Lesend durch die Welt: Handlungsreisen

Mal eben nach Las Vegas. Dann einen Abstecher nach Wien. Und kurz vorm Einschlafen noch mal kurz in Cottbus. Mit Büchern wandert man blitzschnell von Ort zu Ort! Doch woher weiß man, welche Stadt und welches Land in welchem Buch eine Rolle spielen? Die Internetseite Handlungsreisen.de kann da helfen. Mit einem Literaturatlas lässt man sich ganz schnell Bücher nach Handlungsorten sortiert anzeigen. (Zu den Orten oben passen: Ondaatje: „Divisadero“, Irving: „Hotel New Hampshire“, Schlink: „Selbs Mord“.) Wie jede offene Datenbank steht und fällt das Projekt mit der Menge der korrekten Eingaben. Je mehr Leser ihre Lektüre mit anderen teilen und die Handlungsorte ihrer Romane und Erzählungen mitteilen, desto umfangreicher und nützlicher die Seite. Und einer (imaginären) Reise durch Länder und ganze Kontinente, inklusiver kleiner Städte und Dörfer, steht nichts mehr im Weg!

Alberto Manguel: Eine Geschichte des Lesens

1998 erschien „Eine Geschichte des Lesens“ des bibliomanen Argentiniers Alberto Manguel zum ersten Mal auf Deutsch, im letzten Jahr brachte der S. Fischer Verlag das Buch in einer prächtigen illustrierten Neuauflage heraus. In mehr als 20 Kapiteln erforscht Manguel, der auch als Lektor, Dozent und Übersetzer arbeitet, die unterschiedlichsten Aspekte des Lesen. Vom Lesen lernen über die einsame Lektüre hin zu den Formen von Büchern oder verbotener Literatur – in jedem Abschnitt geht Manguel von meist mehreren historischen Begebenheit aus, zitiert aus alten Schriften und kommt dann schließlich zu allgemeingültigen Aussagen. Am interessantesten wird es, wenn der Autor aus seinem eigenen Leben erzählt, z.B. las er als Kind dem blinden Borges vor. Immer wieder bezieht sich Manguel auf Bilder oder Fotos, die leider nur im ersten Teil des Buches gleich daneben abgedruckt sind. Auf den letzten Seiten häufen sich Abbildungen, die nur noch im weitesten Sinne den Text illustrieren. Man merkt dem Buch an, dass der Autor jahrelang recherierte und so viele wirklich bemerkenswerte Anekdoten aus der Welt des Lesen sammelte. Allerdings trübt dies den Lesegenuss ein wenig. Man hat es hier eher mit einem umfassenden Wissenspeicher zu tun, in dem man bei Gelegenheit gern noch einmal nachliest, anstatt mit einem Roman, den man von vorn bis hinten durchschmökert. Wirklich gelungen ist das letzte Kapitel: Hier erzählt der Autor von einem Buch mit dem gleichen Thema, nur trägt es den Titel „Die Geschichte des Lesens“. Dann wird einem plötzlich klar, dass es so etwas wie eine abgeschlossene Geschichte des Lesens nie geben kann. Und schon blättert man wieder in den ersten Kapiteln und entdeckt Gedanken, die einem beim ersten Lesen entgangen sind, bekommt Lust auf Autoren, von denen man noch nie gehört hat.

Clemens Meyer ruft zur Gewalt auf

Im zweiten Posting für sein FAZ-Blog Der Meyer fordert der Leipziger andere Schriftsteller dazu auf, sich lieber ordentlich zu kloppen, als immer nur (verlogen) nett und freundlich zu sein. Zu seinen Lieblingskampfkonstellationen gehören Daniel Kehlmann gegen Jörg Fauser und Raymond Chandler gegen Thomas Mann. Die Idee habe er von Hemingway, doch wollte dieser immer nur bereits tote Autoren „schlagen“ (und noch dazu lediglich im übertragenen Sinne). Sucht das ZDF nicht gerade nach einer neuen Literatursendung? Reißerisch genug wären diese Dichter-Duelle doch allemal! Quote! Weitere Kombinationen: Charlotte Roche vs. Eva Herman, Martenstein vs. Matussek…

Rothko und Giotto in Berlin

Am 6. Februar öffnet in der Berliner Gemäldegalerie eine kleine aber sehr feine Ausstellung mit Werken von Giotto di Bondone (1264-1337) und Mark Rothko (1903-1970).  Der amerikanische Farbfeldmaler Rothko setzte sich in seinen Schriften intensiv mit der Kunst der frühen Italiener und vor allem mit Giotto auseinander. „An Giotto interessierte Rothko insbesondere die Fähigkeit, Bildraum und Handlung über das Kolorit zu organisieren.“ so die Ankündigung. Ob es den Kuratoren gelingt, den Besuchern diese Parallelen auch vor den Gemälden zu verdeutlichen?

Nachtrag 15.02.2009: Die Ausstellungskritik gibt es hier.

Alles außer Massenware: Bücher bei Tubuk

Wer Lust auf frische Literatur hat, die es in Deutschland bei den großen Publikumsverlagen in dieser Form nicht gibt, der schaue mal bei Tubuk rein. In dieser modernen Form eines gut sortierten und unabhängigen Buchladens werden ausgewählte Publikationen kleiner deutschsprachiger Independent-Verlag vorgestellt. Als angemeldeter User nutzt man die klassischen Community-Funktionen und kann beispielsweise seine Lieblingsbücher kommentieren und mit wenigen Klicks erfahren, was Fans eines bestimmten Buches noch so empfehlen. Etwas Besonderes ist Tubuk Deluxe, ein Buchclub in dem man für monatliche 6 € in jedem Quartal eine anspruchsvolle Neuerscheinung zugeschickt bekommt. Für Neuentdeckungen abseits des Mainstreams ist Tubuk derzeit mit Sicherheit die bestes Empfehlung.

Literatur im Kino

Nach den „Buddenbrocks“ im Dezember geht es im Februar mit zwei weiteren Verfilmungen berühmter deutscher Texte weiter. Am 12. 02. startet Fontanes „Effi Briest“. Regisseurin Hermine Huntgeburth drehte für das Fernsehen so großartige Filme wie „Der Boxer und die Frisöse“ (in dem das Wort „knastschwul“ eine wichtige Rolle spielt) und „Teufelsbraten“ (Romanvorlage hier: „Das verborgene Wort“ von Ulla Hahn). Mit Schauspielern wie Julia Jentsch und Sebastian Koch sollte da eigentlich nichts schiefgehen. Auch was man bisher von „Der Vorleser“ (Start 26.02.) nach dem Welt-Bestseller von Bernhard Schlink vernommen hat, lässt hoffen: Gedreht u.a. in Görlitz unter der Regie von Stephen Daldry („Billy Elliot“  und „The Hours“ – schon wieder ein Roman, diesmal von Michael Cunningham) und mit Kate Winslet und Ralph Fiennes in den Hauptrollen. Empfohlen sei an dieser Stelle auch die DVD-Reihe bei Arthaus, die sich allein Literaturverfilmungen widmet (u.a. mit „Effi Briest“ in der Version von Fassbinder).

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Sumerischer Priester vermisst

Vermisst: IM5572. Große, sandfarbene Statue eines männlichen Priesters aus Stein, 15.2 x 38 cm groß, mit einer Inschrift auf der rechten Schulter, in der die Göttin Nin-shu-pur erwähnt wird. Angeblich in der Nähe der sumerischen Stadt Adab (im Osten des heutigen Iraks) gefunden. Zu datieren in die Frühdynastische Periode des Altsumerischen Reiches (nach 2800 v. Chr.). Meldungen über den Verbleib an das FBI!

Art of Two Germanys/Cold War Cultures

Am 25. Januar eröffnet im Los Angeles County Museum of Art (LACMA) eine Ausstellung, die deutsche Kunst aus der Zeit des Kalten Krieges präsentiert. In einem neuen, von Renzo Piano entworfenen Gebäude, dem Broad Contemporary Art Museum (BCAM) gibt es etwa 300 Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videos, Bücher und Installationen zu sehen, unter anderen von so bekannten Künstlern wie Gerhard Richter, Sigmar Polke, Dieter Roth, Hans Haacke, Raffael Rheinsberg oder A.R. Penck. Eine Ausstellung auf den Spuren von politischen, kulturellen und theoretischen Diskursen in Ost und West, mal in Einklang mit dem System und mal in Opposition dazu – noch hört sich die Ankündigung nach einem großen Rundumschlag mit garantierten Erkenntnisgewinn an. Ob die damals nicht wahrgenommenen Dialoge zwischen den Künstlern über die Grenzen hinweg in der Austellung wirklich sichtbar werden, kann man in Deutschland ab dem 23. Mai im Nürnberger Germanischen Nationalmuseum (GNN) und ab 3. Oktober im Berliner Deutschen Historischen Museum (DHM) selbst herausfinden.

Erik Gunnar Asplund: Stadsbiblioteket in Stockholm

Nach einer USA-Reise plante der schwedische Stararchitekt Asplund (1885-1940) die Stockholmer Stadtbibliothek – eins der letzten Beispiele des Skandinavischen Neoklassizismus und seit vielen Jahrzehnten eins der berühmtesten Gebäude Stockholms. 1928 wurde die Bibliothek eröffnet. Ihr Körper: Ein Quader mit darin steckendem Zylinder. Im Quader befinden sich kleine Lesesäle und Verwaltungsräume, im Zylinder der beeindruckende große Bibliothekssaal. In der Eingangshalle empfangen antik anmutende Stuckreliefs die Besucher, viele Details erinnern an ägyptische Kunst. Und ohne Taschenkontrolle steht man dann plötzlich in einem modernen Tempel der Weisheit.