wenn die beiden Autoren den Kunstbetrieb von allen Seiten durchleuchten, einzig die Aufforderung, nicht immer alles hinzunehmen, was da als Kunst präsentiert wird, bleibt beim Leser am Schluss hängen. Aber das ist doch immerhin etwas! mehr

Thema: Kunst, Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Werner Busch: Das unklassische Bild

Donnerstag, 28. Mai 2009 9:36

Schon wieder ein Buch über die Geschichte der Kunst! Doch auch wenn im Klappentext Renaissance bis 19. Jahrhundert als Zeitraum angegeben wird, liefert Werner Busch kein herkömmliches Überblickswerk. Im Gegenteil: Vom Berliner Kunsthistoriker kommt nichts weniger als eine überzeugende Theorie, die einen neuen Zugang zu Malerei und Grafik aus eben dieser Zeit ermöglicht. Die Geschichte der Kunst kann man heute aus vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählen: Ob aus Sicht der Gattungen oder im Hinblick auf einzelne Künstlerbiografien - die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Umso bestechender ist Buschs Spurensuche nach dem sogenannten Unklassischen. Von Tizian in Italien (16. Jh.) geht es über Rembrandt in Holland (17. Jh.) bis hin zu Constable in England  (18. Jh.) - immer wieder verdichtet sich die Theorie an bestimmten Punkten. Als Leser hat man stets das Gefühl, hier auch das Rüstzeug für den nächsten Galeriebesuch mitzubekommen - auch wenn gerade die drei Meister nicht ausgestellt sind.

Doch was ist eigentlich ein unklassisches Bild? Spätestens im 19. Jahrhundert verlor die in Kunstakademien entwickelte und verbreitete klassisch idealistische Kunsttheorie an Bedeutung. Seitdem ist auch eine Unterscheidung in klassisch und unklassisch hinfällig. Doch bis damals galt alles, was sich dieser idealistischen Theorie nicht unterordnen ließ, alles, was seit der Antike das negative Gegenstück zum klaren, korrekten, beherrschten Klassischen war, als unklassisch. Das Unklassische ist also alles Unklare, Unkorrekte und Unbeherrschte. Zitat Busch: “Der klassische Künstler [...] gibt die Natur wieder, wie sie sein soll, der unklassische, wie sie ist.” Und so lassen sich in der gesamten Kunstgeschichte des betreffenden Zeitraums gegensätzliche Künstlerpaare finden, die all dies verkörpern: Raphael und Michelangelo, Rubens und Rembrandt, Turner und Constable, Ingres und Delacroix, Joseph Anton Koch und Caspar David Friedrich. Zugrunde liegt all dem das alte idealistische Modell der Gegenüberstellung von Linie und Farbe. Dass Busch in seinen 14 Kapiteln aber auch noch viele andere Belege für das Unklassische im Werk einzelner Künstler findet, macht sein Buch nicht nur abwechslungsreich, sondern an manchen Stellen regelrecht spannend.

Der Einfluss der Naturwissenschaften auf die Künstler des 18. Jahrhunderts und die konkreten Folgen etwa von Newtons Ideen in Gemälden von Joseph Wright of Derby wird ebenfalls untersucht. So malte Wright seine späten Landschaften in den ungewöhnlichsten Farben. Für Busch ist das ein Beleg dafür, dass sich die unklassischen Künstler schon früh mit naturwissenschaftlichen, hier auch farbtheoretischen, Fragen auseinandersetzten. Diese völlig logisch hergeleiteten Überlegungen sind äußerst beeindruckend. An den vielen erstklassigen Abbildungen kann man die Thesen dann auch gleich selbst überprüfen. Und auch wenn beim Leser einige Grundkenntnisse in Sachen Druckgrafik, Ikonografie und Kunsttheorie vorausgesetzt werden, hat Werner Buschs “Das unklassische Bild” (C.H.Beck, 29,90 €) selbst das Zeug zum Klassiker.

