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Matthias Frings: Der letzte Kommunist

Montag, 15. Juni 2009 13:09

Das Leben des Schriftstellers Ronald Schernikau ist so voll von geschichtsträchtigen Episoden, dass man sich fragt, warum erst 18 Jahre nach seinem Tod eine umfangreiche Biographie erscheint. Aber schon nach ein paar Seiten in Matthias Frings’ dickem Buch “Der letzte Kommunist. Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau” wird klar, warum so viel Zeit vergehen musste. Um die Geschichte und vor allem den Ideenkosmos Schernikaus nachvollziehbar zu erzählen, braucht man einfach Zeit. Denn einen, der stets gegen den Strom schwamm und immer zwischen allen Stühlen saß, kann man nicht einfach so nebenbei abhandeln.

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Fritz Höger: Evangelische Kirche am Hohenzollernplatz Berlin

Samstag, 30. Mai 2009 9:34

Fritz Höger: Kirche am Hohenzollernplatz (1930-33)

Fritz Högers (1877-1949) Kirche am Hohenzollernplatz aus den frühen 30er Jahren weist viele für den Architekten typische Merkmale auf: Der Bau ist aus klaren Formen zusammengesetzt und die Flächen sind mit einem kleinteiligen Klinkerdekor überzogen. Sein berühmtestes Werk, das Hamburger Chilehaus, besitzt eine ähnliche Oberflächenstruktur. Ungewöhnlich sind die auf den ersten Blick kaum zu erkennenden Fenster, die schmal zwischen den vertikalen Strukturen liegen. Durch eine spitzbogige Portalnische betritt man die 1943 ausgebrannte, bis 1961 wieder aufgebaute und 1991 sanierte Kirche. Der Spitzbogen gibt gleichzeitig die Struktur des Innenraums vor, zwischen den 13 Bögen im Inneren scheint das Licht durch farbige Fenster. Formen, Farben und Oberflächen machen die Kirche zu einem Hauptwerk des Expressionismus in Deutschland. Mehr zur Geschichte der Kirche auf der Homepage der Hohenzollerngemeinde.

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Nominiert für den Grimme Online Award: VolksLesen.tv

Samstag, 23. Mai 2009 10:44

Hier lesen SPD-Fraktionsmitglieder aus Patrick Süskind, Professoren aus dem Kommunistischen Manifest und Steuerberater aus Judith Hermann. Jede Woche präsentieren vier Menschen aus den unterschiedlichsten Gruppen der Gesellschaft auf VolksLesen.tv ein paar Absätze aus Büchern, die ihnen viel bedeuten. Anders als das ähnliche zehnseiten.de (mehr darüber hier) besticht VolksLesen durch die subjektive Textauswahl, durch den heimeligen Auftritt und natürlich durch die sympathischen Leser, die nicht so oft vor der Kamera stehen (wie z.B. Helga aus Berlin). Also Daumen drücken für den Grimme Online Award und bei TV Spielfilm für den Publikumspreis abstimmen!

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Brötchenwatte

Sonntag, 17. Mai 2009 9:08

Wie nennt man eigentlich das Innere eines Brötchens? Bei dem vor kurzem zu Ende gegangenen 3sat-Wettbewerb “Uns fehlen die Worte” wurde dazu aufgerufen, die weißen Flecken im deutschen Wortschatz kreativ und eindeutig zu füllen. Aus mehr als 1000 Einsendungen wurden 70 neue Worte ausgewählt, die zusammen mit Texten der Jurymitglieder (u.a. Axel Hacke, Kathrin Passig, Rafik Schami und Feridun Zaimoglu) jetzt bei dtv veröffentlicht werden. Neben der Brötchenwatte haben Regenwürze (Geruch nach einem Sommerregen), balzwund (jemand, der unter Liebeskummer leidet) und nörrisch (ein nörgeliger und mürrischer Mensch) den Beifall der Jury gefunden. So schön kann die deutsche Sprache sein!

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Buchtrailer: Alice von Judith Hermann

Samstag, 16. Mai 2009 9:04

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Mein (fast) privates Kochbuch

Montag, 11. Mai 2009 9:10

Nach den personalisierten Literaturklassikern bei Penguin (mehr hier) besteht jetzt auch in Deutschland die Möglichkeit,sich ein individuelles Buch drucken zu lassen. Fotobücher gibt es ja auch hierzulande schon eine ganze Zeit, jetzt sind Kochbücher dran: Bei Dr. Oetker Select kann man sich aus über 3000 Rezepten seine Lieblingsmenüs zusammenstellen und mit einer persönlichen Einleitung versehen. Ein Buch mit 36 Rezepten kostet 22 €. Die Möglichkeit, eigene Rezepte hochzuladen, gibt es leider nicht. Und so ist die schöne Idee leider nicht zu Ende gedacht. Wenn ich ein persönliches Kochbuch haben will, dann nur mit Kaltmamsells Brot ohne Kneten!

