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Mit dem Rad zur Moderne: Architektur in Zehlendorf

Samstag, 24. Juli 2010 18:24

Die Idee ist ganz simpel: Mit einem MP3-Player ausgestattet fährt man mit dem Rad von einem Architektur-Klassiker zum nächsten. Immer wenn man die richtige Hausnummer entdeckt, drückt man auf Play und hört sich Interessantes zu Architekt, Auftraggeber, Entstehungszeit und Gebäude an.
Schon seit 2008 bietet das Haus am Waldsee eine von UdK-Studenten recherchierte Audiotour zu bemerkenswerten Wohnhäusern in Berlin-Zehlendorf. Nach 1900 wurden in dem seenreichen Bezirk tief im Süden Berlins jede Menge Häuser gebaut - mit der neuen S-Bahn war man schließlich auch schnell wieder in der Innenstadt. Alle der 12 vorgestellten Häuser nehmen Bezug auf die Besonderheiten des Orte: Wald, Wiese, Wasser - und das in der Großstadt!
Es geht los mit Walter Gropius’ Haus Lewin in der Fischerhüttenstraße (1928/29), einem fast unveränderten weißen Bauhaus-Riegel. Es folgt mit dem Haus Werner (1913) ein untypisches Frühwerk Ludwig Mies van der Rohes, von dem auch das Haus Perls (1911) eine Straßenecke weiter stammt. Weiter geht es zu dem von englischen Landhäusern inspirierten Haus Springer (1911) von den Stuttgarter Architekten Eisenlohr und Pfennig und dann zum riesigen Haus von Velsen von Hermann Muthesius (1907/08). Tja und spätestens hier wünscht man sich, doch mal einen Blick in Haus und Garten zu werfen. Denn auch bei den folgenden Häusern Mohrbutter (1912/13), de Burlet (1911/12) und Kuscynski (1913/14) des Werkbund-Architekten versperren Hecken, Mauern und Zäune leider oft den Blick. Dem Bauherrn von Gropius’ Haus Otte (1921/22) war es allerdings ganz recht, dass Wein sein Haus berankte - ihm war das alles viel zu modern. Was er wohl zum weißen Würfel Haus Abraham (1927/28) der Architekten Korn und Weitzmann gesagt hätte? Die Tour endet schließlich bei dem spektakulären Loftcube (2003) von Werner Aisslinger im Garten des Hauses am Waldsee.
Mit etwa 90 Minuten hat der Guide genau die richtige Länge - auch wenn man bei der Tour noch an vielen anderen Schmuckstücken vorbeiradelt. Es gibt Anekdoten, kurze Biographien der Architekten und natürlich treffende Baubeschreibungen - alles verständlich und unterhaltsam. Und da auch Fahrräder vor Ort ausgeliehen werden können, ist die Tour mit Guide sowieso ein echter Tipp für Rad-lose Architektur-Fans aber auch für Berlin-Besucher, die mehr als nur die überlaufene Mitte sehen wollen!

Thema: Architektur | Kommentare (5) | Autor: Steffen

Preussen-Pop-Up: Moritz Götze vor dem Schloss Charlottenburg

Dienstag, 13. Juli 2010 22:36

Die große Luise-Ausstellung in Charlottenburg ist zwar schon vorbei, doch vor dem Schloss stehen noch immer drei große und flache Metall-Skulpturen von Moritz Götze. Immer wieder zitiert Götze alte Kunst; in diesem Fall die berühmte marmorne Prinzessinnengruppe von Johann Gottfried Schadow mit Königin Luise und ihrer Schwester Friederike. Mit seinen typischen schwarzen Comic-Konturen projiziert Götze die Vorderansicht der Skulptur auf eine Fläche, die mal rot, gelb oder blau ist. Wo im Original der Schatten in die Vertiefungen des Marmors fällt, läuft hier das Schwarz beinahe abstrakt ineinander. Und doch kann jeder Preußen-Kenner die Figuren schon an den Umrissen erkennen.
Im letzten Jahr wurden weitere große Skulpturen von Moritz Götze im Park von Schloss Neuhardenberg ausgestellt. Eine Prinzessinnengruppe war damals auch schon dabei.

