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Skin Fruit. New Museum New York

Montag, 15. März 2010 20:03

“Megas Dakis”, der große Dakis, heißt ein Portrait des griechischen Sammlers Dakis Joannou von Roberto Cuoghi. Auch wenn es nicht gerade prominent in der Ausstellung “Skin Fruit” im New Museum platziert ist, ist es doch eins der beiden Kunstwerke, mit denen sich am besten ein Einstieg in die Anfang März eröffnete Schau finden lässt. Dakis ist einer der weltweit einflussreichsten Sammler und Förderer zeitgenössischer Kunst und noch bis Ende Juni werden in New York Highlights seiner gewichtigen Athener Kollektion gezeigt.
Auf das zweite Kunstobjekt blickt man sofort, wenn sich die Fahrstuhltüren zum ersten großen Ausstellungsraum öffnen: Es ist “One Ball Total Equilibrium Tank”, Jeff Koons’ berühmter Basketball im Aquarium aus dem Jahr 1985. “Skin Fruit” mit Werken aus Dakis’ Sammlung wurde nämlich von keinem geringeren als Jeff Koons kuratiert. [...]

Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Kazuo Ishiguro: Nocturnes. Five Stories of Music and Nightfall

Montag, 19. Oktober 2009 13:56

Liebe, Musik, Vergänglichkeit. Der Autor des Klassikers “Was vom Tage übrigblieb” hat ein neues, vor kurzem auch in deutscher Sprache erschienenes Buch geschrieben (Titel der Übersetzung: “Bei Anbruch der Nacht“, Blessing Verlag). In den fünf Geschichten schildern unterschiedliche Menschen ihre mal mehr, mal weniger spektakulären Erfahrungen in Sachen Partnerschaft und Trennung. Eines haben sie alle gemeinsam: Musik spielt in ihren Leben eine große Rolle.
In der ersten Erzählung “Crooner” berichtet ein in Venedig arbeitender Gitarrist von der Begegnung mit einem ehemals großen amerikanischen Sänger. Als er gebeten wird, ein nächtliches Ständchen für die Ehefrau des Sängers zu geben, willigt er schnell ein. Erst auf den letzten Seiten der Geschichte kommen ihm und dem Leser Zweifel. Die Venedig-Reise des Sängers soll die langjährige Ehe nämlich nicht wiederbeleben, sondern beenden.
Eine ähnlich traurig-melancholische Endzeitstimmung herrscht auch in der zweiten und eindringlichsten Story. “Come rain or come shine” handelt erneut von einem Paar und einem Dritten. Diesmal ist es ein musikbesessener Englischlehrer. Er wird von einem alten Freund nach London geholt, um dessen Beziehung zu retten. Der hinterhältige Plan: Der Lehrer soll den deprimierten Looser spielen, so dass die Frau des Schulfreunds erkennt, was sie an ihrem Mann eigentlich hat. Eine Weile geht das auch gut. Doch dann kommt das Gespräch auf Musik, die alten amerikanischen Klassiker, dank derer sich der Lehrer und die Frau vor Jahren gut kennengelernt hatten…
Ein Saxophonist, ein Cello-Spieler, ein Singer-Songwriter und deren Erlebnisse sind die Helden der anderen Geschichten. Der Titel Nocturne deutet es schon an: Es ist der ganz eigentümliche Zusammenklang von Dämmerung, Nacht und Musik, den Ishiguro in seinen Geschichten zu treffen versucht. Zum großen Teil gelingt es ihm gut, diese träumerische, oft schwermütige Atmosphäre zu schildern. Hin und wieder allerdings, immer dann wenn es auf Pointen oder Höhepunkte zuläuft, drohen die Geschichten etwas banal zu werden. Solange er aber wie der Meister der Kurzgeschichte Raymond Carver alles in der Schwebe lässt, sind die fünf Storys wunderbare und anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Neue Literatursendung: “Die Vorleser”

