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Zoot Woman: We won’t break

Mittwoch, 17. Juni 2009 14:09

Auch wenn das Musikvideo zu “We won’t break” von der britischen Elektro-Band Zoot Woman schon etwas älter ist, sollen an dieser Stelle die kunsthistorischen Zitate genauer unter die Lupe genommen werden. Schon die Fleet Foxes bedienten sich bei der Gestaltung ihres Plattencovers bei einem Gemälde Pieter Bruegels, genannt Bauern-Bruegel (mehr dazu hier). Für Zoot Woman gingen zwei Wiener Studenten einen Schritt weiter und nahmen gleich eine Handvoll Bruegel- und Bosch-Bilder und bastelten eine witzige Animation. Motto: Beim Sound von Zoot Woman können selbst 500 Jahre alte Phantasie-Figuren nicht stillhalten!

Es geht los mit Bruegels “De dulle Greet“. Hier (siehe Screenshot) hängt “Die tolle Grete” stark verkleinert an der Wand in der Mitte der oberen Reihe. Das über 1,60m breite Original befindet sich im Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen. Die verrückte Grete schwingt sich also aufs Fahrrad und brennt genauso durch wie schon einige andere Figuren vor ihr. Der gebückte, einen Wagen ziehende Alte stammt beispielsweise aus Hieronymus Boschs “Der Gaukler” (Musée municipal de Saint-Germain-en-Laye). Eine andere Gruppe ist unterdessen mit einem bunten VW-Bus unterwegs. Grete radelt durch Bruegels “Sturz des Ikarus” (Musees royaux des Beaux-Arts, Brüssel), in dem der pflügende Bauer im Vordergrund wohl gerade eine Pause macht. Prompt stürzt Grete Ikarus hinterher ins Wasser. Der Bus fährt in der Zwischenzeit durch die Wildnis hinter Boschs “Johannes der Täufer” (Prado, Madrid) und weiter durch das entvölkerte Bosch-Gemälde “Der büßende Heilige Hieronymus” (Königliches Museum, Gent), welches an der Wand rechts unter der Lampe hängt. Wo sind bloß die vielen Leute hin? Per Schiff und Ballon geht es durch Boschs berühmten “Garten der Lüste” (Prado, Madrid), welcher hier in gleich zwei Ausschnitten (oben rechts, unten links) an der Wand zu sehen ist. Und dann das große Finale: “Party like it’s 1542″ heißt es in Anlehnung an den Prince-Klassiker. Im Hintergrund die Stadtlandschaft von Boschs “Epiphanie-Tryptichon” (Prado, Madrid) und in der Mitte ein Babel-Turm aus einer von Bruegels vielen Darstellungen des Themas.
Ob für die beiden Regisseure Mirjam Baker und Mike Kren die Rechtefreiheit der Bilder der einzige Grund für die Wahl von Bosch und Bruegel gewesen ist, wie sie es beim ORF erzählen? Vielleicht wollten sie eher den schrägen, oft zwielichtigen, gruseligen Figuren endlich auch einmal etwas Spaß gönnen?!
Und jetzt noch einmal das komplette Video bei tape.tv!

Thema: Kunst | Kommentare (3) | Autor: Steffen

Keiko Sadakane. Paravento Regale. Museum für Asiatische Kunst Berlin

Mittwoch, 10. Juni 2009 15:22

Schon der Weg in die kleine Ausstellung mit drei Werken der Japanerin Keiko Sadakane (geb. 1948) ist nicht leicht zu finden. Aber die Suche nach dem Raum im ersten Obergeschoss des Museums für Asiatische Kunst lohnt sich. Denn in den anderen, besser ausgeschilderten Sonderausstellungen im Betonklotz der Museen Dahlem (”Tuchintarsien in Europa” und “Buddhas erbarmungsvolle Helfer“) wird der Intellekt des Betrachters wohl kaum so herausgefordert, wie bei einer Konfrontation mit den Objekten von Keiko Sadakane.