Thema: Kunst, Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Star Trek und die Philosophie

Dienstag, 19. Mai 2009 10:03

Die philosophischen Dimensionen einer Star Trek-Episode hat ja schon Richard David Precht in seinem Buch “Wer bin ich und wenn ja, wie viele?” untersucht. (”Mr. Spock liebt. Was sind Gefühle?”) Im letzten Jahr erschien mit “Star Trek and Philosophy. The Wrath of Kant” in den USA ein ganzes Buch, dass sich den philosophischen Hintergründen der Fernsehserie widmet. Laut Verlag liegt die Gemeinsamkeit zwischen der Serie und der Philosophie  in dem Austesten von Ideen mit dem Ziel, unsere Zukunft stufenweise zu verbessern. Sage und schreibe 21 große Denker, von Wittgenstein bis Nietzsche, ziehen die beiden Autoren, Philosophie-Professoren in Washington und Indiana, heran. Dass solche Bücher auch auf dem Markt bestehen, zeigt die breite Produktpalette des Verlags: Seinfeld, Buffy, James Bond, Radiohead und natürlich die Simpsons wurden bereits philosophisch gedeutet.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Hanns-Josef Ortheil: Lesehunger

Montag, 27. April 2009 15:42

Eigentlich möchte man der wütenden Amazon-Rezensentin Helga Kurz zustimmen: Dieses Buch ist an vielen Stellen “deliziös wortüberfrachtet”, der Autor “schwadroniert”, ein Buch für ein “Schöner-Wohnen-Publikum”. Auch die Idee, den gesamten Text wie ein ungezwungenes Gespräch über Lesen, Essen und Trinken aufzubauen, ist nicht gerade originell und wirkt oft regelrecht peinlich. Es ist eine Frau, die den älteren Dichter besucht und bewundernd solch Sätze sagt wie: “Hat die französische Literatur Ihre Liebe erwidert, wurden Ihre Bücher auch ins Französische übersetzt?” oder “Wir sitzen auf dieser kleinen Veranda mit all diesen Büchern wahrhaftig wie auf dem Absprung nach Süden…” - Es ist kaum auszuhalten! Die Antworten auf solche Zwischenrufe sind ein Sammelsurium an beliebig wirkenden Notizen über unterschiedliche Lektüren. Als ob ein großer Zettelkasten mal endlich in eine Form gebracht und veröffentlicht werden sollte. Doch dann: Bei all den vielen Lesetipps vom Yoga-Buch bis zum Diätratgeber (Ortheils eigene Bücher dürfen natürlich auch nicht fehlen) findet man interessante Perlen wie das “Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon”. Kurz: Ortheils Buch ist eine zwiespältige Lektüre, allerdings mit ein paar echten Lektüretipps.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Freitag, 17. April 2009 10:42

Dürfen wir Tiere essen? Was sind Gefühle? Gibt es Gott? - Diese und noch viele andere wichtige Fragen stellt der Philosoph Precht sich und dem Leser auf ziemlich lehrreichen 400 Seiten. Gleich zu Beginn des Bestsellers “Wer bin ich und wenn ja, wie viele?” macht er klar, dass sein Buch keine chronologische Geschichte der Philosophie sein will, sich eher vielen offenen philosophischen Fragen widmet, indem - und das ist etwas besonderes für Philosophen - Forschungsergebnisse anderer Wissenschaften einbezogen werden. So berichtet Precht anekdotenreich von naturwissenschaftlichen Experimenten, erzählt von Untersuchungen aus Psychologie, der Verhaltens- und der Hirnforschung. Und gerade das macht seine Gedankengänge in den meisten Fällen so anschaulich: Von einer oft originellen Begebenheit, hin und wieder auch aus dem eigenen Leben, entwickelt er Pro und Contra, wägt ab und überlässt nach einer nachvollziehbaren Argumentation dem Leser den letzten Schluss. Wer sich also eindeutige Antworten, etwa auf die eingangs zitierten Fragen, erhofft, bekommt stattdessen etwas viel Besseres, nämlich das philosophische Rüstzeug, sich selbst auf den Weg zu machen. Und da Precht in fast allen Kapiteln Themen anspricht, die immer wieder nur in Kurzfassung die Tagesnachrichten bestimmen, ist sein Buch auch bestens zum Nachschlagen geeignet, wenn mal wieder nur in zwei Sätzen von z.B. Sterbehilfe, Abtreibung, Klonen die Rede ist.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: mulliner