Montag, 6. Juli 2009 11:37

Lange haben die deutschsprachigen Verleger darauf gewartet. Am Freitag ist es nun soweit, der Nachfolger von Elke Heidenreichs Literatursendung “Lesen!” startet im ZDF. Ob das Publikum die Empfehlungen von Amelie Fried und Iljoma Mangold genauso annehmen wird, wie Heidenreichs oft sehr subjektive Lektüreaufforderungen, bleibt allerdings abzuwarten. Mit den Büchern der ersten Sendung setzt man zuerst auf Altbewährtes: Per Olov Enquists “Ein anderes Leben” (Hanser) wurde im Frühling vom Feuilleton bereits ausführlich gewürdigt. Auch Joey Goebel (”Heartland”, Diogenes) ist kein Unbekannter. Doch irgendwie entsteht der Eindruck, dass man es allen recht machen wollte: Zwei bekannte Autoren und zwei Debüts, zwei Männer und zwei Frauen, ein Schwede, ein Engländer, eine Amerikanerin und eine Deutsche. Die zwei Debütromane sind Anna Katharine Hahns “Kürzere Tage” (Suhrkamp) und Alice Greenways “Weiße Geister” (Mare).
Wie bei Heidenreich wird es einen Gast geben, der ein Buch mitbringt. In der ersten Sendung ist es der Schauspieler Walter Sittler (”girl friends”, “Nikola”) mit Erich Kästners “Als ich ein kleiner Junge war”. So hofft man wohl, vor allem das ZDF-Stammpublikum anzusprechen. Mit so vielen gut gemeinten Kompromissen haben “Die Vorleser” gegen die einzig wahre Literatursendung im deutschen Fernsehen, Denis Schecks kompromissloses “Druckfrisch“, allerdings nicht den Hauch einer Chance. Aber wahrscheinlich die besseren Quoten. Und da freuen sich dann auch die Verleger.

Nachtrag 11.07.09: Wie erwartet lief die erste Sendung ohne große Überraschungen ab. Spannend wurde es lediglich bei der Meinungsverschiedenheit über Joey Goebels “Heartland”. In drei Extra-Tipps wies Mangold dann auch auf Sachbücher und den gefeierten Roman “Paradiso” von Thomas Klupp hin. Die Lösung auf das unvermeidliche Gewinnspiel (Welches Buch beginnt mit dem Satz?) ist natürlich “Der kleine Prinz” von Antoine de Saint-Exupéry. Nicht gerade knifflig/originell!
Zoe war übrigens live im Studio dabei. Ihren sehr schönen Bericht gibt es hier!

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

The Divine Comedy spielt Cricket

Dienstag, 30. Juni 2009 10:15

Ein ganz großes musikalisches Ereignis wirft seinen Schatten voraus: The Divine Comedy, also der irische Sänger, Komponist und Songschreiber Neil Hannon, hat zusammen mit Thomas Walsh von der Band Pugwash ein neues Album aufgenommen.
Nach Konzeptalben zum Beispiel über die Erlebnisse eines Liebespaars an der Küste (”Promenade”, 1994) oder Songs über heimliche Gothic-Fans (”The Happy Goth”, 2004) geht es in dem neuen Projekt um die englische Nationalsportart Cricket.
Daher auch der Name des Projekts: The Duckworth Lewis Method hilft bei Spielunterbrechungen, die zum Sieg benötigte Punktzahl der als zweites schlagenden Mannschaft zu berechnen, so Wikipedia. Doch auch wenn für Nicht-Briten das Thema reichlich seltsam ist, die Songs sind es absolut nicht! Stephen Fry twitterte schon “Magnif. Loving it much.”
Auf der mit Fakten rund um Cricket angereicherten Homepage der Band oder bei der Times kann man schon mal in das Album, was am 6. Juli erscheint, reinhören. Die erste Single “The Age of Revolution” ist bereits erhältlich.

