Tag-Archiv für » Grossbritannien «

Helene Hanff: Die Herzogin der Bloomsbury Street. Eine Amerikanerin in London

Dienstag, 12. Mai 2009 8:23

Das muss man sich mal vorstellen: Mehr als 20 Jahre hatte die Drehbuchautorin Helene Hanff in New York darauf gewartet, endlich einmal nach London zu reisen. Erst als ihr Briefwechsel mit einem Londoner Antiquariat in den USA und bald darauf auch im Vereinigten Königreich veröffentlicht wurde und endlich etwas Geld brachte, hat es dann geklappt. Das Buch “84, Charing Cross Road” wurde ein großer Erfolg; nur leider erlebte ihr Briefpartner in London, der Antiquar Frank Doel, dies alles nicht mehr. In “Die Herzogin der Bloomsbury Street”, einem Tagebuch ihres London-Aufenthalts, schreibt Helene Hanff von ihren Eindrücken und Erlebnissen. Sie wohnt stilecht im Literaten-Viertel Bloomsbury und wird von den englischen Lesern ihres Buches regelrecht verehrt, erhält ständig Fanpost und Einladungen. Vom Treffen mit Franks Familie über Ausflüge nach Oxford, Porträtsitzungen im Park bis hin zu Presseterminen und Autogrammstunden - Helene Hanff berichtet aufmerksam, klug und witzig von all dem, was ihr passiert. Ihr erstes Buch war eine Liebeserklärung an die Literatur - ihr zweites ist eine Liebeserklärung an London!

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Helene Hanff: 84 Charing Cross Road. Eine Freundschaft in Briefen

Dienstag, 5. Mai 2009 8:58

Eine lesesüchtige New Yorker Schriftstellerin entdeckt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine Anzeige des Londoner Antiquariats Marks & Co, Charing Cross Road Nr. 84, und schickt sofort eine Liste mit ihren “dringendsten Problemen” nach England. Schon ein paar Wochen später haben die Londoner Profis fast alle bestellten Bücher gefunden und Helene Hanff schreibt den nächsten Brief. Was als nüchterne Geschäftskorrespondenz (Umrechnungskurse, Verrechnungen usw.) anfängt, wird schnell zu einem äußerst kurzweiligen Briefwechsel über Bücher, Literatur und den Alltag in einer entbehrungsreichen Zeit. Frank Doel, der anfangs zurückhaltende Londoner Antiquar, erzählt von fehlenden Eiern, rationiertem Fleisch und der Mangelware Strumpfhosen. Helene in New York, die sich mit Aufträgen für Drehbücher über Wasser hält, hilft sofort und lässt aus Dänemark das Nötigste nach England schicken. Über die Jahre freunden sich die beiden an, Helene wird schnell die Heldin des gesamten Geschäfts. Da aber auch sie stets knapp bei Kasse ist, kann sie erst viele Jahre später nach London fliegen. 1970 erschien der Briefwechsel als Buch und wurde zum Bestseller in der englischsprachigen Welt. In Deutschland wurde “84 Charing Cross Road” erst 2002 veröffentlicht. Dank Helenes manchmal schnodderigen aber immer warmherzigen Sprüchen ist es ein wunderbarer Roman über Literatur und Freundschaft! 1987 wurde er mit Anne Bancroft und Anthony Hopkins verfilmt (“Zwischen den Zeilen”). Und für alle, die wissen wollen, was Helene so liest, listet Wikipedia sogar alle erwähnten Bücher auf.

Thema: Literatur | Kommentare (4) | Autor: Steffen

Literaturmagazine aus aller Welt: Granta

Mittwoch, 18. Februar 2009 15:09

Schon Ende des 19. Jahrhunderts gründeten Studenten in Cambridge ein Magazin namens Granta. Mit einem Relaunch 1979 haben sich die Herausgeber vorgenommen, das Profil des dicken Hefts unter dem Motto “new writing” zu schärfen. Die unterschiedlichen belletristischen Texte, die Reportagen und die Fotografien haben stets ein gemeinsames Thema. Ältere Ausgaben drehten sich bereits um Tod, Afrika oder Film; im Januar erschien “Fathers”. Einige Höhepunkte der aktuellen Ausgabe, zum Beispiel Jonathan Lethems Text über seinen Vater, gibt es auch online. International bekannte Autoren, wie diesmal Siri Hustvedt oder Will Self, machen das Heft zu einem Tipp auch für Nicht-Engländer. Besonders berühmt ist Grantas unregelmäßige Wahl der “Best Young British Novelists”. 1983 wurden u.a. Ian McEwan, Julian Barnes und Martin Amis gekürt - heute allesamt große britische Autoren!

