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James Hamilton-Paterson: Kochen mit Fernet-Branca

Mittwoch, 19. Mai 2010 19:04

Nein. Das ist kein Kochbuch. Zwar finden sich in “Kochen mit Fernet-Branca” tatsächlich einige Rezepte, doch wer würde so etwas wie Fischkuchen, Alien Pie (inkl. 1 kg geräucherter Katze) oder Fischotter mit Langustensauce wirklich nachkochen? Stattdessen liefert der Brite Hamilton-Peterson mit seinem amüsant-verrückten Roman eine Mischung aus Thriller und Kulturbetriebs-Satire. mehr

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Kazuo Ishiguro: Nocturnes. Five Stories of Music and Nightfall

Montag, 19. Oktober 2009 13:56

Liebe, Musik, Vergänglichkeit. Der Autor des Klassikers “Was vom Tage übrigblieb” hat ein neues, vor kurzem auch in deutscher Sprache erschienenes Buch geschrieben (Titel der Übersetzung: “Bei Anbruch der Nacht“, Blessing Verlag). In den fünf Geschichten schildern unterschiedliche Menschen ihre mal mehr, mal weniger spektakulären Erfahrungen in Sachen Partnerschaft und Trennung. Eines haben sie alle gemeinsam: Musik spielt in ihren Leben eine große Rolle.
In der ersten Erzählung “Crooner” berichtet ein in Venedig arbeitender Gitarrist von der Begegnung mit einem ehemals großen amerikanischen Sänger. Als er gebeten wird, ein nächtliches Ständchen für die Ehefrau des Sängers zu geben, willigt er schnell ein. Erst auf den letzten Seiten der Geschichte kommen ihm und dem Leser Zweifel. Die Venedig-Reise des Sängers soll die langjährige Ehe nämlich nicht wiederbeleben, sondern beenden.
Eine ähnlich traurig-melancholische Endzeitstimmung herrscht auch in der zweiten und eindringlichsten Story. “Come rain or come shine” handelt erneut von einem Paar und einem Dritten. Diesmal ist es ein musikbesessener Englischlehrer. Er wird von einem alten Freund nach London geholt, um dessen Beziehung zu retten. Der hinterhältige Plan: Der Lehrer soll den deprimierten Looser spielen, so dass die Frau des Schulfreunds erkennt, was sie an ihrem Mann eigentlich hat. Eine Weile geht das auch gut. Doch dann kommt das Gespräch auf Musik, die alten amerikanischen Klassiker, dank derer sich der Lehrer und die Frau vor Jahren gut kennengelernt hatten…
Ein Saxophonist, ein Cello-Spieler, ein Singer-Songwriter und deren Erlebnisse sind die Helden der anderen Geschichten. Der Titel Nocturne deutet es schon an: Es ist der ganz eigentümliche Zusammenklang von Dämmerung, Nacht und Musik, den Ishiguro in seinen Geschichten zu treffen versucht. Zum großen Teil gelingt es ihm gut, diese träumerische, oft schwermütige Atmosphäre zu schildern. Hin und wieder allerdings, immer dann wenn es auf Pointen oder Höhepunkte zuläuft, drohen die Geschichten etwas banal zu werden. Solange er aber wie der Meister der Kurzgeschichte Raymond Carver alles in der Schwebe lässt, sind die fünf Storys wunderbare und anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Tom McCarthy: 8 1/2 Millionen

Montag, 24. August 2009 10:02

Da bekommt der Held als Entschädigung für einen nicht von ihm verursachten Unfall genau 8 1/2 Millionen Pfund gezahlt und dann das. Anstatt sich lang gehegte Träume zu erfüllen, zum Beispiel das triste London gegen eine Südseeinsel einzutauschen, geht er - auf den ersten Blick - ziemlich verrückten Ideen nach, widmet sich dem “Nachspielen” von Visionen und tatsächlich erlebten, meist zufälligen Begebenheiten. Sein Ziel ist es, endlich wieder “echt” zu sein. Denn der Unfall hat wohl einiges in seinem Kopf durcheinandergebracht.
Eigentlich ist es unmöglich Tom McCarthys Roman “8 1/2 Millionen” (erschienen bei diaphanes) kurz zusammenzufassen. Viel zu schnell hört sich alles verschroben und schräg an, was in der langen Version logisch und konsequent scheint. Schritt für Schritt erzählt der Held von seiner Genesung, wie er sein Geld schnell durch Aktienspekulation vermehrt und wie er auf der Suche nach sich selbst auf die Idee kommt, Zeit quasi anzuhalten und in immer größeren Projekten Ereignisse nachspielt. Er bemerkt, dass ihm nach dem Unfall eigentlich lang Vergessenes wieder einfällt und so ist es Anfangs eine Suche nach der eigenen Vergangenheit. Er baut sich die erste Vision bis in kleinste Einzelheiten nach - ein Klavierspieler übt tagelang Rachmaninow, die Frau in der Wohnung unter ihm brät tonnenweise Leber, weil er sich an den Geruch erinnert. Gedächtnislücken kennzeichnet er weiss: Eine andere Frau, an dessen Gesicht er sich nicht erinnert, trägt eine Maske.
Immer und immer wieder lässt er kleinste Bewegungen wiederholen. Gelungen ist alles erst dann, wenn er ein Kribbeln in der Wirbelsäule spürt. Später driftet er regelrecht weg, fällt in Trance. Und natürlich kommt eins zum anderen. Erst das Haus, dann eine Autowerkstatt, ein Mord auf offener Straße, dann ein Banküberfall: Alles wird nachgebaut, etliche Menschen spielen die Realität nach - auch wenn der Erzähler gerade nicht vor Ort ist. In einer weiteren Vision wird das Nachgespielte dann wiederum in die Realität gesetzt. Und in einem großen Finale fallen beide Ebenen wieder zusammen.
So etwas wie “8 1/2 Millionen” gibt es selten: ein Roman mit Spannung und philosophischem Tiefgang gleichzeitig. Wie der Held kann man sich schnell in Gedankenschleifen verlieren und dann ist alles so, wie in dem oft zitierten Song von den Propellerheads: “… and I’ve seen it before, and I’ll see it again, yes I’ve seen it before, just little bits of history repeating”.