Moritz Götze nach Johann Gottfried Schadow

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Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Fotografie in der Stadt: Michael Schmidt

Freitag, 9. Juli 2010 9:46

Es ist ja gerade das Besondere an den derzeit auf Berliner Werbeflächen zu sehenden Fotos von Michael Schmidt, dass man sie auf den ersten Blick überhaupt nicht wahrnimmt. Im Rahmen der aktuellen Berlin Biennale wurden Schmidts Fotos auf meist mehrere klassische Plakatwände nebeneinander geklebt. Oft auch an wenig spektakulären Ecken der Stadt; das Foto unten habe ich in der Möckernstraße, Ecke Hornstraße aufgenommen. Im Münchener Haus der Kunst läuft noch bis Ende August eine Ausstellung des Berliners, der ausschließlich in schwarz-weiß fotografiert und derzeit in den deutschen Feuilletons groß gefeiert wird. (Mehr zu Ausstellung “Grau als Farbe” in München bei fokussiert.com.)

Michael Schmidt. Möckernstraße Ecke Hornstraße. Berlin

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Turmkunst: Bierpinsel Steglitz

Dienstag, 20. April 2010 17:25

Gelandet ist das UFO schon Mitte der 70er Jahre. Doch richtig bunt wird es erst jetzt. Das liebevoll Bierpinsel genannte, ehemalige Turmrestaurant Steglitz der ICC-Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte stand in den letzten Jahren leer. Seit Anfang April gestalten nun vier internationale Street Art-Künstler die Außenhaut des futuristischen Gebäudes. Bis Mitte April ist es noch Flying Förtress aus Hamburg. Im Inneren gibt es eine von der Vicious Gallery organisierte Ausstellung mit Urban Art u.a. von Dave The Chimp, Sozyone González und Stefan Strumbel. Unter turmkunst.de finden sich weitere Informationen, einen kritischen Bericht über das Projekt und die Organisatoren gibt es bei proud.de und immer wieder aktuelle Fotos erscheinen bei ekosystem.org. Hier einige Aufnahmen vom 17. April 2010:

Der Steglitzer Bierpinsel

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Thema: Architektur, Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Helmut Krausser: Thanatos

Montag, 5. Oktober 2009 17:34

Da kommt einer mit Ehe und Beruf nicht mehr zurecht und steigt aus. Dass der Literaturwissenschaftler und Romantik-Experte Konrad nicht nach Amerika oder zumindest in eine fremde Großstadt, sondern zur kleinbürgerlichen Verwandtschaft nach Süddeutschland flieht, zeigt schon, welch ungewöhnlichen Wege Helmut Kraussers Romanheld noch gehen wird. “Thanatos” (1996) ist so etwas wie das Gegenstück zum philosophisch-esoterischen Selbstfindungsroman “Nachtzug nach Lissabon” (2004) von Pascal Mercier. Während dort ein Lehrer in Lissabon letztlich zu sich selbst findet, verliert sich Konrad in “Thanatos” völlig, spaltet sich in mehrere Identitäten auf und erliegt schließlich, ganz wie der Romantitel es vorhersagt, dem Todestrieb. [...]

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Rudolf Pohle: Denkmal für Alois Senefelder

Donnerstag, 27. August 2009 10:17

Es war das erste Denkmal in Berlin, das einen Handwerker ehrte: Alois Senefelder erfand 1798 den Steindruck (oder Lithografie), ein Flachdruckverfahren, das auf der Abstoßung von Fett und Wasser beruht und im 19. Jahrhundert zum wichtigsten Verfahren wurde, um Farbiges zu drucken. Der Berliner Bildhauer Rudolf Pohle schuf eine hohe Skulptur aus Carrara-Marmor, die 1892 auf dem ehemaligen Thusneldaplatz (heute Senefelderplatz) in Prenzlauer Berg aufgestellt wurde. In Arbeitskleidung, mit einer auf das linke Knie gestemmten lithografischer Platte sitzt Senefelder in ziemlich unrepräsentativer Pose auf dem barockisierenden Sockel. Die vor dem Sockel spielenden Putten stellen noch einmal das von ihm erfundene Druckverfahren dar: Während der eine in Spiegelschrift den Namen Senefelders schreibt, überprüft der andere den Namen mit einem Handspiegel.

