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Cosima von Bonin in Köln

Dienstag, 1. November 2011 19:16

Am 4. November öffnet im Museum Ludwig eine große Einzelausstellung mit Werken der Künstlerin Cosima von Bonin (mehr zur Ausstellung hier). Auf der Südseite des Museums stehen drei Tage vor Eröffnung unter freiem Himmel und offen zugänglich die großen Skulpturen “Tagedieb” (2010) und “Smoke” (2008, Cosima von Bonin zusammen mit Michel Würthle). Im letzten Jahr wurde die Installation bereits in Wien gezeigt, damals hing eine Spinne an der über 2,5 Meter langen Nase des offensichtlich lügenden Pinocchio (mehr zur Konstruktion hier). Aus der Zigarette am Laternpfahl qualmte bunter Neon-Rauch. Doch noch ist der Bauzaun nicht entfernt, bis zur Eröffnung wird die Installation in Köln sicher noch um Spinne und Stromanschluss ergänzt.

Cosima von Bonin, Tagedieb (2010) im November 2011 in Köln

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“Die Erde lacht in Blumen”: David LaChapelles Stillleben in Hannover

Sonntag, 27. Februar 2011 13:02

“Earth Laughs In Flowers” - Der etwas eigentümliche Titel der Ausstellung mit neuen Arbeiten des Fotografen David LaChapelle in der kestnergesellschaft ist ein Zitat des Dichters Ralph Waldo Emerson. In dessen Gedicht “Hamatreya” (1846) wird von die Erde malträtierenden Menschen berichtet, die am Ende doch in ihr begraben werden. Die Erde antwortet auf das selbstsüchtige und letztlich unnütze Streben der Menschheit mit Blumen. Und da es in der Geschichte der Kunst die Blumenstillleben sind, die Vergänglichkeit am allerschönsten zeigen, hat David LaChapelle mit dem Emerson-Zitat einen sehr passenden Titel für seine allerneueste Werkgruppe gefunden.
LaChapelle ist vor allem bekannt für seine extrem bunten und durchgeknallten Porträts von Paris Hilton, Lady Gaga, Amanda Lepore und Co. Neben Film, Pop und Porno bedient er sich auch immer wieder bei  der klassischen Kunstgeschichte. In Hannover sind außer den neuen Blumenstillleben auch Fotos der Serie “Jesus Is My Homeboy” (2003) zu sehen, in denen er den Sohn Gottes in amerikanischen Ghettos von heute auftreten lässt.
Die zehn weltweit zum ersten Mal ausgestellten, fast zwei Meter hohen Stillleben sind von einer so überwältigenden, üppigen Schönheit, dass einem der Atem stockt. Die Art ihrer Präsentation - die Fotos hängen in Nischen in einem ansonsten leeren, weißen Raum - unterstreicht die Präsenz der Kunstwerke zusätzlich. LaChapelle hat sich barocke Blumenbilder ganz genau angeguckt und die Tricks der alten Meister (Lichtregie, Farbeinsatz, Oberflächenstrukturen) clever umgesetzt. Und doch sind seine Bilder keine Kopien, denn neben klassischen Vanitas-Symbolen (Kerze, Schädel, Insekten) finden sich etliche Gegenstände, die auf Besonderheiten und Ereignisse unserer Zeit anspielen: Spielzeug, Medikamente, Sextoys, Hostien aus dem Supermarkt, Würstchen aus der Dose usw. usf.  Auf jedem der unsichtbar digital manipulierten Fotos lassen die Dinge auf ein großes Beziehungs- und Bedeutungsgeflecht schließen.
Die ergänzend in einem extra Raum gezeigten Gemälde aus dem 17. und 19. Jahrhundert sind nicht nötig, um LaChapelle zu verstehen. Seine Fotos wirken auf mehreren Ebenen, auch wer sich in der Kunstgeschichte nicht auskennt, kann sie sinnlich erfahren.
Der im Distanz Verlag erschienene Katalog gibt den Fotos dank des sehr großen Formats viel Platz, die querformatigen Werke der Jesus-Serie liegen so glücklicherweise nicht im Buchfalz. Neben LaChapelle ist in der kestnergesellschaft bis zum 8. Mai 2011 die Ausstellung “The Shadows Took Shape” von Julian Göthe zu sehen. Mein Tipp: Erst die schwarzweissen Objekte, Zeichnungen, Collagen von Göthe anschauen und sich danach an “Earth Laughs In Flowers” berauschen.

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Geklebte Schneeflocken: autoR von Carsten Nicolai

Sonntag, 18. Juli 2010 15:31

Zum dritten und letzten Mal verändert sich die Fassade der Temporären Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz. Carsten Nicolai ließ für sein Projekt “autoR” 100.000 bunte Aufkleber in Form von dreiteiligen Kreuzen herstellen. Jeder Besucher kann nun bis zum Ende der Kunsthalle am 31.08. die Außenhaut ganz individuell bekleben. Die Aufkleber lassen sich leicht zu Strukturen gruppieren, die an Zeichnungen und Modelle aus Chemie und Physik erinnern. Doch viele Teilnehmer kleben anders, widersetzen sich gedachten Vorgaben. Aufkleber werden zerrisssen und in Einzelteilen angeklebt, sie werden zu Klumpen geformt und an die Wand geworfen, oft wollen sich Leute mit ihren Namen verewigen. Und doch entfaltet die sich ständig ändernde Fassade in ihrem Chaos einen besonderen Reiz: Steht man direkt vor dem Gebäude rieseln die bunte Sterne wie Schneeflocken herunter. Geht man so dicht an die Wand, dass man nichts mehr von den Gebäuden des Schlossplatzes wahrnimmt, fällt man regelrecht in eine Buchstabensuppe. Der impressionistische Orton-Effekt der Fotos verstärkt den Weltflucht-Reflex noch zusätzlich!

autoR von Carsten Nicolai an der Temporären Kunsthalle Berlin

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Fotografie in der Stadt: Michael Schmidt

Freitag, 9. Juli 2010 9:46

Es ist ja gerade das Besondere an den derzeit auf Berliner Werbeflächen zu sehenden Fotos von Michael Schmidt, dass man sie auf den ersten Blick überhaupt nicht wahrnimmt. Im Rahmen der aktuellen Berlin Biennale wurden Schmidts Fotos auf meist mehrere klassische Plakatwände nebeneinander geklebt. Oft auch an wenig spektakulären Ecken der Stadt; das Foto unten habe ich in der Möckernstraße, Ecke Hornstraße aufgenommen. Im Münchener Haus der Kunst läuft noch bis Ende August eine Ausstellung des Berliners, der ausschließlich in schwarz-weiß fotografiert und derzeit in den deutschen Feuilletons groß gefeiert wird. (Mehr zu Ausstellung “Grau als Farbe” in München bei fokussiert.com.)

Michael Schmidt. Möckernstraße Ecke Hornstraße. Berlin

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Neue Literatur aus Amerika: Meyer, Morgan, Galchen

Samstag, 19. Juni 2010 13:21

20 Autoren unter 40. Im aktuellen Summer Fiction Issue des New Yorker werden Kurzgeschichten junger amerikanischer Autoren vorgestellt. Natürlich kann man gleich hinterfragen, was heutzutage jung oder amerikanisch denn eigentlich bedeutet. Aber weil sich die Herausgeber bei der Mischung der 20 Autoren große Mühe gegeben haben, ist die Auswahl bunt und abwechslungsreich. Und ein Tipp für deutsche Leser allemal, da viele Autoren gerade erst oder noch gar nicht übersetzt wurden. Daher will ich hier drei Autoren und ihr Werk vorstellen.
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Bernd Nothen: Verlorene Botschaften - Lost Messages

Samstag, 22. Mai 2010 10:39

Halb abgerissene Tapeten an den Wänden einer alten Ruine. Darunter: Hinweise auf frühere Bewohner. Regen, Wind und Wetter ausgesetzte Zeitungen, Briefe, Buchseiten. Der ursprüngliche Inhalt ging verloren und zurück bleibt ein rätselhaftes Papier, das nun nichts mehr zu übermitteln hat als sich selbst.
Die Collagen des 1939 in Köln geborenen Künstlers Bernd Nothen erinnern in ihrer abstrakten Schönheit auch oft an zerknülltes und dann wieder glattgebügeltes Papier. Doch egal, welche Assoziationen man bei den farbigen oder monochromen Papierarbeiten auch hat, immer ist man als Betrachter fasziniert von den mysteriös-abstrakten Formen.