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The Divine Comedy spielt Cricket

Dienstag, 30. Juni 2009 10:15

Ein ganz großes musikalisches Ereignis wirft seinen Schatten voraus: The Divine Comedy, also der irische Sänger, Komponist und Songschreiber Neil Hannon, hat zusammen mit Thomas Walsh von der Band Pugwash ein neues Album aufgenommen.
Nach Konzeptalben zum Beispiel über die Erlebnisse eines Liebespaars an der Küste (”Promenade”, 1994) oder Songs über heimliche Gothic-Fans (”The Happy Goth”, 2004) geht es in dem neuen Projekt um die englische Nationalsportart Cricket.
Daher auch der Name des Projekts: The Duckworth Lewis Method hilft bei Spielunterbrechungen, die zum Sieg benötigte Punktzahl der als zweites schlagenden Mannschaft zu berechnen, so Wikipedia. Doch auch wenn für Nicht-Briten das Thema reichlich seltsam ist, die Songs sind es absolut nicht! Stephen Fry twitterte schon “Magnif. Loving it much.”
Auf der mit Fakten rund um Cricket angereicherten Homepage der Band oder bei der Times kann man schon mal in das Album, was am 6. Juli erscheint, reinhören. Die erste Single “The Age of Revolution” ist bereits erhältlich.

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Max Beerbohm: Enoch Soames

Freitag, 12. Juni 2009 9:05

Sind es wirklich Ruhm und Ehre, für die Schriftsteller schreiben? Max Beerbohm, englischer Kritiker, Essayist und Karikaturist, ist dieser Frage 1919 in seiner Erzählung “Enoch Soames” im Band “Seven Men” konsequent nachgegangen. Denn was passiert mit Autoren, wenn sich Erfolg und Anerkennung auch nach Jahren nicht einstellen? Bei Beerbohm werden sie vom Teufel geholt!

Doch der Reihe nach: Da ist also der verlotterte, erfolglose Autor Enoch Soames, dessen Texte zwar veröffentlicht, aber von niemandem wahrgenommen werden. Der Erzähler Beerbohm erlebt über die Jahre den Abstieg seines Kollegen und wird schließlich Zeuge, wie dieser einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Enoch will nichts anderes, als genau 100 Jahre später, also 1997, für einige Stunden im Lesesaal des British Museum in Lexika nach Spuren seiner Schriftstellerexistenz suchen. Doch zu seinem großen Unglück findet er keine Artikel und Abhandlungen über seine Bücher, sondern etwas über Beerbohm.

Und genau hier bekommt  Beerbohms Künstlertragödie einen ordentlichen Schuss Science Fiction, so philosophisch, dass Stanisław Lem die Geschichte sicher gemocht hätte. Soames liest nämlich, dass Beerbohm über ihn eine Geschichte schrieb - also genau jene, die wir auch gerade lesen! Seine Notizen aus einem Lexikon bestehen aus einer Art Lautschrift, denn in 100 Jahren hat sich nicht nur das Aussehen der Menschen (Uniformen, kurzgeschorene Haare), sondern auch die Sprache verändert. Und in diesem Artikel wird er selbst zum fiktiven Charakter gemacht. Völlig willenlos und gebrochen lässt sich Soames vom Teufel holen. Doch das raffinierte Spiel mit Realität und Fiktion geht weiter - auch wenn der Text zu Ende ist. Denn damit Enoch nie vergessen wird, hat sich eine nach ihm benannte Society gegründet. Doch hätte das der Teufel nicht wissen müssen?