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Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff

Sonntag, 10. Mai 2009 10:22

Dass Sibylle Lewitscharoffs Roman “Apostoloff” ein lesenwertes Buch ist, konnte man beispielsweise ja schon hier und da lesen. Auch dass dieser preisgekrönte “Anti-Familienroman”, so wird er treffend in der Begründung der Leipziger Jury genannt, sarkastisch-lustvoll mit Bulgarien abrechnet, ist inzwischen ebenfalls bekannt. Aber dass die Erzählerin und ihre Schwester, die zusammen mit dem Einheimischen Rumen Apostoloff in einem Daihatsu eine Rundreise durch das Land machen, immer wieder auf ihre vielfältigen Lektüreerfahrungen zurückgreifen, wurde noch nicht so oft erwähnt. Wahrscheinlich sind es zu viele Anspielungen und Zitate, die erst zukünftige Literaturwissenschaftler komplett aufdröseln und interpretieren werden. Hier also nur einige Beispiele: Samuel Beckett (”Watt”) wird bei Kommunikationsproblemen herangezogen, die nebeneinander sitzende Menschen haben (S.44). Der Vater war ein begeisterter Nietzsche-Leser und schrieb Kommentare wie “Jawohl!!!” in seine Ausgabe von “Menschliches, Allzumenschliches” (S.55). Die Erzählerin liest “Koba der Schreckliche” von Martin Amis im Hotelbett und lacht mit ihrer Schwester gern mal über Adalbert Stifters Ritterroman “Witiko“. Und am Ende des Romans weiß die Schwester sogar ein Mittel, das gegen alle “bulgarische Zumutungen immunisiere. Einen dicken amerikanischen Roman. Ballonfahrer über den Schlachthäusern von Chicago, lesende Hunde. Ein sprechender Kugelblitz. Balkanverwicklungen der amüsantesten Sorte.” (S.232) Und damit ist kein geringerer gemeint als Thomas Pynchons Mega-Roman “Gegen die Welt“.

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Persönlich vorgelesen: zehnseiten.de

Donnerstag, 7. Mai 2009 9:00

Nicht mehr ganz neu, aber immer wieder eine Empfehlung wert: Auf der klassisch in schwarz-weiß gestalteten Seite www.zehnseiten.de lesen Autorinnen und Autoren von ihnen selbst ausgewählte, genau zehn Seiten lange Ausschnitte aus eigenen Texten. Eine Idee so einfach wie genial; nicht nur bestens geeignet, um bislang Unbekanntes zu entdecken, auch um Autoren zu beobachten, wie sie mit dem eigenen Werk umgehen. Mit dabei sind u.a. Thomas von Steinaecker (”Wallner beginnt zu fliegen”), Thomas Meinecke (”Musik”), Benjamin Lebert (”Flug der Pelikane”) und Martin Beyer (”Alle Wasser laufen ins Meer”).

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Schulze, Kästner, Kracht - Welt-Edition ab Mai

Donnerstag, 30. April 2009 7:19

Zugegeben, die Idee ist nicht gerade neu. Erst die Süddeutsche, dann der Spiegel und viele andere Zeitungen und Magazine. Einige Titel der Roman-Edition “Die Welt erlesen“, in der ab Mitte Mai die Tagesszeitung Die Welt mit der Hilfe des Aufbau-Verlags insgesamt 25 Bücher zu je 9,95 € herausgibt, sind dennoch eine Entdeckung wert. Anlass ist der 60. Jahrestag der Bundesrepublik und mit Andersch, Böll, Kästner, Kempowski und Lenz werden auch einige deutsche Klassiker neu aufgelegt. Spannender sind aber Texte, die man bislang noch nicht zum “Kanon” zählte: Mit Johannes Bobrowskis “Levins Mühle“, Franz Fühmanns Erzählung  “Das Judenauto” und Reiner Kunzes “Die wunderbaren Jahre” finden sich einige erstklassige Beispiele der DDR-Literatur. Und mit Christian Krachts “Faserland” und Ingo Schulzes “Simple Storys” sogar zwei große Bücher jüngerer Autoren. (Alle Titel bislang nur hier.)

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Hanns-Josef Ortheil: Lesehunger

Montag, 27. April 2009 15:42

Eigentlich möchte man der wütenden Amazon-Rezensentin Helga Kurz zustimmen: Dieses Buch ist an vielen Stellen “deliziös wortüberfrachtet”, der Autor “schwadroniert”, ein Buch für ein “Schöner-Wohnen-Publikum”. Auch die Idee, den gesamten Text wie ein ungezwungenes Gespräch über Lesen, Essen und Trinken aufzubauen, ist nicht gerade originell und wirkt oft regelrecht peinlich. Es ist eine Frau, die den älteren Dichter besucht und bewundernd solch Sätze sagt wie: “Hat die französische Literatur Ihre Liebe erwidert, wurden Ihre Bücher auch ins Französische übersetzt?” oder “Wir sitzen auf dieser kleinen Veranda mit all diesen Büchern wahrhaftig wie auf dem Absprung nach Süden…” - Es ist kaum auszuhalten! Die Antworten auf solche Zwischenrufe sind ein Sammelsurium an beliebig wirkenden Notizen über unterschiedliche Lektüren. Als ob ein großer Zettelkasten mal endlich in eine Form gebracht und veröffentlicht werden sollte. Doch dann: Bei all den vielen Lesetipps vom Yoga-Buch bis zum Diätratgeber (Ortheils eigene Bücher dürfen natürlich auch nicht fehlen) findet man interessante Perlen wie das “Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon”. Kurz: Ortheils Buch ist eine zwiespältige Lektüre, allerdings mit ein paar echten Lektüretipps.

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