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Werner Busch: Das unklassische Bild

Donnerstag, 28. Mai 2009 9:36

Schon wieder ein Buch über die Geschichte der Kunst! Doch auch wenn im Klappentext Renaissance bis 19. Jahrhundert als Zeitraum angegeben wird, liefert Werner Busch kein herkömmliches Überblickswerk. Im Gegenteil: Vom Berliner Kunsthistoriker kommt nichts weniger als eine überzeugende Theorie, die einen neuen Zugang zu Malerei und Grafik aus eben dieser Zeit ermöglicht. Die Geschichte der Kunst kann man heute aus vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählen: Ob aus Sicht der Gattungen oder im Hinblick auf einzelne Künstlerbiografien - die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Umso bestechender ist Buschs Spurensuche nach dem sogenannten Unklassischen. Von Tizian in Italien (16. Jh.) geht es über Rembrandt in Holland (17. Jh.) bis hin zu Constable in England  (18. Jh.) - immer wieder verdichtet sich die Theorie an bestimmten Punkten. Als Leser hat man stets das Gefühl, hier auch das Rüstzeug für den nächsten Galeriebesuch mitzubekommen - auch wenn gerade die drei Meister nicht ausgestellt sind.

Doch was ist eigentlich ein unklassisches Bild? Spätestens im 19. Jahrhundert verlor die in Kunstakademien entwickelte und verbreitete klassisch idealistische Kunsttheorie an Bedeutung. Seitdem ist auch eine Unterscheidung in klassisch und unklassisch hinfällig. Doch bis damals galt alles, was sich dieser idealistischen Theorie nicht unterordnen ließ, alles, was seit der Antike das negative Gegenstück zum klaren, korrekten, beherrschten Klassischen war, als unklassisch. Das Unklassische ist also alles Unklare, Unkorrekte und Unbeherrschte. Zitat Busch: “Der klassische Künstler [...] gibt die Natur wieder, wie sie sein soll, der unklassische, wie sie ist.” Und so lassen sich in der gesamten Kunstgeschichte des betreffenden Zeitraums gegensätzliche Künstlerpaare finden, die all dies verkörpern: Raphael und Michelangelo, Rubens und Rembrandt, Turner und Constable, Ingres und Delacroix, Joseph Anton Koch und Caspar David Friedrich. Zugrunde liegt all dem das alte idealistische Modell der Gegenüberstellung von Linie und Farbe. Dass Busch in seinen 14 Kapiteln aber auch noch viele andere Belege für das Unklassische im Werk einzelner Künstler findet, macht sein Buch nicht nur abwechslungsreich, sondern an manchen Stellen regelrecht spannend.

Der Einfluss der Naturwissenschaften auf die Künstler des 18. Jahrhunderts und die konkreten Folgen etwa von Newtons Ideen in Gemälden von Joseph Wright of Derby wird ebenfalls untersucht. So malte Wright seine späten Landschaften in den ungewöhnlichsten Farben. Für Busch ist das ein Beleg dafür, dass sich die unklassischen Künstler schon früh mit naturwissenschaftlichen, hier auch farbtheoretischen, Fragen auseinandersetzten. Diese völlig logisch hergeleiteten Überlegungen sind äußerst beeindruckend. An den vielen erstklassigen Abbildungen kann man die Thesen dann auch gleich selbst überprüfen. Und auch wenn beim Leser einige Grundkenntnisse in Sachen Druckgrafik, Ikonografie und Kunsttheorie vorausgesetzt werden, hat Werner Buschs “Das unklassische Bild” (C.H.Beck, 29,90 €) selbst das Zeug zum Klassiker.

Thema: Kunst, Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Die Kunst der Interpretation. Kupferstichkabinett Berlin

Samstag, 9. Mai 2009 9:04

Kupferstichkabinett Berlin: Die Kunst der Interpretation

“Die Kunst der Interpretation. Italienische Reproduktionsgraphik von Mategna bis Carracci” - Das hört sich im Titel zwar trocken und arg wissenschaftlich an, ist vor Ort, im Berliner Kupferstichkabinett am Kulturforum aber eine durchaus sehenswerte Ausstellung. Es geht um italienische Kupferstecher, die die neue Technik nicht mehr nur für eigene Erfindungen, sondern immer mehr auch dazu nutzen, Werke anderer Künstler, zumeist Zeichnungen, später auch Malerei und Skulptur, ins neue Medium zu übertragen. Dabei bleiben sie mal ganz genau an der Vorlage, mal interpretieren sie eher frei. In der Ausstellung hängen daher folgerichtig oft mehrere Blätter aus einem Zusammenhang (im Idealfall Zeichnung und dazugehöriger Kupferstich) nebeneinander und der Besucher übt sich im Suchen der Unterschiede. Allerdings - und dies ein Vorwurf, den man leider so vielen Ausstellungen machen kann - bei etwa 90 ausgestellten Werken fällt durchweg konzentriertes Sehen schwer. Weniger wäre auch hier mehr gewesen! Zu jedem Stück gibt es einen erläuternden Text, der sich allerdings nicht auf die dargestellten Inhalte, sondern auf  Zusammenhänge zu den Vorlagen, bzw. Interpretationen bezieht. Ikonographisches Wissen wird beim Besucher genauso vorausgesetzt, wie Kenntnisse in Sachen Technik. Wer wissen will, worin sich Holzschnitt, Kupferstich, Radierung oder Chiaroscuro-Holzschnitt voneinander unterscheiden, der kann zum Glück in den Vitrinen im Foyer noch einmal nachlesen. Wer sich von all dies nicht abschrecken lässt, erfreut sich an einigen selten gezeigten Grafiken. Sei es Ugo da Carpis “Hieronymus” nach Tizian (über den sich mehr in Werner Buschs Buch “Das unklassische Bild” erfahren lässt) oder Agostino Venezianos “Hexenritt” nach Raffael - diese Kunstwerke können auch den beeindrucken, der kein Wissenschaftler ist.

Thema: Kunst | Kommentare (2) | Autor: Steffen

Geoff McFetridge und The Whitest Boy Alive

Donnerstag, 19. Februar 2009 16:40

Magazine, T-Shirts, Poster, Videos und natürlich unzählige Zeichnungen auf Papier - Geoff McFetridge gehört zu den besonders vielfältigen Künstlern. Die Werke des heute in Los Angeles lebenden Kanadiers wurden schon weltweit ausgestellt, seine Auftragsarbeiten gewannen etliche Preise. Selbst Modedesigner Marc Jacobs wurde auf Geoff aufmerksam (durch seinen Vorspann für “The Virgin Suicides”) und nahm ihn prompt unter Vertrag. Geoffs minimalistische Zeichnungen (schwarze Umrisslinien auf weißem Grund) passen besonders gut zur Musik von The Whitest Boy Alive, deren neues Album “Rules” er mit einigen originellen Miniaturen für Cover und Booklet illustrierte. Anlässlich des Erscheinens von “Rules” kann man vom 28. Februar bis Ende März einige Arbeiten von Geoff McFetridge im IC Berlin, Max Beer Str. 17 (Mo-Sa 11-20 Uhr) im Original sehen.

Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: mulliner