Thema: Literatur | Kommentare (6) | Autor: Steffen

Goethe oder Klopstock? Die ZEIT-Leser-Edition

Freitag, 26. Juni 2009 12:56

Im inzwischen recht unübersichtlichen Markt der (meist von Zeitungsverlagen veröffentlichten) preisgünstigen Sondereditionen startete die ZEIT in dieser Woche eine neue Aktion. Bei der ZEIT-Leser-Edition kann jeder selbst mitbestimmen, welche 20 deutschsprachigen Literaturklassiker im Herbst als Teil der Reihe erscheinen. In vier Themenblöcken kann online und per Post aus je 25 Vorschlägen ausgewählt werden:

1. Aufklärung, Sturm und Drang, Weimarer Klassik,
2. Romantik, Biedermeier, Vormärz (ab 2.7.),
3. Realismus, Naturalismus, Fin de Siècle (ab 9.7.) und
4. Moderne, Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur (ab 16.7.).

Es gibt sogar die Möglichkeit, Werke vorzuschlagen, die nicht auf den Vorschlagslisten stehen. Die 20 Titel, der Logik nach also aus jedem Block die fünf Texte mit den meisten Stimmen, werden zur Frankfurter Buchmesse verkündet. Zu den Kandidaten der ersten Runde (1750-1799) gehören neben den üblichen Verdächtigen Lessing, Goethe, Schiller, Hölderlin auch “Exoten” wie Gottsched (”Der sterbende Cato”), Lenz (”Der Hofmeister”), Klopstock (”Oden” und “Messias”) und immerhin eine Frau (Sophie von La Roche). Bleibt abzuwarten, was sich die ZEIT-Leser lieber ins Regal stellen mögen, die unvermeidbaren Klassiker wie “Faust” und “Nathan der Weise” oder ob sie doch auf Bücher Lust haben, die man nicht seit der Schulzeit kennt. Mein persönlicher Favorit ist zum Glück aber auch dabei: “Anton Reiser” von Karl Philipp Moritz.

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Demnächst auf Deutsch: Unendlicher Spaß von David Foster Wallace

Freitag, 5. Juni 2009 8:00

Ende August ist es endlich soweit. Die deutsche Übersetzung von David Foster Wallace’ Meilenstein der jüngeren amerikanischen Literatur “Infinite Jest” erscheint bei Kiepenheuer & Witsch. Sechs Jahre hat Übersetzer Ulrich Blumenbach an “Unendlicher Spaß”, so der Titel, gearbeitet und knapp 1600 Seiten dick wird das Buch hierzulande sein. Im Interview erzählt Blumenbach von seiner oft schwierigen Arbeit und warum kein anderer der “notorischen Dickbuchübersetzer” den Auftrag angenommen hat. Der Roman war 1996 der Durchbruch für Wallace und wurde dank seiner ungeheuren Vielschichtigkeit schnell mit Werken von den Altmeistern der Postmoderne Pynchon, Gaddis und DeLillo verglichen. Doch der damit einsetzende Rummel um seine Person war Wallace zu viel. In einem sehr persönlichen Porträt im New Yorker wird ein Brief zitiert, in dem sich Wallace bei DeLillo beklagt. Vor allem die Reporter, die das Buch offensichtlich nicht gelesen hatten, ihn trotzdem interviewten und dann Artikel über den Hype schrieben (ohne zu verstehen, dass sie damit den Hype noch weiter anheizten), gingen ihm auf die Nerven. Vielleicht auch ein Grund, warum Wallace bis zu seinem Selbstmord im letzten Jahr keinen weiteren Roman vollendete. Als erste Einführung in das Opus Magnum sei an dieser Stelle nur auf Susannes Aufzählung der wichtigsten Figuren und auf eine Gruppe amerikanischer Blogger hingewiesen, die sich jeden Tag unter dem passenden Titel Infinite Summer ein paar Seiten des Romans vornehmen und kommentieren.