Rudolf Pohle: Denkmal für Alois Senefelder

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Modell Bauhaus. Martin-Gropius-Bau Berlin

Mittwoch, 19. August 2009 17:15

Diese Ausstellung ist vor allem eins: riesig! Das komplette Erdgeschoss des Martin-Gropius-Bau, dem ehemaligen Berliner Kunstgewerbemuseum, ist regelrecht vollgestellt mit etwa 1000 Bauhaus-Objekten. Selbst im Lichthof gibt es kein Entrinnen: Dort holt die Amerikanerin Christine Hill mit ihrer witzigen Mitmach-Installation “Do-It-Yourself Bauhaus” den Mythos in die Gegenwart. 90 Jahre nach Gründung des Bauhauses in Weimar veranstalten die drei großen Institute (Stiftung Bauhaus Dessau, Klassik Stiftung Weimar, Bauhaus-Archiv Berlin) gemeinsam die bislang größte Ausstellung zum Thema.
Gemälde, Fotos, Modelle, Skizzen, Entwürfe, Drucke, Bücher, Möbel, Kunstgewerbe, ja sogar originale Architekturteile (z.B. Fenster und Türen aus einem Dessauer Reihenhaus von Walter Gropius) oder Kleidung (Grete Reichardts Bauhaus-Kleid von 1928) - Objekte aus allen nur möglichen Bereichen erweitern den sonst üblichen Schwerpunkt auf Architektur und Inneneinrichtung. Mit so vielen unterschiedlichen Kunstwerken - groß oder klein, flach oder sperrig, fragil oder robust - muss die Ausstellungsarchitektur erst einmal fertig werden. Am Anfang wirkt das noch chaotisch und vollgestopft: Gleich im zweiten Teil, “Impulse aus der Kunst”, verstellen etliche kleine, von beiden Seiten behangende Stellwände den Raum und schon bei mehr als 20 Besuchern beginnt ein Hin- und Herschlängeln um die Kunstwerke. Dabei verpasst man schnell so tolle Arbeiten wie Kandinskys “Kleine Welten”.
Doch spätestens nach der Hälfte der Ausstellung überzeugt die eigens (ein-)gebaute Architektur der Berliner Firma kubix - vielleicht auch weil viele ältere Ausstellungsbesucher inzwischen schlapp gemacht haben und nicht mehr jedes Stück blockieren. Im zehnten Raum (von insgesamt 18) steht der komplizierte Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy hinter transparenten Wänden und wird von bunten Scheinwerfern angestrahlt. Wenn sich diese wohl früheste kinetische Plastik (mehr zu moderner kinetischer Kunst hier) zu drehen beginnt und im dunklen Raum ein wunderbares Lichtspiel verursacht, wird zum ersten Mal richtig klar, was die Bauhaus-Leute mit Einheit von Kunst und Technik meinten.
Und so ist die Ausstellung etwas für Bauhaus-Kenner UND -Einsteiger. Die einen freuen sich über ein Wiedersehen mit Marcel Breuers Clubsessel, Mies van der Rohes Entwurf für den Pavillon in Barcelona 1928, seine Hochhaus-Entwürfe für die Berliner Friedrichstraße oder über die Gemälde von Lyonel Feininger. Die anderen staunen über hochkarätige Leihgaben aus dem New Yorker MoMA (Werke von Malewitsch und Mondrian im Raum “Wechselwirkungen”). Und doch gibt es noch so viel selten Gezeigtes, wie Marcel Breuers “Afrikanischer Stuhl” oder das originale Fensterelement aus dem Faguswerk in Alfeld von Gropius und Meyer. Schließlich ist nicht nur der Einsteiger überrascht über Breite und Vielfalt des Bauhauses!
Modell Bauhaus ist noch bis 4. Oktober geöffnet.

