Tag-Archiv für » László Moholy-Nagy «

Modell Bauhaus. Martin-Gropius-Bau Berlin

Mittwoch, 19. August 2009 17:15

Diese Ausstellung ist vor allem eins: riesig! Das komplette Erdgeschoss des Martin-Gropius-Bau, dem ehemaligen Berliner Kunstgewerbemuseum, ist regelrecht vollgestellt mit etwa 1000 Bauhaus-Objekten. Selbst im Lichthof gibt es kein Entrinnen: Dort holt die Amerikanerin Christine Hill mit ihrer witzigen Mitmach-Installation “Do-It-Yourself Bauhaus” den Mythos in die Gegenwart. 90 Jahre nach Gründung des Bauhauses in Weimar veranstalten die drei großen Institute (Stiftung Bauhaus Dessau, Klassik Stiftung Weimar, Bauhaus-Archiv Berlin) gemeinsam die bislang größte Ausstellung zum Thema.
Gemälde, Fotos, Modelle, Skizzen, Entwürfe, Drucke, Bücher, Möbel, Kunstgewerbe, ja sogar originale Architekturteile (z.B. Fenster und Türen aus einem Dessauer Reihenhaus von Walter Gropius) oder Kleidung (Grete Reichardts Bauhaus-Kleid von 1928) - Objekte aus allen nur möglichen Bereichen erweitern den sonst üblichen Schwerpunkt auf Architektur und Inneneinrichtung. Mit so vielen unterschiedlichen Kunstwerken - groß oder klein, flach oder sperrig, fragil oder robust - muss die Ausstellungsarchitektur erst einmal fertig werden. Am Anfang wirkt das noch chaotisch und vollgestopft: Gleich im zweiten Teil, “Impulse aus der Kunst”, verstellen etliche kleine, von beiden Seiten behangende Stellwände den Raum und schon bei mehr als 20 Besuchern beginnt ein Hin- und Herschlängeln um die Kunstwerke. Dabei verpasst man schnell so tolle Arbeiten wie Kandinskys “Kleine Welten”.
Doch spätestens nach der Hälfte der Ausstellung überzeugt die eigens (ein-)gebaute Architektur der Berliner Firma kubix - vielleicht auch weil viele ältere Ausstellungsbesucher inzwischen schlapp gemacht haben und nicht mehr jedes Stück blockieren. Im zehnten Raum (von insgesamt 18) steht der komplizierte Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy hinter transparenten Wänden und wird von bunten Scheinwerfern angestrahlt. Wenn sich diese wohl früheste kinetische Plastik (mehr zu moderner kinetischer Kunst hier) zu drehen beginnt und im dunklen Raum ein wunderbares Lichtspiel verursacht, wird zum ersten Mal richtig klar, was die Bauhaus-Leute mit Einheit von Kunst und Technik meinten.
Und so ist die Ausstellung etwas für Bauhaus-Kenner UND -Einsteiger. Die einen freuen sich über ein Wiedersehen mit Marcel Breuers Clubsessel, Mies van der Rohes Entwurf für den Pavillon in Barcelona 1928, seine Hochhaus-Entwürfe für die Berliner Friedrichstraße oder über die Gemälde von Lyonel Feininger. Die anderen staunen über hochkarätige Leihgaben aus dem New Yorker MoMA (Werke von Malewitsch und Mondrian im Raum “Wechselwirkungen”). Und doch gibt es noch so viel selten Gezeigtes, wie Marcel Breuers “Afrikanischer Stuhl” oder das originale Fensterelement aus dem Faguswerk in Alfeld von Gropius und Meyer. Schließlich ist nicht nur der Einsteiger überrascht über Breite und Vielfalt des Bauhauses!
Modell Bauhaus ist noch bis 4. Oktober geöffnet.

Thema: Architektur, Kunst | Kommentare (1) | Autor: Steffen

Romantische Maschinen. Georg-Kolbe-Museum Berlin

Dienstag, 21. Juli 2009 11:45

Georg Kolbe Museum Romantische MaschinenGleich zum Auftakt ein Highlight: Im Video “Der Lauf der Dinge” von Peter Fischli und David Weiß rattert, knallt und zischt eine phantasievolle Kettenreaktion fast eine halbe Stunde lang allein vor sich hin, ohne dass man eine helfende Menschenhand zu Gesicht bekommt. Das Publikum ist begeistert und jetzt bestens vorbereitet auf den Rest der kleinen Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum. Der Film aus dem Jahr 1987, übrigens ein Publikumsmagnet auf der documenta 8, ist das älteste präsentierte Werk, alle anderen Beispiele kinetischer Kunst sind erst in den letzten Jahren entstanden.
Überhaupt ist kinetische Kunst, verkürzt zusammengefasst also Kunst aus sich bewegenden oder bewegbaren Objekten, noch eine sehr junge Richtung. Zwar gab es mit Automaten schon seit der Antike Vorstufen, doch erst im 20. Jahrhundert experimentierten Künstler wie Marcel Duchamp, László Moholy-Nagy oder Alexander Calder ausführlich mit Zeit, Veränderung, Zufall und Bewegung als Gestaltungsprinzipien. Doch auch wer die verrückten Maschinen-Skulpturen von Jean Tinguely, dem berühmtesten Kinetiker, nicht kennt, wird an der Berliner Ausstellung seine Freude haben!
Ob die sich aneinander reibenden (oder miteinander tanzenden) leeren Blätter von Ariel Schlesinger, Robert Bartas unermüdlich vorwärtsratternde Spielzeuglock (während sich die Schienen entgegengesetzt drehen) oder Johanna Smiateks Spiegel, der bei Herantreten anfängt zu vibrieren - hier passiert etwas und der Betrachter muss sich damit auseinandersetzen. Der Ausstellungstitel hat es ja angekündigt, es soll hier vor allem um die poetischen Dimensionen kinetischer Kunst gehen. Und auch wenn die üblichen Referenzen an die Kunstgeschichte (Michael Elmgreen und Ingar Dragset lassen berühmte Skulpturen ein Theaterstück aufführen) nicht fehlen, sind es vor allem die ganz simplen Installationen, die das Romantische der Maschinen besonders gut zeigen. Zilvinas Kempinas “O2″ besteht aus einem Ventilator und einem geschlossenen Magnetband, das vom Wind davon abgehalten wird, auf den Boden zu fallen und sich in unregelmäßigen Bewegungen dreht. Das ist (fast) so schön wie auf der Wiese liegen und in die Wolken gucken.
Noch bis zum 6. September ist die Ausstellung zu sehen und mit dem Video bei art-in-berlin kann man sich schon einmal einen Eindruck verschaffen.

Thema: Kunst | Kommentare (7) | Autor: Steffen