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Charlie Kaufman: Synecdoche, New York

Donnerstag, 4. Juni 2009 9:01

Ist das wirklich wahr, was das Österreichische Filmmuseum da auf seiner Homepage verkündet? “Synecdoche, New York”, der erste eigene Film des großartigen Charlie Kaufman (Drehbuchautor von “Beeing John Malkovich” und “Adaption”), wird nicht in österreichische und deutsche Kinos kommen? Und das obwohl der preisgekrönte Philip Seymour Hoffman (”Capote”) die Hauptrolle spielt? Wahrscheinlich hört sich die Handlung etwas zu verschroben an, um ein Massenpublikum zu erreichen: Ein depressiver Theatermann baut dank eines Stipediums in einer Lagerhalle die Stadt New York eins zu eins nach und hat dort vor, das Leben an sich nachzudrehen. (Mehr zum Inhalt sehr kenntnisreich beim Filmblog Kein Blut, Rot!) Kann man also nur hoffen, dass die DVD bald erscheint!

PS: Eine Synekdoche bezeichnet das Ersetzen eines Begriffs durch einen engeren oder weiteren  Begriff aus dem selben Feld.

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Nominiert für den Grimme Online Award: VolksLesen.tv

Samstag, 23. Mai 2009 10:44

Hier lesen SPD-Fraktionsmitglieder aus Patrick Süskind, Professoren aus dem Kommunistischen Manifest und Steuerberater aus Judith Hermann. Jede Woche präsentieren vier Menschen aus den unterschiedlichsten Gruppen der Gesellschaft auf VolksLesen.tv ein paar Absätze aus Büchern, die ihnen viel bedeuten. Anders als das ähnliche zehnseiten.de (mehr darüber hier) besticht VolksLesen durch die subjektive Textauswahl, durch den heimeligen Auftritt und natürlich durch die sympathischen Leser, die nicht so oft vor der Kamera stehen (wie z.B. Helga aus Berlin). Also Daumen drücken für den Grimme Online Award und bei TV Spielfilm für den Publikumspreis abstimmen!

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Star Trek und die Philosophie

Dienstag, 19. Mai 2009 10:03

Die philosophischen Dimensionen einer Star Trek-Episode hat ja schon Richard David Precht in seinem Buch “Wer bin ich und wenn ja, wie viele?” untersucht. (”Mr. Spock liebt. Was sind Gefühle?”) Im letzten Jahr erschien mit “Star Trek and Philosophy. The Wrath of Kant” in den USA ein ganzes Buch, dass sich den philosophischen Hintergründen der Fernsehserie widmet. Laut Verlag liegt die Gemeinsamkeit zwischen der Serie und der Philosophie  in dem Austesten von Ideen mit dem Ziel, unsere Zukunft stufenweise zu verbessern. Sage und schreibe 21 große Denker, von Wittgenstein bis Nietzsche, ziehen die beiden Autoren, Philosophie-Professoren in Washington und Indiana, heran. Dass solche Bücher auch auf dem Markt bestehen, zeigt die breite Produktpalette des Verlags: Seinfeld, Buffy, James Bond, Radiohead und natürlich die Simpsons wurden bereits philosophisch gedeutet.

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Brötchenwatte

Sonntag, 17. Mai 2009 9:08

Wie nennt man eigentlich das Innere eines Brötchens? Bei dem vor kurzem zu Ende gegangenen 3sat-Wettbewerb “Uns fehlen die Worte” wurde dazu aufgerufen, die weißen Flecken im deutschen Wortschatz kreativ und eindeutig zu füllen. Aus mehr als 1000 Einsendungen wurden 70 neue Worte ausgewählt, die zusammen mit Texten der Jurymitglieder (u.a. Axel Hacke, Kathrin Passig, Rafik Schami und Feridun Zaimoglu) jetzt bei dtv veröffentlicht werden. Neben der Brötchenwatte haben Regenwürze (Geruch nach einem Sommerregen), balzwund (jemand, der unter Liebeskummer leidet) und nörrisch (ein nörgeliger und mürrischer Mensch) den Beifall der Jury gefunden. So schön kann die deutsche Sprache sein!

Thema: Literatur | Kommentare (1) | Autor: Steffen