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Glanz und Größe des Mittelalters. Kölner Meisterwerke aus den großen Sammlungen der Welt.

Sonntag, 6. November 2011 0:26

Als regelmäßiger Museumsgänger kann ich es schon lange nicht mehr hören: Blockbuster hier, Warteschlange da. Sonderausstellungen werden immer häufiger zu Mega-Spektakeln inszeniert, bei denen offensichtlich allein die Besuchermassen zählen.
Dass es auch anders geht, zeigt eine Ausstellung im neuen Kölner Kulturquartier. Zugegeben: Im Foyer musste ich den Eingang zum Ausstellungssaal suchen und auch der erste Eindruck drinnen war anfangs ernüchternd. Die halbhohen Zwischenwände sind hellgrau gestrichen. Jeweils am Beginn der 17 thematisch geordneten Abschnitte gibt es kräftige Farbfelder, auf denen Wandtexte stehen und die mit Mustern aus dem Ausstellungskontext dezent geschmückt sind. Die Architektur ist also sehr zurückhaltend und auch das Licht wird nicht zu theatralischen Effekten eingesetzt. Diese Zweckmäßigkeit erweist sich aber schon nach ein paar Metern als absolut richtige Entscheidung. Denn nur so konzentriert man sich auf die oft kleinen Ausstellungsstücke, nur so kann man sich auf manchmal nur millimetergroße Einzelheiten einlassen.
Thema der Ausstellung ist die Heilige Stadt Köln als Kunst- und Kulturzentrum des Mittelalters. In kleinen Abschnitten werden manchmal Kunstgattungen (z.B. Elfenbeinschnitzerei, Skulptur des 12. Jahrhunderts, Tafelmalerei), manchmal gattungsübergreifende Themen vorgestellt (z.B. Kirche und Staat, Gottesmutter, Bürgertum, Handel). Gerade diese Mischung macht den Rundgang abwechslungsreich, des Öfteren stellt sich ein Aha-Effekt ein (”Das habe ich doch vorhin schon einmal ähnlich gesehen.”) Allerdings empfehle ich entweder den umfangreichen Audioguide oder den dicken Katalog mit kurzen Texten zu allen Stücken (im Museumsshop 39,00 €). Nur die einleitenden Kapiteltexte in der Ausstellung wären mir zu wenig Informationen.
Buch- und Glasmalerei, Skulpturen aus Holz und Stein, Textilien, Gemälde - das Kölner Kunsthandwerk des Mittelalters wird in seiner gesamten Breite mit Werken aus der Sammlung des Museums Schnütgen und etwa 160 Leihgaben aus den großen Museen der Welt dargestellt. Und diese vielen kostbaren Leihgaben aus z.B. Washington, Los Angeles oder London machen die Ausstellung zu einem absolut sehenswerten Erlebnis. Allein die ungewöhnlichen, anspielungsreichen Motive des Tafelbildes “Christus am Lebenden Kreuz” aus Chicago verdienen ein intensives Studium im Original. Denn bei aller hochauflösenden Darstellung im Netz - nur das echte, dreidimensionale Werk kann seine Wirkung vollends entfalten. Und da, auch wenn die Versuchung groß ist, natürlich kein originales Kunstwerk berührt werden darf, haben die Ausstellungsmacher eine Faksimile-Ausgabe einer Handschrift ausgestellt, die man mit Handschuhen ausnahmsweise eben doch anfassen kann. So wird die Ausstellung (läuft noch bis zum 26.02.2012) zu einem Ereignis, dass allein durch die ausgestellten Werke, den vermittelten Inhalten beeindruckt. Ganz ohne riesige Marketing-Maschine.

Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

“Die Erde lacht in Blumen”: David LaChapelles Stillleben in Hannover

Sonntag, 27. Februar 2011 13:02

“Earth Laughs In Flowers” - Der etwas eigentümliche Titel der Ausstellung mit neuen Arbeiten des Fotografen David LaChapelle in der kestnergesellschaft ist ein Zitat des Dichters Ralph Waldo Emerson. In dessen Gedicht “Hamatreya” (1846) wird von die Erde malträtierenden Menschen berichtet, die am Ende doch in ihr begraben werden. Die Erde antwortet auf das selbstsüchtige und letztlich unnütze Streben der Menschheit mit Blumen. Und da es in der Geschichte der Kunst die Blumenstillleben sind, die Vergänglichkeit am allerschönsten zeigen, hat David LaChapelle mit dem Emerson-Zitat einen sehr passenden Titel für seine allerneueste Werkgruppe gefunden.
LaChapelle ist vor allem bekannt für seine extrem bunten und durchgeknallten Porträts von Paris Hilton, Lady Gaga, Amanda Lepore und Co. Neben Film, Pop und Porno bedient er sich auch immer wieder bei  der klassischen Kunstgeschichte. In Hannover sind außer den neuen Blumenstillleben auch Fotos der Serie “Jesus Is My Homeboy” (2003) zu sehen, in denen er den Sohn Gottes in amerikanischen Ghettos von heute auftreten lässt.
Die zehn weltweit zum ersten Mal ausgestellten, fast zwei Meter hohen Stillleben sind von einer so überwältigenden, üppigen Schönheit, dass einem der Atem stockt. Die Art ihrer Präsentation - die Fotos hängen in Nischen in einem ansonsten leeren, weißen Raum - unterstreicht die Präsenz der Kunstwerke zusätzlich. LaChapelle hat sich barocke Blumenbilder ganz genau angeguckt und die Tricks der alten Meister (Lichtregie, Farbeinsatz, Oberflächenstrukturen) clever umgesetzt. Und doch sind seine Bilder keine Kopien, denn neben klassischen Vanitas-Symbolen (Kerze, Schädel, Insekten) finden sich etliche Gegenstände, die auf Besonderheiten und Ereignisse unserer Zeit anspielen: Spielzeug, Medikamente, Sextoys, Hostien aus dem Supermarkt, Würstchen aus der Dose usw. usf.  Auf jedem der unsichtbar digital manipulierten Fotos lassen die Dinge auf ein großes Beziehungs- und Bedeutungsgeflecht schließen.
Die ergänzend in einem extra Raum gezeigten Gemälde aus dem 17. und 19. Jahrhundert sind nicht nötig, um LaChapelle zu verstehen. Seine Fotos wirken auf mehreren Ebenen, auch wer sich in der Kunstgeschichte nicht auskennt, kann sie sinnlich erfahren.
Der im Distanz Verlag erschienene Katalog gibt den Fotos dank des sehr großen Formats viel Platz, die querformatigen Werke der Jesus-Serie liegen so glücklicherweise nicht im Buchfalz. Neben LaChapelle ist in der kestnergesellschaft bis zum 8. Mai 2011 die Ausstellung “The Shadows Took Shape” von Julian Göthe zu sehen. Mein Tipp: Erst die schwarzweissen Objekte, Zeichnungen, Collagen von Göthe anschauen und sich danach an “Earth Laughs In Flowers” berauschen.

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Le Grand Geste! Museum Kunst Palast Düsseldorf

Donnerstag, 22. April 2010 13:27

Gekleckert und verschmiert, gespritzt und verwischt. Mal dick aufgetragen und mit dem Spachtel bearbeitet, mal flüssig über die Leinwand geträufelt. Was Künstler mit Farbe auf Papier und Leinwand alles anstellen können, wenn sie sich erst einmal vom abzubildenden Gegenstand gelöst haben, ist derzeit in der großen Ausstellung “Le Grand Geste! Informel und Abstrakter Expressionismus. 1946-1964 in Düsseldorf zu sehen.
Etwa 150, meist großformatige Werke beweisen, dass in nicht einmal zwanzig Jahren zwischen Kriegsende und der documenta III als Durchbruch der Pop Art allein in Deutschland, Frankreich und den USA unerwartet viele Positionen abstrakt-expressiver Malerei nebeneinander standen. Und auch wenn das von vielen Kritiker- und Kunsthistoriker-Generationen gestiftete Begriffswirrwarr nicht vollständig geklärt werden kann, so ist doch jeder, der sich auf die Bilder einlässt, schnell gefesselt von der ungegenständlichen Vielfalt.
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Skin Fruit. New Museum New York

Montag, 15. März 2010 20:03

“Megas Dakis”, der große Dakis, heißt ein Portrait des griechischen Sammlers Dakis Joannou von Roberto Cuoghi. Auch wenn es nicht gerade prominent in der Ausstellung “Skin Fruit” im New Museum platziert ist, ist es doch eins der beiden Kunstwerke, mit denen sich am besten ein Einstieg in die Anfang März eröffnete Schau finden lässt. Dakis ist einer der weltweit einflussreichsten Sammler und Förderer zeitgenössischer Kunst und noch bis Ende Juni werden in New York Highlights seiner gewichtigen Athener Kollektion gezeigt.
Auf das zweite Kunstobjekt blickt man sofort, wenn sich die Fahrstuhltüren zum ersten großen Ausstellungsraum öffnen: Es ist “One Ball Total Equilibrium Tank”, Jeff Koons’ berühmter Basketball im Aquarium aus dem Jahr 1985. “Skin Fruit” mit Werken aus Dakis’ Sammlung wurde nämlich von keinem geringeren als Jeff Koons kuratiert. [...]

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Modell Bauhaus. Martin-Gropius-Bau Berlin

Mittwoch, 19. August 2009 17:15

Diese Ausstellung ist vor allem eins: riesig! Das komplette Erdgeschoss des Martin-Gropius-Bau, dem ehemaligen Berliner Kunstgewerbemuseum, ist regelrecht vollgestellt mit etwa 1000 Bauhaus-Objekten. Selbst im Lichthof gibt es kein Entrinnen: Dort holt die Amerikanerin Christine Hill mit ihrer witzigen Mitmach-Installation “Do-It-Yourself Bauhaus” den Mythos in die Gegenwart. 90 Jahre nach Gründung des Bauhauses in Weimar veranstalten die drei großen Institute (Stiftung Bauhaus Dessau, Klassik Stiftung Weimar, Bauhaus-Archiv Berlin) gemeinsam die bislang größte Ausstellung zum Thema.
Gemälde, Fotos, Modelle, Skizzen, Entwürfe, Drucke, Bücher, Möbel, Kunstgewerbe, ja sogar originale Architekturteile (z.B. Fenster und Türen aus einem Dessauer Reihenhaus von Walter Gropius) oder Kleidung (Grete Reichardts Bauhaus-Kleid von 1928) - Objekte aus allen nur möglichen Bereichen erweitern den sonst üblichen Schwerpunkt auf Architektur und Inneneinrichtung. Mit so vielen unterschiedlichen Kunstwerken - groß oder klein, flach oder sperrig, fragil oder robust - muss die Ausstellungsarchitektur erst einmal fertig werden. Am Anfang wirkt das noch chaotisch und vollgestopft: Gleich im zweiten Teil, “Impulse aus der Kunst”, verstellen etliche kleine, von beiden Seiten behangende Stellwände den Raum und schon bei mehr als 20 Besuchern beginnt ein Hin- und Herschlängeln um die Kunstwerke. Dabei verpasst man schnell so tolle Arbeiten wie Kandinskys “Kleine Welten”.
Doch spätestens nach der Hälfte der Ausstellung überzeugt die eigens (ein-)gebaute Architektur der Berliner Firma kubix - vielleicht auch weil viele ältere Ausstellungsbesucher inzwischen schlapp gemacht haben und nicht mehr jedes Stück blockieren. Im zehnten Raum (von insgesamt 18) steht der komplizierte Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy hinter transparenten Wänden und wird von bunten Scheinwerfern angestrahlt. Wenn sich diese wohl früheste kinetische Plastik (mehr zu moderner kinetischer Kunst hier) zu drehen beginnt und im dunklen Raum ein wunderbares Lichtspiel verursacht, wird zum ersten Mal richtig klar, was die Bauhaus-Leute mit Einheit von Kunst und Technik meinten.
Und so ist die Ausstellung etwas für Bauhaus-Kenner UND -Einsteiger. Die einen freuen sich über ein Wiedersehen mit Marcel Breuers Clubsessel, Mies van der Rohes Entwurf für den Pavillon in Barcelona 1928, seine Hochhaus-Entwürfe für die Berliner Friedrichstraße oder über die Gemälde von Lyonel Feininger. Die anderen staunen über hochkarätige Leihgaben aus dem New Yorker MoMA (Werke von Malewitsch und Mondrian im Raum “Wechselwirkungen”). Und doch gibt es noch so viel selten Gezeigtes, wie Marcel Breuers “Afrikanischer Stuhl” oder das originale Fensterelement aus dem Faguswerk in Alfeld von Gropius und Meyer. Schließlich ist nicht nur der Einsteiger überrascht über Breite und Vielfalt des Bauhauses!
Modell Bauhaus ist noch bis 4. Oktober geöffnet.