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Der Georg-Kolbe-Hain in Berlin

Freitag, 14. August 2009 19:07

Nicht weit vom ehemaligen Wohnhaus und Atelier, dem heutigen Museum des Bildhauers Georg Kolbe (1877-1947), findet man einen öffentlichen Park, den seit 1957 fünf große Bronzefiguren von Kolbe schmücken. Alle Skulpturen stammen aus dem Spätwerk Kolbes und wurden erst nach seinem Tod in Bronze gegossen. Die Gipsmodelle befinden sich im Besitz des Kolbe-Museums.
Kolbe, der sich um die Jahrhundertwende intensiv mit Auguste Rodin auseinandersetzte und später kurz mit expressionistischer Kunst in Kontakt kam, näherte sich in seinen Werken ab Mitte der 1920er Jahre einem klassisch-heroischen Menschenbild. Er liess sich nicht wie Arno Breker oder Josef Thorak komplett von den Nationalsozialisten vereinahmen, konnte trotzdem weiter in Deutschland arbeiten. Seine Werke waren anerkannt und wurden mehrfach in den Großen Deutschen Kunstausstellungen in München ausgestellt.
Die Entwürfe zu den im Georg-Kolbe-Hain aufgestellten Skulpturen entstanden allesamt zur Zeit des Nationalsozialismus. Die “Große Kniende” (1942/43), fast zwei Meter hoch, sollte als ein Teil einer zweiteiligen Gruppe vor einem Heim der Hitlerjugend in Eilenburg (Sachsen) stehen. Die Figur “Dionysos” (1932) ist etwa 2,60 Meter hoch und zeigt den Gott des Weines mit gesenktem Kopf in ungewöhnlicher Schrittstellung. Man nimmt an, dass die Figur ein Ergebnis von Kolbes Beschäftigung mit Friedrich Nietzsches “Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik” ist. Ebenfalls überlebensgroß: die “Ruhende Frau” (1939/41), die Kolbe als Teil einer nie ausgeführten Ergänzungsgruppe für ein Richard-Wagner-Denkmal in Leipzig entwarf. Am anderen Ende des Parks steht die Gruppe “Mars und Venus” (1939/40), zwei Akte in  komplizierter Anordnung. Dass zumindest durch die Wahl des Titels, wie auf einer im Kolbe-Museum ausliegenden Kopie vermutet wird, auf den gerade begonnenen Zweiten Weltkrieg angespielt wird (Mars ist in der römischen Mythologie der Gott des Krieges), klingt einleuchtend. Die letzte Skulptur, “Der Große Stürzende” (1940/42), geplant als Teil eines Kriegerdenkmals in Potsdam, stellt einen pathetisch zusammenbrechenden, nackten Soldaten dar.
Überlebensgroße Akte, kräftig gebaut und ohne jegliches erzählendes Beiwerk: Mit großen Gesten versuchte Kolbe in seinen fünf Skulpturen ein klassisches Ideal heraufzubeschwören, das in der internationalen Kunst zur gleichen Zeit kaum mehr eine Rolle spielte. Die Kunstwerke in dem stillen, halb verwilderten Park, der seit 1989 unter Denkmalschutz steht, sind trotz ihrer widersprüchlichen und problematischen Aussagen ein wichtiges Stück deutscher Kunstgeschichte. Ein Besuch des Hains ist also unbedingt zu empfehlen.