Im Mittelpunkt steht das Werk “Paravento Regale”; 33 quadratische, gold glänzende Messingtafeln, auf denen je ein japanischer, deutsch-österreichischer oder niederländischer Begriff zu lesen ist. Ausführung und Hängung erinnern an Objekte der Minimal Art. Doch wo dort auf nichts, als auf sich selbst verwiesen werden soll, öffnet sich hier ein regelrechtes Netzwerk an Verweisen. Kopien mit einem Glossar der verwendeten Begriffe helfen bei der Spurensuche: Calumbak z.B. ist die niederländische Bezeichnung für ein Aloeholz, das von den Ostindischen Inseln nach Japan importiert wurde, um daraus Räucherstäbchen herzustellen. De Liefde, niederländisch für Liebe, hieß das holländische Schiff, das 1600 in Japan strandete und dessen Kapitän es gelang, den 250 Jahre dauernden exklusiven Handelsvertrag zwischen Japan und Holland einzufädeln. Armillarsphäre, Pämäräntschen, Oliphant: Jedes der Worte hat viel Historie aufzuweisen und so entsteht schließlich ein weit verzweigtes Beziehungsgeflecht zwischen Ost und West.

Auch der Titel des Kunstwerks selbst hat Verweischarakter. Zum einen zitiert er Joseph Beuys’ letzte große Intallation “Palazzo Regale” und zum anderen wurde die Künstlerin durch den Fund eines japanischen Paravants aus dem 17. Jahrhundert im Barockschloss Eggenberg in Graz inspiriert. Auf diesem königlichen Wandschirm ist das Schloss Osaka zu sehen, in dem der einflussreiche Feldherr und Politiker Toyotomi Hideyoshi wohnte. Hideyoshi herrschte 33 Jahre - aus genauso vielen Teilen besteht der “Paravento Regale”. Dass diese Verweisdichte nur mit Zusatzinformationen (wie z.B. einem Aufsatz des Kurators Alexander Hofmanns auf der Homepage der Künstlerin) entschlüsselt werden kann, merkt man schnell bei den beiden anderen ausgestellten Objekten: “Pro Felix Augustus” (13 Porzellanteller) und “Dubitatio” (eine Holzpyramide mit Glasvitrinen) lassen Bezüge nur erahnen. Dass die angekündigte Porzellankanne aus Hohenzollernbesitz fehlt, ist schade. Als Gegenstück zu den zeitgenössischen Tellern hätte sie Anregungen auch für Uneingeweihte liefern können. Nur die wenigsten Besucher werden daheim nachrecherchieren. Doch sehenswert ist die kleine Ausstellung, die noch bis 30. August 2009 läuft, trotzdem.

Einen Dialog zwischen Ost und West gibt es bekanntlich auch in der Musik. Und so veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Ostasiatische Kunst passend zum Thema der Ausstellung am 9. Juli ein Konzert mit Stücken von Fukushima, Yun, Cage und Scelsi.

PS: Pämäräntschen ist Österreichisch für Orangen!

Thema: Kunst | Kommentare (3) | Autor: Steffen

Fleet Foxes und Pieter Bruegel d.Ä.

Mittwoch, 18. März 2009 8:38

Dieses Album war eins der besten des letzten Jahres überhaupt. Das Debüt der amerikanischen Band Fleet Foxes begeisterte mit seinen harmonischen Hippie-Klängen Kritiker UND Musikfans. Die Hülle ihrer CD zeigt einen Ausschnitt aus Pieter Bruegels (1525/30-1569) Gemälde “Die niederländischen Sprichwörter”, welches in der Berliner Gemäldegalerie hängt und über 100 Sprichwörter pointiert in Szene setzt. In dieser verkehrten Welt ist nichts so, wie es sein sollte. Eine Anspielung der Fleet Foxes auf unsere Zeit? In einem Interview geben die Jungs aus Seattle allerdings nur an, dass sie schon beim ersten Blick auf das Bild (bzw. die Reproduktion) intuitiv gespürt hätten, dass es zu ihner Musik passe. Wie kann man das am besten nachprüfen? Mit dem iPod in die Gemäldegalerie, die Fleet Foxes hören und das Original angucken!

Thema: Kunst | Kommentare (1) | Autor: mulliner