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Ein Ort mit Geschichte(n): Charing Cross Road Nr. 84 heute

Montag, 25. Mai 2009 9:13

84 Charing Cross Road, London

Dieses Buch ist Pflichtlektüre für alle Literaturliebhaber und alle Bibliomanen: Helene Hanffs “84 Charing Cross Road” (1970) wurde in der englischsprachigen Welt schnell ein Klassiker. Doch schon bald nach Erscheinen musste das Londoner Antiquariat Marks & Co. schließen. Im Mai 2009 steht das Geschäft in der belebten Charing Cross Road schon wieder leer, ein Schild am Haus weist darauf hin, dass es zu vermieten ist. Immerhin findet sich eine Gedenkplakette an der Hauswand. Schräg gegenüber, im Palace Theatre, läuft übrigens gerade das Musical “Priscilla”. mehr Fotos

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Slightly Foxed: Ein Literaturmagazin für unabhängige Leser

Donnerstag, 21. Mai 2009 10:14

Vier mal im Jahr erscheint in London ein auf den ersten Blick etwas unscheinbares Literaturmagazin, dessen Name übersetzt so viel bedeutet wie “leicht stockfleckig”. Hier geht es um Bücher, die nicht stapelweise auf den Bestseller-Tischen der Buchläden liegen (oder lagen). Dass viele Veröffentlichungen, auch oft älteren Datums, es durchaus verdient haben, gelesen zu werden, ist das Hauptanliegen der Herausgeber und Autoren von “Slightly Foxed“. Ohne viel Drumherum (keine Fotostrecken, keine Leserbriefe, keine Gewinnspiele) stellen unterschiedliche Autoren (meist selbst Schriftsteller, auch mal Buchhändler oder Kritiker - allesamt also erfahrene Leser) ihre Lieblingsbücher vor. Häufig sind diese nicht mehr lieferbar und in einer Fußnote wird man darüber aufgeklärt, in welchem Verlag das besprochene Buch wann zuletzt erschienen ist. Dabei können Romane genauso wie Kinderbücher, Biografien oder Sachbücher besprochen werden. Heft 18 (Sommer 2008) beispielsweise brachte Klassiker der Reiseliteratur, von denen einige auch auf Deutsch erschienen (u.a. Nicolas Bouvier: “Die Erfahrung der Welt“). Aber es gab auch Essays zu Virginia Woolfs “Mrs. Dalloway” oder zum im Königreich gern gelesenen W.G. Sebald (”Die Ringe des Saturn“). Inzwischen erscheinen bei “Slightly Foxed” auch eigene Bücher, allesamt vergessene Perlen, die wie die in den Rezensionen besprochenen nur darauf warten, entdeckt zu werden.

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Eduardo Paolozzi: Newton

Mittwoch, 20. Mai 2009 11:47

Eduardo Paolozzi: Newton

Eduardo Paolozzi: Newton (after Blake)

Der in Schottland geborene Paolozzi (1924-2005) war einer der wichtigsten britischen Pop Art-Künstler. Neben Drucken und Collagen sind vor allem seine Arbeiten für den öffentlichen Raum berühmt. Zum Beispiel die Mosaike für die Londoner U-Bahn-Station Tottenham Court Road oder die Skulptur “For Leonardo” direkt neben der Alten Pinakothek in München. 1995 schuf Paolozzi nach Motiven von William Blake (1757-1827) eine überlebensgroße Skulptur von Isaac Newton für den Innenhof der British Library in London.

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Getwitterte Weltliteratur

Freitag, 15. Mai 2009 9:46

Immer wieder Twitter. Die letzte Neuigkeit kommt vom englischen Autor Tim Collins, der für sein neues Buch “The little book of Twitter” versucht hat, Klassiker der Literaturgeschichte in nur 140 Zeichen zusammenzufassen. Der Telegraph zitiert einige Beispiele. Jane Austens “Pride and Prejudice” geht so:

janeaustin: Woman meets man called Darcy who seems horrible. He turns out to be nice really. They get together.

Die Frage ist jetzt: Hat sich der Autor oder die Zeitung bei Jane Austens Namen vertippt? Macht Twitter vielleicht doch dumm?

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Was ist die beste Flugzeuglektüre?

Donnerstag, 14. Mai 2009 9:04

Ziemlich verrückt, was sich Marketing-Abteilungen alles ausdenken. Für den Flughafen Heathrow hatte man sich eine Kampagne überlegt, in der Internet-User nach den Produkten gefragt wurden, die sie am liebsten mit auf Reisen nehmen. Mehr als 20.000 Stimmen wurden abgegeben und der Gewinner des Heathrow Travel Product Award in der Kategorie Buch ist Vikas Swarups “Slumdog Millionaire” (deutsch: “Rupien! Rupien!”). Dicht gefolgt u.a. von Bernhard Schlinks “Der Vorleser”. Mehr dazu hier.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen