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Urban Affairs Extended. Stattbad Wedding

Dienstag, 14. Juli 2009 22:06

Urban Affairs Extended 2009: Tape-Art-Fassade von El Bocho

Wie stellt man eigentlich Streetart aus? Einfach nur Fotos von bemalten Häuserwänden hinhängen oder Videos von Sprayern bei der Arbeit zeigen, geht ja irgendwie nicht. Entweder man gibt Interessierten einen Stadtplan in die Hand, damit sie sich die Objekte vor Ort ansehen oder man holt die Künstler einfach ins Haus und lässt sie sich austoben, so frei wie möglich natürlich. Letzteres ist für die zweite Ausgabe des Festivals Urban Affairs Extended geschehen. Im stillgelegten Stadtbad (heute also: Stattbad) Wedding werden noch bis zum 31. Juli Werke von mehr als 20 internationalen Künstlern und Künstlergruppen der Urban und Streetart-Szene gezeigt. Dabei beeindrucken vor allem jene Installationen, die sich auf den besonderen Ort einlassen. Der Berliner Tape-Artist El Bocho zum Beispiel gestaltete mit etwa 15 km farbigen Klebeband die Fassade des alten Schwimmbads. Der Italiener Neon klebte ein großes dreidimensionales Graffiti in eine der ehemaligen, inzwischen ziemlich ranzigen Umkleidekabinen. Roa aus Belgien besprühte Vorder- und Rückseiten von schmalen Umkleideschränken mit großen Vögeln. Und Vectorian, ebenfalls Berliner, lässt bunte Fische aus einer blauen Badewanne fliegen. Unbedingt angucken! Mehr zum Festival und den beteiligten Künstlern im schicken Streetart Berlin Blog.
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Thema: Kunst | Kommentare (2) | Autor: Steffen

Zu gewinnen: Rebecca Martin: Frühling und so

Sonntag, 12. Juli 2009 12:34

Truman Capote schrieb seinen ersten Roman “Summer Crossing” im Alter von 19. Oder ein aktuelleres Beispiel: Benjamin Lebert war gerade 17, als sein Erstling “Crazy” veröffentlicht wurde. Wie alt oder wie jung ein Autor, eine Autorin ist, sagt noch lange nichts über die Qualität seines oder ihres Textes aus. Doch bei Erscheinen von Rebecca Martins (damals 18) Debütroman “Frühling und so” schien für viele Rezensenten das Alter der Autorin und deren Herkunft von großer Bedeutung. Schließlich scheint der Roman eins zu eins das Leben der Autorin zu spiegeln. Motto: Hier schreibt jemand, der es wissen muss. Doch dann das: So einfühlsam, erfrischend oder gar heiß, wie die Presse das Buch fand, ist es leider kein bisschen! mehr

Thema: Literatur | Kommentare (9) | Autor: Steffen

Íñigo Hernández Tofé: Axel Hotel Berlin

Donnerstag, 9. Juli 2009 11:29

Hotel Axel BerlinDieses Gebäude in den Farben Schwarz und Gold präsentiere Einfachheit und Eleganz gleichzeitig, so der spanische Architekt Íñigo Hernández Tofé über sein Hotel Axel in Berlin. Das Haus steht auf einem schmalen Streifen, direkt an der Lietzenburger Straße in Berlin-Schöneberg. Die insgesamt 86 Zimmer der sechs Etagen erreicht man jeweils über kreisförmige Empfangsräume. Von außen sind diese als turmähnliches Scharnier in der Mitte sichtbar und auch an den Seiten des Baus nimmt der Architekt diese runde Form bis hin zum Pool an der Spitze der Dachterrasse wieder auf (auf den Fotos rechts oben). Berlin ist nach Buenos Aires und Barcelona der dritte Standort der Hotelkette, die sich vornehmlich an schwule Gäste richtet (Motto: “heterofriendly”). mehr Fotos

Thema: Architektur | Kommentare (2) | Autor: Steffen

Mit dem Fahrrad zur Milchstraße. Die Sammlung Hoffmann. Lipsiusbau Dresden

Donnerstag, 2. Juli 2009 11:47

Kunsthalle im Lipsiusbau DresdenWährend in Berlin das Sammlerpaar Pietzsch surrealistische Kunst in der Neuen Nationalgalerie zeigt (mehr dazu hier), wird derzeit im Dresdener Lipsiusbau auf der Brühlschen Terasse zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Erika und Rolf Hoffmann präsentiert. Und während man in Berlin auf einen konventionellen, chronologischen Rundgang setzt, hat  in Dresden Erika Hoffmann-Koenige die Ausstellung höchstpersönlich konzipiert und für spannungsreiche Bezüge und Überraschungen gesorgt.
Der ungewöhnliche Titel “Mit dem Fahrrad zur Milchstraße” spielt dabei auf zwei für die Sammlung wichtige Werke an: Die Schau beginnt mit dem 16mm-Film “Met losse handen” von Marijke van Warmerdam, in dem man als Betrachter die Position eines Fahrradfahrers einnimmt, der erst die Hände vom Lenker nimmt, dann langsam in die Luft steigt und in Kreisen über die flache holländische Landschaft fliegt. Ein provokant-obszöner Gegensatz dazu ist das große, auf Tizian und Tintoretto anspielende Ölgemälde von Richard Phillips “Origin of the Milky Way”: Eine künstliche Blondine verspritzt Milch aus ihren großen Brüsten.

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Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Fritz Cremer: O Deutschland, Bleiche Mutter (1964/65)

Sonntag, 28. Juni 2009 11:09

Fritz Cremer: Oh Deutschland, Bleiche MutterIn seiner großen bronzenen Frauenfigur bezieht sich der Bildhauer Fritz Cremer (1906-1993) direkt auf ein Gedicht Bertolt Brechts mit dem gleichen Titel. Auch der Komponist Hanns Eisler ließ sich in seiner Deutschen Symphonie von Brecht beeinflussen und 1980 zitierte die Regisseurin Helma Sanders-Brahms Brecht fast wörtlich im Titel eines preisgekrönten Spielfilms. Thema in allen Kunstwerken - Lyrik, Musik, Film und Bildhauerei - ist die düstere deutsche Geschichte. Brecht verknüpft in seinem Gedicht die allgemeine Lage mit einem individuellen Bild: “O Deutschland, bleiche Mutter!/Wie sitzest du besudelt/Unter den Völkern…” Cremer nimmt diesen Gedanken in seiner Plastik aus den Jahren 1964/65 wieder auf und zeigt eine hagere aber aufrecht sitzende Frau. Im Gegensatz zu seinem großen, mehrfigurigen Buchenwald-Denkmal (1952-58) schuf er hier für das KZ Mauthausen eine einzelne Figur. Seit einigen Jahren steht Cremers Skulptur hinter dem Berliner Dom, nah an der Spree und in der Nähe der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel.
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Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Bilderträume. Die Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch. Neue Nationalgalerie Berlin

Mittwoch, 24. Juni 2009 18:40

Neue Nationalgalerie Berlin: BilderträumeEs ist schon etwas Besonderes, wenn Privatsammler entweder die  Türen des eigenen Hauses öffnen, um ihre Kunstwerke der Allgemeinheit zu präsentieren oder, wie noch bis 22. November 2009 in der Neuen Nationalgalerie, ihre Sammlung komplett in ein klassisches Museum geben. Das Berliner Sammlerpaar Ulla und Heiner Pietzsch hat sich für letzteres entschieden (und kann zuhause jetzt endlich die Wände streichen lassen). Die beiden sind Fans des Surrealismus und so heisst die Ausstellung am Kulturforum ganz passend “Bilderträume“.

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Thema: Kunst | Kommentare (2) | Autor: Steffen

Mark Braun Architekten: Spreedreieck Berlin

Samstag, 13. Juni 2009 11:02

Mark Braun: Spreedreieck, Berlin FriedrichstraßeBerlin Friedrichstraße, Ecke Reichs- tagsufer. An dieser Stelle sollte es stehen, Mies van der Rohes spitzes Glashochhaus. Die Entwürfe aus dem Jahr 1921 sind inzwischen so etwas wie Inkunabeln der Moderne. 20 Geschosse sollte es hoch sein und über einen inneren Erschließungskern mit Fahrstühlen, Treppen und Versorgungsräumen verfügen, so dass an den Außenseiten viel Platz für Glas wäre. Gebaut wurde das Haus nie. Nicht ganz hundert Jahre später verkaufte Berlin das Grundstück. Alles, was darauf gebaut werden würde, müsste sich mit Mies’ Meisterstück messen lassen.
Viel ist inzwischen über das Projekt Spreedreieck geschrieben worden, es existiert sogar ein eigener Wikipedia-Eintrag. Besonders vernichtend an dem von Mark Braun entworfenen Hochhaus fiel Dieter Bartetzkos Kritik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung aus. Dabei zitiert Braun, der in den späten 90ern für Sir Norman Foster die Leitung des Reichstag-Umbaus übernahm, an einigen Stellen den alten Entwurf. Politik, Bürokratie und sonstiges Hin und Her machten aus Brauns ursprünglichen Entwurf mit 40 Stockwerken einen düsteren, mittelmäßigen Kompromiss. Wie soll ein Hochhaus seine Wirkung entfalten, wenn es nicht hoch sein darf? Doch noch ist der Bauzaun nicht abgebaut und die Mieter, die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, nicht eingezogen. Und wer weiß, vielleicht gewöhnt man sich mit der Zeit auch an einen Kompromiss. (Nachtrag August 2009: Die originalen Entwürfe von Mies van der Rohe gibt es noch bis Anfang Oktober in der Ausstellung “Modell Bauhaus” zu sehen.)
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Thema: Architektur | Kommentare (1) | Autor: Steffen

Keiko Sadakane. Paravento Regale. Museum für Asiatische Kunst Berlin

Mittwoch, 10. Juni 2009 15:22

Schon der Weg in die kleine Ausstellung mit drei Werken der Japanerin Keiko Sadakane (geb. 1948) ist nicht leicht zu finden. Aber die Suche nach dem Raum im ersten Obergeschoss des Museums für Asiatische Kunst lohnt sich. Denn in den anderen, besser ausgeschilderten Sonderausstellungen im Betonklotz der Museen Dahlem (”Tuchintarsien in Europa” und “Buddhas erbarmungsvolle Helfer“) wird der Intellekt des Betrachters wohl kaum so herausgefordert, wie bei einer Konfrontation mit den Objekten von Keiko Sadakane.

Im Mittelpunkt steht das Werk “Paravento Regale”; 33 quadratische, gold glänzende Messingtafeln, auf denen je ein japanischer, deutsch-österreichischer oder niederländischer Begriff zu lesen ist. Ausführung und Hängung erinnern an Objekte der Minimal Art. Doch wo dort auf nichts, als auf sich selbst verwiesen werden soll, öffnet sich hier ein regelrechtes Netzwerk an Verweisen. Kopien mit einem Glossar der verwendeten Begriffe helfen bei der Spurensuche: Calumbak z.B. ist die niederländische Bezeichnung für ein Aloeholz, das von den Ostindischen Inseln nach Japan importiert wurde, um daraus Räucherstäbchen herzustellen. De Liefde, niederländisch für Liebe, hieß das holländische Schiff, das 1600 in Japan strandete und dessen Kapitän es gelang, den 250 Jahre dauernden exklusiven Handelsvertrag zwischen Japan und Holland einzufädeln. Armillarsphäre, Pämäräntschen, Oliphant: Jedes der Worte hat viel Historie aufzuweisen und so entsteht schließlich ein weit verzweigtes Beziehungsgeflecht zwischen Ost und West.