Ein Klassiker kehrt zurück. Kindlers Literatur Lexikon

Samstag, 14. Februar 2009 10:02

Am 4. September ist es soweit; die Neuauflage von Kindlers Literatur Lexikon erscheint in 18 edel gebundenen Bänden mit sage und schreibe 13.000 Werkeinträgen. Das Ziel: Die Darstellung und Interpretation der wichtigsten literarischen Werke aller Zeiten, aller Regionen und aller Kulturen. Die Artikel der ersten (ab 1965) und der zweiten Auflage (ab 1988 erschienen) wurden überarbeitet, es kommen Kurzbiografien hinzu und natürlich werden jede Menge in der Zwischenzeit veröffentlichte Werke von literarischer Qualität besprochen, zum Beispiel die Songtexte von Björk und Bob Dylan. Schon die Leseproben zu Henning Mankell, Edgar Allan Poe und Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio lassen das Herz jedes Literaturfans höher schlagen. So viel gebündeltes Wissen hat aber seinen Preis: 1950,- Euro. Da ist dann der Puls auch ganz schnell wieder auf Normalniveau.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: mulliner

Alberto Manguel: Eine Geschichte des Lesens

Sonntag, 18. Januar 2009 13:39

1998 erschien “Eine Geschichte des Lesens” des bibliomanen Argentiniers Alberto Manguel zum ersten Mal auf Deutsch, im letzten Jahr brachte der S. Fischer Verlag das Buch in einer prächtigen illustrierten Neuauflage heraus. In mehr als 20 Kapiteln erforscht Manguel, der auch als Lektor, Dozent und Übersetzer arbeitet, die unterschiedlichsten Aspekte des Lesen. Vom Lesen lernen über die einsame Lektüre hin zu den Formen von Büchern oder verbotener Literatur - in jedem Abschnitt geht Manguel von meist mehreren historischen Begebenheit aus, zitiert aus alten Schriften und kommt dann schließlich zu allgemeingültigen Aussagen. Am interessantesten wird es, wenn der Autor aus seinem eigenen Leben erzählt, z.B. las er als Kind dem blinden Borges vor. Immer wieder bezieht sich Manguel auf Bilder oder Fotos, die leider nur im ersten Teil des Buches gleich daneben abgedruckt sind. Auf den letzten Seiten häufen sich Abbildungen, die nur noch im weitesten Sinne den Text illustrieren. Man merkt dem Buch an, dass der Autor jahrelang recherierte und so viele wirklich bemerkenswerte Anekdoten aus der Welt des Lesen sammelte. Allerdings trübt dies den Lesegenuss ein wenig. Man hat es hier eher mit einem umfassenden Wissenspeicher zu tun, in dem man bei Gelegenheit gern noch einmal nachliest, anstatt mit einem Roman, den man von vorn bis hinten durchschmökert. Wirklich gelungen ist das letzte Kapitel: Hier erzählt der Autor von einem Buch mit dem gleichen Thema, nur trägt es den Titel “Die Geschichte des Lesens”. Dann wird einem plötzlich klar, dass es so etwas wie eine abgeschlossene Geschichte des Lesens nie geben kann. Und schon blättert man wieder in den ersten Kapiteln und entdeckt Gedanken, die einem beim ersten Lesen entgangen sind, bekommt Lust auf Autoren, von denen man noch nie gehört hat.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: mulliner