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: mulliner

P.G. Wodehouse: In alter Frische

Sonntag, 8. Februar 2009 11:49

Ashe Marson, Autor von Detektivromanen, wird vom amerikanischen Millionär J. Preston Peters angeheuert, einen wertvollen Skarabäus wiederzubeschaffen. Der trottelige Clarence Threepwood, Graf von Emsworth, dessen Sohn Freddie vorhat Aline, die Tochter von Peters, zu heiraten, steckte sich den ägyptischen Käferstein in die Tasche und stellt ihn jetzt in seinem Privatmuseum auf Schloß Blandings aus. Joan Valentine, eine alte Schulfreundin von Aline, ist genau wie Ashe scharf auf die von Peters versprochene Belohnung. Doch Rupert Baxter, der clevere Sekretär des Grafen und R. Jones, ein dicker und geldgieriger Buchmacher sorgen für Komplikationen. Klingt verwirrend? Ist es aber kein bisschen und auch wenn noch dramatische Verwicklungen in Sachen Liebe, familiäre und Magenprobleme hinzukommen, “In alter Frische” ist ein so unglaublich unterhaltsamer und clever-witziger Roman, dass man ihn am liebsten gleich noch einmal lesen würde. Gleichzeitig ist er der Einstieg in die Blandings-Saga, die Wodehouse noch mit einigen Kurzgeschichten und Romanen fortsetzte. Kann man sich also nur wünschen, dass sich Übersetzer Thomas Schlachter noch jede Menge der in Deutschland wenig bekannten, in Großbritannien enorm populären Wodehouse-Geschichten vornimmt!

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: mulliner

1000 Romane, die jeder gelesen haben sollte…

Donnerstag, 22. Januar 2009 16:54

… so der Titel einer derzeit auf der Homepage des britischen Guardian erscheinenden ultimativen Leseliste. Auf den ersten Blick eine dieser sinnlosen und reißerischen Kanon-Aktionen, verbirgt sich hier jedoch ein ziemlich interessanter Roman-Führer. Man hat klugerweise keine Top-Listen erstellt, sondern die Romane in sieben Themengruppen geordnet: Liebe (von “Emma” bis “Lolita”), Krimi (von “Schuld und Sühne” bis “Der ewige Gärtner”) , Komödie (von “Molloy” bis “Bridget Jones’”), Familie (von “Mrs. Dalloway” bis “Die stolzen Ambersons”), Nation (von “Bleak House” bis “1999″), Science Fiction (von “Alice im Wonderland” bis “Herr der Ringe”) und Krieg (von “Herz der Finsternis” bis “Enden der Parabel”). Natürlich wurden hauptsächlich englische Autoren ausgesucht, was die Sammlung umso interessanter macht, da jede Menge in Deutschland unbekannte Namen darunter sind. Oder hat hierzulande schon mal jemand was von Booth Tarkington (”The Magnificent Ambersons”) gehört?

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: mulliner

Stubenfliegen und Knollennasen. Videokunst bei UbuWeb

Dienstag, 20. Januar 2009 19:21

Schon seit 1996 sammelt UbuWeb Kunst im Netz. Von Dada-Gedichten über Klangcollagen und längeren Texten bis hin zu Podcasts - schon allein die Gattungen lassen sich schwer zusammenfassen. Besondere Highlights finden sich aber in der Filmabteilung. Völlig frei zugänglich kann man entweder eine BBC-Dokumentation über den englischen Maler Francis Bacon (1909-1992) schauen, eine Stubenfliege dabei beobachten, wie sie der quietschenden Yoko Ono (geb. 1933) auf der nackten Haut rumkrabbelt oder über Paul McCarthys (geb. 1945) durchgeknallte (nicht immer jugendfreie) Comic-Variante eines knollennasigen Künstlerlebens staunen.

Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: mulliner