Thema: Architektur, Kunst | Kommentare (1) | Autor: Steffen

Romantische Maschinen. Georg-Kolbe-Museum Berlin

Dienstag, 21. Juli 2009 11:45

Georg Kolbe Museum Romantische MaschinenGleich zum Auftakt ein Highlight: Im Video “Der Lauf der Dinge” von Peter Fischli und David Weiß rattert, knallt und zischt eine phantasievolle Kettenreaktion fast eine halbe Stunde lang allein vor sich hin, ohne dass man eine helfende Menschenhand zu Gesicht bekommt. Das Publikum ist begeistert und jetzt bestens vorbereitet auf den Rest der kleinen Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum. Der Film aus dem Jahr 1987, übrigens ein Publikumsmagnet auf der documenta 8, ist das älteste präsentierte Werk, alle anderen Beispiele kinetischer Kunst sind erst in den letzten Jahren entstanden.
Überhaupt ist kinetische Kunst, verkürzt zusammengefasst also Kunst aus sich bewegenden oder bewegbaren Objekten, noch eine sehr junge Richtung. Zwar gab es mit Automaten schon seit der Antike Vorstufen, doch erst im 20. Jahrhundert experimentierten Künstler wie Marcel Duchamp, László Moholy-Nagy oder Alexander Calder ausführlich mit Zeit, Veränderung, Zufall und Bewegung als Gestaltungsprinzipien. Doch auch wer die verrückten Maschinen-Skulpturen von Jean Tinguely, dem berühmtesten Kinetiker, nicht kennt, wird an der Berliner Ausstellung seine Freude haben!
Ob die sich aneinander reibenden (oder miteinander tanzenden) leeren Blätter von Ariel Schlesinger, Robert Bartas unermüdlich vorwärtsratternde Spielzeuglock (während sich die Schienen entgegengesetzt drehen) oder Johanna Smiateks Spiegel, der bei Herantreten anfängt zu vibrieren - hier passiert etwas und der Betrachter muss sich damit auseinandersetzen. Der Ausstellungstitel hat es ja angekündigt, es soll hier vor allem um die poetischen Dimensionen kinetischer Kunst gehen. Und auch wenn die üblichen Referenzen an die Kunstgeschichte (Michael Elmgreen und Ingar Dragset lassen berühmte Skulpturen ein Theaterstück aufführen) nicht fehlen, sind es vor allem die ganz simplen Installationen, die das Romantische der Maschinen besonders gut zeigen. Zilvinas Kempinas “O2″ besteht aus einem Ventilator und einem geschlossenen Magnetband, das vom Wind davon abgehalten wird, auf den Boden zu fallen und sich in unregelmäßigen Bewegungen dreht. Das ist (fast) so schön wie auf der Wiese liegen und in die Wolken gucken.
Noch bis zum 6. September ist die Ausstellung zu sehen und mit dem Video bei art-in-berlin kann man sich schon einmal einen Eindruck verschaffen.

Thema: Kunst | Kommentare (7) | Autor: Steffen

Urban Affairs Extended. Stattbad Wedding

Dienstag, 14. Juli 2009 22:06

Urban Affairs Extended 2009: Tape-Art-Fassade von El Bocho

Wie stellt man eigentlich Streetart aus? Einfach nur Fotos von bemalten Häuserwänden hinhängen oder Videos von Sprayern bei der Arbeit zeigen, geht ja irgendwie nicht. Entweder man gibt Interessierten einen Stadtplan in die Hand, damit sie sich die Objekte vor Ort ansehen oder man holt die Künstler einfach ins Haus und lässt sie sich austoben, so frei wie möglich natürlich. Letzteres ist für die zweite Ausgabe des Festivals Urban Affairs Extended geschehen. Im stillgelegten Stadtbad (heute also: Stattbad) Wedding werden noch bis zum 31. Juli Werke von mehr als 20 internationalen Künstlern und Künstlergruppen der Urban und Streetart-Szene gezeigt. Dabei beeindrucken vor allem jene Installationen, die sich auf den besonderen Ort einlassen. Der Berliner Tape-Artist El Bocho zum Beispiel gestaltete mit etwa 15 km farbigen Klebeband die Fassade des alten Schwimmbads. Der Italiener Neon klebte ein großes dreidimensionales Graffiti in eine der ehemaligen, inzwischen ziemlich ranzigen Umkleidekabinen. Roa aus Belgien besprühte Vorder- und Rückseiten von schmalen Umkleideschränken mit großen Vögeln. Und Vectorian, ebenfalls Berliner, lässt bunte Fische aus einer blauen Badewanne fliegen. Unbedingt angucken! Mehr zum Festival und den beteiligten Künstlern im schicken Streetart Berlin Blog.
Und hier mehr Fotos

