Samstag, 9. Mai 2009 9:04

“Die Kunst der Interpretation. Italienische Reproduktionsgraphik von Mategna bis Carracci” - Das hört sich im Titel zwar trocken und arg wissenschaftlich an, ist vor Ort, im Berliner Kupferstichkabinett am Kulturforum aber eine durchaus sehenswerte Ausstellung. Es geht um italienische Kupferstecher, die die neue Technik nicht mehr nur für eigene Erfindungen, sondern immer mehr auch dazu nutzen, Werke anderer Künstler, zumeist Zeichnungen, später auch Malerei und Skulptur, ins neue Medium zu übertragen. Dabei bleiben sie mal ganz genau an der Vorlage, mal interpretieren sie eher frei. In der Ausstellung hängen daher folgerichtig oft mehrere Blätter aus einem Zusammenhang (im Idealfall Zeichnung und dazugehöriger Kupferstich) nebeneinander und der Besucher übt sich im Suchen der Unterschiede. Allerdings - und dies ein Vorwurf, den man leider so vielen Ausstellungen machen kann - bei etwa 90 ausgestellten Werken fällt durchweg konzentriertes Sehen schwer. Weniger wäre auch hier mehr gewesen! Zu jedem Stück gibt es einen erläuternden Text, der sich allerdings nicht auf die dargestellten Inhalte, sondern auf Zusammenhänge zu den Vorlagen, bzw. Interpretationen bezieht. Ikonographisches Wissen wird beim Besucher genauso vorausgesetzt, wie Kenntnisse in Sachen Technik. Wer wissen will, worin sich Holzschnitt, Kupferstich, Radierung oder Chiaroscuro-Holzschnitt voneinander unterscheiden, der kann zum Glück in den Vitrinen im Foyer noch einmal nachlesen. Wer sich von all dies nicht abschrecken lässt, erfreut sich an einigen selten gezeigten Grafiken. Sei es Ugo da Carpis “Hieronymus” nach Tizian (über den sich mehr in Werner Buschs Buch “Das unklassische Bild” erfahren lässt) oder Agostino Venezianos “Hexenritt” nach Raffael - diese Kunstwerke können auch den beeindrucken, der kein Wissenschaftler ist.