Auch der Titel des Kunstwerks selbst hat Verweischarakter. Zum einen zitiert er Joseph Beuys’ letzte große Intallation “Palazzo Regale” und zum anderen wurde die Künstlerin durch den Fund eines japanischen Paravants aus dem 17. Jahrhundert im Barockschloss Eggenberg in Graz inspiriert. Auf diesem königlichen Wandschirm ist das Schloss Osaka zu sehen, in dem der einflussreiche Feldherr und Politiker Toyotomi Hideyoshi wohnte. Hideyoshi herrschte 33 Jahre - aus genauso vielen Teilen besteht der “Paravento Regale”. Dass diese Verweisdichte nur mit Zusatzinformationen (wie z.B. einem Aufsatz des Kurators Alexander Hofmanns auf der Homepage der Künstlerin) entschlüsselt werden kann, merkt man schnell bei den beiden anderen ausgestellten Objekten: “Pro Felix Augustus” (13 Porzellanteller) und “Dubitatio” (eine Holzpyramide mit Glasvitrinen) lassen Bezüge nur erahnen. Dass die angekündigte Porzellankanne aus Hohenzollernbesitz fehlt, ist schade. Als Gegenstück zu den zeitgenössischen Tellern hätte sie Anregungen auch für Uneingeweihte liefern können. Nur die wenigsten Besucher werden daheim nachrecherchieren. Doch sehenswert ist die kleine Ausstellung, die noch bis 30. August 2009 läuft, trotzdem.

Einen Dialog zwischen Ost und West gibt es bekanntlich auch in der Musik. Und so veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Ostasiatische Kunst passend zum Thema der Ausstellung am 9. Juli ein Konzert mit Stücken von Fukushima, Yun, Cage und Scelsi.

PS: Pämäräntschen ist Österreichisch für Orangen!

Thema: Kunst | Kommentare (3) | Autor: Steffen

Nadia Budde: Such dir was aus, aber beeil dich!

Montag, 8. Juni 2009 13:29

Wie fühlt sich Kindsein an? Sehen, riechen, hören Kinder anders als die Erwachsenen um sie herum? Dass das irgendwie so sein muss, ist ja jedem klar. Schließlich waren wir alle einmal klein. Doch mit den Jahren fällt einem nicht mehr auf, dass das Treppenhaus an manchen Tagen seltsam anders riecht. Man hat vergessen, wie es ist, Kaugummi in den Haaren zu haben. Und man weiß auch nicht mehr, welchen Spaß es macht, die Brottasche rumzuschleudern. Der Berliner Autorin und Illustratorin Nadia Budde ist mit “Such dir was aus, aber beeil dich!” etwas besonderes gelungen. In zehn Kapiteln schildert sie persönliche Episoden aus ihrer Kindheit. Die auf den ersten Blick sperrigen Zeichnungen und die kurzen Texte fangen auf unglaubliche Weise typische Kindheitserfahrungen ein. Und auf jeder Seite wird man selbst unweigerlich in die eigene Kindheit zurückversetzt.

Dass Nadia Budde bereits einige eher klassische Bilderbücher produziert hat, darunter “Trauriger Tiger toastet Tomaten” oder “Eins Zwei Drei Tier”, sieht man ihren neuen Buch sofort an. Statt einer starren Struktur mit Panels und Sprechblasen, wie sie etwas die Graphic Novels von Marjane Satrapi (”Persepolis”) oder Alison Bechdel (”Fun Home”) aufweisen, variieren die Text- und Bildanteile hier je nach Inhalt. Die handgeschriebenen Zeilen sind keine Zugaben, sondern fügen sich nahtlos in die Bilder ein. Die Zeichnungen liefern genau wie die kurzen Sätze nur Bruchstücke der Geschichte. So muss sich jeder Leser die Hintergründe selbst dazudenken. Die grob wirkenden Bilder mit ihren dicken, schwarzen Konturen entpuppen sich schnell als treffend eingefangene Momentaufnahmen. Da ist zum Beispiel der Kumpel aus Kreuzberg, der über Transparente von früher aufklärt: Bartstoppeln, gefärbte Haare, Augenringe, Anarchie-Shirt - mit nur wenigen Strichen werden die Figuren gekonnt charakterisiert.