Thema: Kunst | Kommentare (2) | Autor: Steffen

Mit dem Fahrrad zur Milchstraße. Die Sammlung Hoffmann. Lipsiusbau Dresden

Donnerstag, 2. Juli 2009 11:47

Kunsthalle im Lipsiusbau DresdenWährend in Berlin das Sammlerpaar Pietzsch surrealistische Kunst in der Neuen Nationalgalerie zeigt (mehr dazu hier), wird derzeit im Dresdener Lipsiusbau auf der Brühlschen Terasse zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Erika und Rolf Hoffmann präsentiert. Und während man in Berlin auf einen konventionellen, chronologischen Rundgang setzt, hat  in Dresden Erika Hoffmann-Koenige die Ausstellung höchstpersönlich konzipiert und für spannungsreiche Bezüge und Überraschungen gesorgt.
Der ungewöhnliche Titel “Mit dem Fahrrad zur Milchstraße” spielt dabei auf zwei für die Sammlung wichtige Werke an: Die Schau beginnt mit dem 16mm-Film “Met losse handen” von Marijke van Warmerdam, in dem man als Betrachter die Position eines Fahrradfahrers einnimmt, der erst die Hände vom Lenker nimmt, dann langsam in die Luft steigt und in Kreisen über die flache holländische Landschaft fliegt. Ein provokant-obszöner Gegensatz dazu ist das große, auf Tizian und Tintoretto anspielende Ölgemälde von Richard Phillips “Origin of the Milky Way”: Eine künstliche Blondine verspritzt Milch aus ihren großen Brüsten.

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Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Bilderträume. Die Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch. Neue Nationalgalerie Berlin

Mittwoch, 24. Juni 2009 18:40

Neue Nationalgalerie Berlin: BilderträumeEs ist schon etwas Besonderes, wenn Privatsammler entweder die  Türen des eigenen Hauses öffnen, um ihre Kunstwerke der Allgemeinheit zu präsentieren oder, wie noch bis 22. November 2009 in der Neuen Nationalgalerie, ihre Sammlung komplett in ein klassisches Museum geben. Das Berliner Sammlerpaar Ulla und Heiner Pietzsch hat sich für letzteres entschieden (und kann zuhause jetzt endlich die Wände streichen lassen). Die beiden sind Fans des Surrealismus und so heisst die Ausstellung am Kulturforum ganz passend “Bilderträume“.

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Thema: Kunst | Kommentare (2) | Autor: Steffen

Helmut Newton: Sumo. Museum für Fotografie Berlin

Samstag, 20. Juni 2009 9:58

Machen wir es kurz: Diese Ausstellung ist eine Unverschämtheit. Da erschien also vor 10 Jahren ein extrem großformatiges Buch mit einem Querschnitt durch Newtons Schaffen, aufgrund der Größe und des Gewichts “Sumo” genannt. Und nachdem sich damals die 10.000 Exemplare zu je 3.000 DM so gut verkauften, einzelne Exemplare heute bei Auktionen Höchstpreise erzielen, was lag da für Verleger Benedikt Taschen näher, als eine Neuauflage zu planen? Für 100 Euro gibt es also “Sumo” jetzt als Ausgabe für jedermann. Tja und die Show im Museum für Fotografie ist nichts weniger als eine große Werbeveranstaltung für diese Neuausgabe. Man nahm sich einfach eins der alten Mega-Exemplare, löste die Bindung und hing die einzelnen gedruckten Buchseiten (!) in drei bis vier Reihen übereinander. Dass den “Kuratoren” dies selbst ein wenig peinlich war, sieht man daran, dass sie noch einige Originale (aus der Privatsammlung Taschens) ohne Zusammenhang in einen extra Raum hingen und danach noch eine Mini-Ausstellung mit Werken von drei Newton-Asisstenten reinschoben. Die Fotos der “Three Boys from Pasadena” (Mark Arbeit, George Holz, Just Loomis) haben aber keinerlei Bezug zu Newtons “Sumo”-Bilder.
Was als Buch, in dem man immer wieder blättern kann, quasi als Werkschau und Retrospektive funktionieren mag, ist als Ausstellung unmöglich. Die 394 Seiten an den dicht behangenen Wänden bilden ein einziges Durcheinander, mal kommt ein “Big Nude”, dann ein Hollywood-Star und dann ein Mode-Shooting für die Vogue. Bleibt also dieser bittere Beigeschmack, der sich verstärkt, wenn man den Museumsshop betritt: Der erste Raum ist von unten bis oben gefüllt mit Büchern von Taschen. So sehen Ausstellungen in Krisenzeiten aus.

Thema: Kunst | Kommentare (2) | Autor: Steffen