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Christopher Dell (Hrsg.): Das Geheimnis der Meisterwerke. Was große Kunst auszeichnet.

Sonntag, 22. Mai 2011 13:16

Jeder Kunstinteressierte kennt das ja: Entweder sind die Reproduktionen von Kunstwerken in einem Katalog, einer Monographie oder einem Sammelband gut und dann taugt der Text nichts. Oder umgekehrt fehlen bei einem guten Text Fotografien der besprochenen Werke in angemessener Qualität. Eine der wenigen Ausnahmen ist das vor kurzem bei Dumont erschienene, vom Kunsthistoriker Christopher Dell herausgegebene Buch “Das Geheimnis der Meisterwerke. Was große Kunst auszeichnet.”
Zugegeben, der deutsche Titel des 2010 bei Thames & Hudson erstmals veröffentlichten Bandes ist recht plakativ. Im Englischen heißt es offener: “What Makes a Masterpiece? Encounters with Great Works of Art.” Wer die Einleitung des Herausgebers liest, bekommt auch schnell mit, dass es hier auf gar keinen Fall um einen verbindlichen Kanon der Meisterwerke geht. Über 50 Autoren unterschiedlicher Herkunft stellen in über 80 kurzen, hervorragend illustrierten und chronologisch geordneten Kurzessays Höhepunkte der Kunstgeschichte vor. Auf Donatellos “David” (um 1440) folgt ein etwa gleichzeitig entstandener Aztekischer Adlerritter eines unbekannten Künstlers oder auf Giottos Fresken für die Scrovegni-Kapelle in Padua (ab 1303) die Beschreibung des “Wasser-Mond Avalokiteshvara”, einer riesigen koreanischen Seidenmalerei. Auch wenn es im Verhältnis wenige außereuropäische Beispiele sind, so wird doch der Blick über den Tellerrand gewagt - mit großem Erkenntnisgewinn für uns Leser!
Natürlich dürfen bei so einem Kunstband die “üblichen Verdächtigen” nicht fehlen: Leonardo, van Gogh, Rubens, Rembrandt, Turner, Manet, Monet, Vermeer - sie sind alle wieder mit dabei. Doch ein besonders kluger Schachzug ist die Auswahl der Autoren. Es schreiben viele Wissenschaftler, anerkannte Professoren und Experten ihres Fachs aber eben auch Künstler wie Anthony Caro (über Rodin) oder Grayson Perry (über Bosch). Sie alle sind gezwungen uns auf einer bis höchstens drei Seiten das Meisterhafte “ihres” Kunstwerks zu erläutern. Und da die Literatur zu berühmten Werken wie die “Mona Lisa” sicher hunderte Regalmeter (oder Megabyte) einnimmt, sind viele der präganten, aussagefähigen Texte selbst kleine Meisterwerke. Die Texte der deutschen Autoren fallen natürlich besonders ins Auge und gehören zu den Höhepunkten des über 300 Seiten dicken Buchs: Stephan Kemperdick schreibt über Bruegel, Martin Kemp über Leonardo, Werner Busch über Caspar David Friedrich.
“Das Geheimnis der Meisterwerke” gehört nicht zu den schnell auf den Markt geworfenen, billig produzierten Bilderbüchern zur Kunstgeschichte. Gut gebunden, im handlichen Format, mit hervorragenden Abbildungen und größtenteils erstklassigen Texten ist der Band eine Empfehlung für jeden Kunstfan!

“Das Geheimnis der Meisterwerke. Was große Kunst auszeichnet.”
Christopher Dell (Hg.)
304 Seiten, mit 265 farbigen und 20 einfarbigen Abb.
H 27 x B 20 Hardcover
EUR 39,99 [D] / 56,90 sFr.
ISBN 978-3-8321-9364-5

Thema: Kunst, Literatur | Kommentare (1) | Autor: Steffen

Zoot Woman: We won’t break

Mittwoch, 17. Juni 2009 14:09

Auch wenn das Musikvideo zu “We won’t break” von der britischen Elektro-Band Zoot Woman schon etwas älter ist, sollen an dieser Stelle die kunsthistorischen Zitate genauer unter die Lupe genommen werden. Schon die Fleet Foxes bedienten sich bei der Gestaltung ihres Plattencovers bei einem Gemälde Pieter Bruegels, genannt Bauern-Bruegel (mehr dazu hier). Für Zoot Woman gingen zwei Wiener Studenten einen Schritt weiter und nahmen gleich eine Handvoll Bruegel- und Bosch-Bilder und bastelten eine witzige Animation. Motto: Beim Sound von Zoot Woman können selbst 500 Jahre alte Phantasie-Figuren nicht stillhalten!

Es geht los mit Bruegels “De dulle Greet“. Hier (siehe Screenshot) hängt “Die tolle Grete” stark verkleinert an der Wand in der Mitte der oberen Reihe. Das über 1,60m breite Original befindet sich im Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen. Die verrückte Grete schwingt sich also aufs Fahrrad und brennt genauso durch wie schon einige andere Figuren vor ihr. Der gebückte, einen Wagen ziehende Alte stammt beispielsweise aus Hieronymus Boschs “Der Gaukler” (Musée municipal de Saint-Germain-en-Laye). Eine andere Gruppe ist unterdessen mit einem bunten VW-Bus unterwegs. Grete radelt durch Bruegels “Sturz des Ikarus” (Musees royaux des Beaux-Arts, Brüssel), in dem der pflügende Bauer im Vordergrund wohl gerade eine Pause macht. Prompt stürzt Grete Ikarus hinterher ins Wasser. Der Bus fährt in der Zwischenzeit durch die Wildnis hinter Boschs “Johannes der Täufer” (Prado, Madrid) und weiter durch das entvölkerte Bosch-Gemälde “Der büßende Heilige Hieronymus” (Königliches Museum, Gent), welches an der Wand rechts unter der Lampe hängt. Wo sind bloß die vielen Leute hin? Per Schiff und Ballon geht es durch Boschs berühmten “Garten der Lüste” (Prado, Madrid), welcher hier in gleich zwei Ausschnitten (oben rechts, unten links) an der Wand zu sehen ist. Und dann das große Finale: “Party like it’s 1542″ heißt es in Anlehnung an den Prince-Klassiker. Im Hintergrund die Stadtlandschaft von Boschs “Epiphanie-Tryptichon” (Prado, Madrid) und in der Mitte ein Babel-Turm aus einer von Bruegels vielen Darstellungen des Themas.
Ob für die beiden Regisseure Mirjam Baker und Mike Kren die Rechtefreiheit der Bilder der einzige Grund für die Wahl von Bosch und Bruegel gewesen ist, wie sie es beim ORF erzählen? Vielleicht wollten sie eher den schrägen, oft zwielichtigen, gruseligen Figuren endlich auch einmal etwas Spaß gönnen?!
Und jetzt noch einmal das komplette Video bei tape.tv!

Thema: Kunst | Kommentare (3) | Autor: Steffen