Die Story ist schnell erzählt: Ein kleines Mädchen wächst bei den Großeltern auf dem Land auf und zieht irgendwann in die Großstadt. Die unterschiedlichen Episoden spielen dabei hin und wieder auf die Besonderheit einer DDR-Kindheit an (Ansteckblumen für die Bäuerinnen am Frauentag; Westbesuch, der ins Hausbuch des Wohnblocks eingeschrieben werden muss). Aber häufiger geht es um die manchmal seltsamen Gedanken und Gefühle, die jedes Kind kennt. Da wird u.a. gezeigt, wie sich Kinder die Vorgänge beim Nasenbluten vorstellen oder in einer makabren Geschichte erzählt, wie sich der personifizierte Tod auf dem Land mit seinem Kollegen aus der Stadt einen Kampf liefert. So vielschichtig, anspielungsreich und ironisch geht es in allen zehn Kapitel zu und so ist das Buch auch eher für ältere Kinder und natürlich Erwachsene geeignet, die dazu bereit sind, der eigenen Kindheit nachzuspüren.

“Such dir was aus, aber beeil dich!” ist in der Fischer-Kinderbuchreihe “Die Bücher mit dem blauen Band” erschienen. Einige Bilder aus dem Buch gibt es in dem lesenswerten Blog Jugendbuchtipps. Ein hörenswertes Interview mit Nadia Budde lief im April im Deutschlandfunk. Hier der Stream. Am Samstag, 20.06.2009, stellt Nadia Budde ihr Buch im Rahmen der 12. Literaturwoche Prenzlauer Berg im Theater o.N. (Kollwitzstr. 23) vor.

Thema: Kunst, Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

John Flaxman und die Renaissance. Bode-Museum Berlin

Mittwoch, 3. Juni 2009 9:36

Bode-Museum Berlin, Museumsinsel

Eine kleine, sehr sehenswerte Ausstellung ist noch bis zum 12. Juli im (oft menschenleeren) Berliner Bode-Museum zu bestaunen. In nur einem Raum werden unterschiedliche Werke des englischen Neoklassizisten John Flaxman (1755-1826) einem Gemälde Masaccios und einem Relief Donatellos, beides Meisterwerke der Florentiner Frührenaissance, gegenübergestellt. Dabei wird dem Besucher zum einem gezeigt, wie sich Flaxman von Zeichnungen über den Gips hin zum Relief mit einer Anbetung der Könige arbeitet. (Dieses atemberaubend schöne Stück, eine erst vor kurzem als Flaxman-Original identifizierte Leihgabe aus Privatbesitz, ist auch das absolute Highlight der Schau.) Zum anderen kann man Flaxmans Arbeiten immer wieder mit denen der Renaissance-Meister vergleichen. Wie baut er seine Körper? Was macht er mit den Umrisslinien? Wie sind die Figuren im Raum angeordnet? Als Extra gibt es eine echte Wedgwood-Vase zu der Flaxman den Figurenschmuck lieferte und drei Illustrationen zu Dante und Aischylos. Doch auch ohne diese in Berlin selten gezeigten Blätter funktioniert hier, was vor einigen Wochen in der Ausstellung Rothko/Giotto (mehr dazu hier) nicht geklappt hat: Auch dank der hilfreichen, verständlichen Erläuterungen ist jeder in der Lage, Parallelen zu erkennen und so Dinge in den Kunstwerken zu sehen, die ohne Vergleich verborgen geblieben wären. (Flaxmans Relief ist übrigens noch bis Anfang 2010 als Leihgabe in Berlin.)

Thema: Kunst | Kommentare (2) | Autor: Steffen