Der im Freiburger modo Verlag erschienene Bildband mit dem treffenden Titel “Verlorene Botschaften - Lost Messages” versammelt in qualitätvollen Abbildungen Collagen und Assemblagen Nothens aus den letzten 40 Jahren. Die Arbeiten werden allerdings nicht chronologisch, sondern nach formal-ästhetischen Aspekten geordnet. Dies ist nur konsequent, denn immer wieder überarbeitet Nothen auch ältere Werke. Alte Schichten werden abgetragen, neue kommen hinzu.
Als Inspiration gibt der Künstler die Begegnung mit italienischen Renaissance-Fresken an. Ein guter Ausgangspunkt für eine Beschäftigung mit Nothens Collagen. Wo dort unbeabsichtigt der Putz und somit die gemalten Heiligen von der Wand bröckeln, die Botschaft also verloren ist, wird es für den Künstler spannend. Wie andere, etwa Max Ernst in seinen surrealistischen Grattagen, untersucht er das Spannungsfeld zwischen Assoziation und Abstraktion. Und gerade jene Bilder, die seltsam in der Schwebe bleiben, auf denen man bei jedem neuen Blick mehr erkennen zu glaubt und dann doch plötzlich wieder nichts, zählen zu Nothens beeindruckendsten Kunstwerken. Schließlich - und da ähneln einige seiner Werke denen des Amerikaners Cy Twombly - ist es am Betrachter, sich die verloren geglaubten Botschaften zurückzuholen.

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Mehr zu Bernd Nothen bei Kulturstruktur und beim modo Verlag.

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Bernd Nothen: “Verlorene Botschaften - Lost Messages”
128 Seiten, 30,5 x 23 cm
26,00 EUR
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James Hamilton-Paterson: Kochen mit Fernet-Branca

Mittwoch, 19. Mai 2010 19:04

Nein. Das ist kein Kochbuch. Zwar finden sich in “Kochen mit Fernet-Branca” tatsächlich einige Rezepte, doch wer würde so etwas wie Fischkuchen, Alien Pie (inkl. 1 kg geräucherter Katze) oder Fischotter mit Langustensauce wirklich nachkochen? Stattdessen liefert der Brite Hamilton-Peterson mit seinem amüsant-verrückten Roman eine Mischung aus Thriller und Kulturbetriebs-Satire. mehr

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Martin Page: Antoine oder die Idiotie

Samstag, 8. Mai 2010 9:00

Dumm aber glücklich. Das hört sich ja eigentlich ganz logisch an. Doch wie findet man heraus, ob das nicht nur ein platter Spruch, ein Klischee ist, sondern wirklich stimmt? Antoine, Held im gleichnamigen Roman des Franzosen Martin Page, hat genug von seiner Intelligenz, die angeblich Schuld an seinem Unglück, seiner Einsamkeit und seiner Armut ist. Also entscheidet er sich für die Dummheit. mehr

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Das beste Literaturmagazin der Welt: Slightly Foxed