Große Kniende, Georg Kolbe 1942/43

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Brunnen auf dem Nettelbeckplatz: Tanz auf dem Vulkan

Mittwoch, 5. August 2009 11:20

Ein ganz besonderes Highlight realistischer Kunst steht auf dem Nettelbeckplatz in Berlin Wedding. Im Jahr 1988 gewann die Künstlerin Ludmila Seefried Matejkova einen offiziellen Wettbewerb und entwarf einen etwa 9 Meter breiten Brunnen mit dem Titel “Tanz auf dem Vulkan”. Und genau das ist auch dargestellt: Einige modisch gekleidete lebensgroße Bronzefiguren (Sonnenbrille, offenes Hemd) tanzen auf dem Rand eines schiefen Mini-Vulkans. Den Takt gibt ein Klavierspieler am Fuße des Berges an - und das ist niemand anderes als der Teufel persönlich. (Dank an Michaela für den Hinweis!) Statt nach dem nächsten Besuch des Wochenmarkts Nettelbeckplatz also mit den Einkäufen nach Hause zu spurten, sollte man sich den (im Sommer von Kindern belagerten) Brunnen mal etwas genauer ansehen!

Brunnen auf dem Nettelbeckplatz: Tanz auf dem Vulkan

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Romantische Maschinen. Georg-Kolbe-Museum Berlin

Dienstag, 21. Juli 2009 11:45

Georg Kolbe Museum Romantische MaschinenGleich zum Auftakt ein Highlight: Im Video “Der Lauf der Dinge” von Peter Fischli und David Weiß rattert, knallt und zischt eine phantasievolle Kettenreaktion fast eine halbe Stunde lang allein vor sich hin, ohne dass man eine helfende Menschenhand zu Gesicht bekommt. Das Publikum ist begeistert und jetzt bestens vorbereitet auf den Rest der kleinen Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum. Der Film aus dem Jahr 1987, übrigens ein Publikumsmagnet auf der documenta 8, ist das älteste präsentierte Werk, alle anderen Beispiele kinetischer Kunst sind erst in den letzten Jahren entstanden.
Überhaupt ist kinetische Kunst, verkürzt zusammengefasst also Kunst aus sich bewegenden oder bewegbaren Objekten, noch eine sehr junge Richtung. Zwar gab es mit Automaten schon seit der Antike Vorstufen, doch erst im 20. Jahrhundert experimentierten Künstler wie Marcel Duchamp, László Moholy-Nagy oder Alexander Calder ausführlich mit Zeit, Veränderung, Zufall und Bewegung als Gestaltungsprinzipien. Doch auch wer die verrückten Maschinen-Skulpturen von Jean Tinguely, dem berühmtesten Kinetiker, nicht kennt, wird an der Berliner Ausstellung seine Freude haben!
Ob die sich aneinander reibenden (oder miteinander tanzenden) leeren Blätter von Ariel Schlesinger, Robert Bartas unermüdlich vorwärtsratternde Spielzeuglock (während sich die Schienen entgegengesetzt drehen) oder Johanna Smiateks Spiegel, der bei Herantreten anfängt zu vibrieren - hier passiert etwas und der Betrachter muss sich damit auseinandersetzen. Der Ausstellungstitel hat es ja angekündigt, es soll hier vor allem um die poetischen Dimensionen kinetischer Kunst gehen. Und auch wenn die üblichen Referenzen an die Kunstgeschichte (Michael Elmgreen und Ingar Dragset lassen berühmte Skulpturen ein Theaterstück aufführen) nicht fehlen, sind es vor allem die ganz simplen Installationen, die das Romantische der Maschinen besonders gut zeigen. Zilvinas Kempinas “O2″ besteht aus einem Ventilator und einem geschlossenen Magnetband, das vom Wind davon abgehalten wird, auf den Boden zu fallen und sich in unregelmäßigen Bewegungen dreht. Das ist (fast) so schön wie auf der Wiese liegen und in die Wolken gucken.
Noch bis zum 6. September ist die Ausstellung zu sehen und mit dem Video bei art-in-berlin kann man sich schon einmal einen Eindruck verschaffen.

Thema: Kunst | Kommentare (7) | Autor: Steffen