Donnerstag, 8. April 2010 9:04

Es kann ja gar nicht oft genug auf das großartige “Slightly Foxed” aus England hingewiesen werden. Nicht nur, dass das Magazin mit ganz persönlichen Buchbesprechungen nach wie vor wunderbar oldfashioned auf Papier erscheint (und nicht als  App), vor kurzem haben die beiden Herausgeber Gail Pirkis und Hazel Wood im krisengeschüttelten London auch noch einen alten Buchladen übernommen (South Kensington, 123 Gloucester Road).
In mal enthusiastischen, mal informativen, aber immer leidenschaftlichen Kurzessays werden in Heft 25, der aktuellen Frühlingsausgabe, Bücher von so unterschiedlichen Autoren wie Janet EvanovichJohn Kenneth Galbraith oder Edith Sitwell besprochen. Es geht diesmal also um Abenteuer einer Kopfgeldjägerin, um den Aufbau des Sozialstaats und englische Exzentriker - wenn das keine wilde Themenmischung ist!
Im Vorwort berichten die Herausgeber regelmässig aus ihrem Büroalltag und wenn das Abo schon wieder ausläuft, bekommt man keine Mail, sondern einen sympathischen Erinnerungsbrief.
Kurz: “Slightly Foxed” ist Pflichtlektüre für alle Büchernarren und Bibliomanen!

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Rundgang durch die amerikanische Geschichte. Die National Mall in Washington D.C.

Dienstag, 23. März 2010 12:32

Die National Mall in Washington D.C. ist so etwas wie die nachgebaute, in Stein gehauene Geschichte der USA. Man läuft über ein riesiges Gelände und bekommt Stück für Stück einen Überblick über die für Amerikaner wichtigsten Ereignisse und Persönlichkeiten. Nebeneffekt: In dieser Ballung unterschiedlicher Denkmäler erfährt selbst ein kunsthistorischer Laie auch ganz schnell die Grenzen realistischer Darstellungen.
Starten wir am strahlend weißen Lincoln Memorial, in dem der überdimensionale Marmorpräsident seit 1911 stockstarr thront. Vor dem dorischen Tempel blickt man (wie Martin Luther King 1963 während seiner “I have a dream”-Rede) auf den sogenannten Reflecting Pool in Richtung Obelisk des Washington Monuments. Das Denkmal für den ersten US-Präsidenten aus dem Jahr 1888 ist eins der ältesten und bis heute eines der wenigen abstrakten Kunstwerke auf der Mall, auch wenn man im Inneren natürlich eine realistische Washington-Skulptur findet.
Eine öffentliche Diskussion über das Denkmal für die Veteranen des Vietnamkriegs von Maya Lin führte dazu, dass man ihrer beeindruckenden Wand mit den Namen der Gefallenen, die sich wie eine Wunde in die Boden schneidet, eine platte realistische Skulpturengruppe mit drei Kriegern zur Seite stellte. Das etwas abgelegene Jefferson Memorial ist nichts mehr als eine müde Variante des Lincoln Memorial: quadratischer/runder Grundriss, offen/geschlossen, sitzend/stehend, Marmor/Bronze usw. Doch so richtig peinlich wird es beim erst 2004 eröffneten Denkmal für den 2. Weltkrieg. Die Einfallslosigkeit der Architekten soll wieder einmal mit Größe und Monumentalität überspielt werden. Schnell weiter zum Denkmal für die Gefallenen des Koreakriegs, das auf immerhin eine ganz interessante Art die Natur in das Kunstwerk integriert. Und dann schließlich das Highlight: Beim Franklin Delano Roosevelt Memorial schlendert man durch einen großen Skulpturenpark und gleichzeitig durch Roosevelts Präsidentenlaufbahn. Dabei lernt man Fala, den Lieblingshund der Roosevelts kennen, guckt auf die Schuhe seiner Frau oder sieht ihm im Rollstuhl sitzen. Warum hatte man nicht einfach Duane Hanson beauftragt, die Roosevelts nachzubauen?
Als Europäer ist man mit Sicherheit nicht halb so gut über die dargestellten Personen informiert wie die Amerikaner, die schon in ihren Schulausflügen zur Mall pilgern. Doch mit etwas Abstand erkennt man den Zweck dieser riesigen Denkmalsanlage als simple Heldenverehrung, die den Besuchern ein einseitiges Geschichtsbild aufoktroyiert. Große Erleichterung herrscht schließlich, wenn man in Nähe des Weißen Hauses den National Christmas Tree entdeckt, der nicht ganz so perfekt aussieht, wie alles andere um ihn herum.

Lincoln Memorial

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Thema: Architektur, Kunst | Kommentare (1) | Autor: Steffen